Seite 2: „Jetzt erzähl bloß noch, du wärst harmoniesüchtig. Dann falle ich tot um.“

In Bezie­hungen heißt es: Auf­ge­wärmtes geht meis­tens schief.“ Lässt sich der Spruch auf den Fuß­ball über­tragen?
Veh: Für mich beim VfB schon, für Jupp Heynckes bei den Bayern war es das Beste, was ihm und den Bayern pas­sieren konnte.

Haben Sie bei Vehs Rück­hol­ak­tion über diesen Spruch nach­ge­dacht, Heri­bert Bruch­hagen?
Bruch­hagen: Ich habe mir nur die Qua­li­täts­frage gestellt und über­legt, wel­cher Typ am besten zur Mann­schaft passt. Und von denen, die zur Ver­fü­gung standen, war Armin der­je­nige, zu dem ich am meisten Ver­trauen hatte. Das hat mit unserer Freund­schaft über­haupt nichts zu tun. Im Übrigen hat bei der Trai­ner­suche Bruno Hübner auch einen Stern mehr als ich.

Armin Veh, bei Ihrer Rück­kehr muss Ihnen klar gewesen sein, dass Ihnen Ihr Abschieds­satz vor die Füße fallen würde: Ich ver­lasse die Ein­tracht, weil ich keine Lust mehr habe, dem geg­ne­ri­schen Trainer zum Sieg zu gra­tu­lieren.“
Veh: Ich habe ihn halt gesagt.

Aber Lust, sich dafür zu recht­fer­tigen, haben Sie nicht.
Veh: Viel­leicht mache ich mir Gedanken dar­über, ob ich mich bei einem Klub wohl fühle …
Bruch­hagen: Jetzt erzähle bloß noch, du wärst har­mo­nie­süchtig. Dann falle ich aber tot um.
Veh: Aber ich mache mir vorab keine Gedanken dar­über, was pas­sieren kann, wenn ich irgend­eine Ent­schei­dung fälle. Ich ver­stehe mein Enga­ge­ment bei Ein­tracht auch nicht als Rück­kehr, son­dern als Neu­start.

Sind Sie des­halb in ein anderes Haus gezogen?
Veh: Nein, in meinem alten wohnt mitt­ler­weile Haris Sefer­ovic. Den hätte ich natür­lich ver­kaufen können, wenn ich in das Haus zurück­ge­wollt hätte. Aber Spaß bei­seite: Ich bin in eine andere Gegend gezogen, weil die Ankunft hier etwas Jung­fräu­li­ches haben sollte.

War es den­noch ein biss­chen wie nach Hause zu kommen?
Bruch­hagen: Ich kann zumin­dest sagen, dass wir beide sehr ver­traut zusam­men­ar­beiten. Auch wenn ich nicht unbe­dingt begeis­tert bin, wenn er im Trai­nings­lager den Jour­na­listen steckt, dass er gern noch einen Spieler auf halb­links braucht, obwohl er weiß, dass das Geld alle ist.
Veh: Das war not­wendig. In Stutt­gart habe ich solche Zei­chen nicht gesetzt und es im Nach­hinein bereut.

Gab es ein Ereignis, eine Begeg­nung mit dem Zeug­wart bei­spiels­weise, die bei der Rück­kehr Hei­mat­ge­fühle in Ihnen aus­löste?
Bruch­hagen: Freunde, das ist doch Gefühls­du­selei. Hört damit auf.
Veh: Ich brauche schon eine Wohl­fühl-­At­mo­sphäre. Bei man­chen Ver­einen dauert es länger, bei man­chen kommt es nie, aber hier war es schnell wieder da.
Heri­bert Bruch­hagen, warum müssen Sie den Fuß­ball immer so wahn­sinnig rational betrachten?
Bruch­hagen: Es ist meine Über­zeu­gung und Pflicht als Vor­stands­vor­sit­zender, die Dinge rea­lis­tisch zu betrachten.

Aber wäre es zu Beginn Ihrer letzten Saison nicht an der Zeit, ein wenig sen­ti­mental zu sein? Haben Sie nicht die Hoff­nung, dass Armin Veh eine Ära begründen könnte?
Bruch­hagen: Das hätte er doch haben können, aber nach drei Jahren ist er weg­ge­gangen. Keiner wollte das. Aber das liegt so in seiner Art.

Auch jetzt?
Bruch­hagen: Ich denke schon. Er ist ein­fach nicht der Typ, der acht Jahre hier bleibt.

Was sagen Sie dazu, Armin Veh?
Veh: Acht Jahre sind eine lange Zeit. Ich bin nach drei Jahren auch gegangen, weil die Zeit sehr kräf­te­zeh­rend war.
Bruch­hagen: Einen Satz wie Keine Lust mehr, dem geg­ne­ri­schen Trainer zu gra­tu­lieren“, sagt doch alles. Armin hatte am Ende das Gefühl, das vor ihm wohl jeder Trainer hier bekommen hat. Das Gefühl, dass es ein­fach nicht vor­an­geht. Jeder weiß doch, dass es extrem schwer ist, unter die ersten Sechs zu kommen. Aber der Fuß­ball ist Emo­tion, man will den Leuten auch mal was sug­ge­rieren. Wenn ich bei Ver­an­stal­tungen sage Unser Ziel ist Europa!“, dann kriege ich tosenden Bei­fall, aber die Rea­lität sieht meis­tens anders aus. Wir hatten also maxi­malen Erfolg unter Armin Veh, denn in den kom­menden Jahren wird Ein­tracht wahr­schein­lich zwi­schen Platz sieben und 14 hin- und her­wan­dern. Das macht wohl kein Trainer acht Jahre lang mit.

Sie haben das Wort, Armin Veh!
Veh: Für jeden Trainer ist dieser Vor­stands­chef ideal. Er stellt sich hart­nä­ckig in den medialen Wind, wenn es schlecht läuft, was sich allein daran zeigt, dass er hier nie einen ent­lassen hat.
Bruch­hagen: Doch, einen: Michael Skibbe.
Veh: Aber er ist eben auch sehr ehr­lich. Wir haben damals im Winter 2014 über den Etat für die neue Saison gespro­chen. Er sagte: Wir haben die glei­chen Mittel wie in der zurück­lie­genden Serie.“ Das bedeu­tete für mich, dass ich keinen Schritt wei­ter­komme.
Bruch­hagen: Und ich sagte ehr­li­cher­weise: Ja, Armin, wir haben 30 Mil­lionen Euro zur Ver­fü­gung. Wir können keinen Schritt weiter machen, weil wir die Latte nur dorthin legen können, wo wir uns nicht über­nehmen.“
Veh: Am Ende waren es wegen der Europa League zwar 35 Mil­lionen, aber ich habe schon im Winter gesagt, dass ich auf­höre, damit der Verein Zeit hat, einen neuen Trainer zu suchen.