Seite 2: „Wir müssen diese Gunst jetzt nutzen“

Mit Millie Bright, Jess Carter, Beth Eng­land und Fran Kirby stehen vier Ihrer Chelsea-Kol­le­ginnen im Kader des eng­li­schen Natio­nal­teams. Eifer­süchtig gewesen, dass die Mit­spie­le­rinnen beim Eröff­nungs­spiel vor fast 70.000 Men­schen im Old Traf­ford auf­laufen durften?
Eifer­süchtig nicht. Natür­lich wün­sche ich mir, irgend­wann auch mal vor so vielen Zuschaue­rinnen und Zuschauern zu spielen, aber ich bin zuver­sicht­lich, dass das irgend­wann der Fall sein wird. Für die Mädels habe ich mich riesig gefreut. Sie hatten das ver­dient.

Sind Sie mit den eng­li­schen Chelsea-Kol­le­ginnen in Kon­takt?
Nicht nur mit den eng­li­schen, auch mit denen aus Schweden oder Nor­wegen. Wir reden immer mit­ein­ander, auch, um ein biss­chen Abstand vom Fuß­ball zu bekommen. Ich lebe als Deut­sche in Eng­land. Des­halb ist die Chelsea-Mann­schaft meine zweite Familie. Wir ziehen uns auch nicht gegen­seitig auf. Das kommt wahr­schein­lich erst auf dem Spiel­feld, kurz bevor wir ein­laufen. Ich hebe mir sowas für den rich­tigen Moment auf.

Eng­land und Deutsch­land können mitt­ler­weile frü­hes­tens im End­spiel auf­ein­an­der­treffen. Wäre das für Sie das per­fekte Finale?
Eng­land gegen Deutsch­land ist ein his­to­ri­sches Spiel. Warum sollte es also nicht auch im Frau­en­fuß­ball ein tolles Finale sein? Ich bin zumin­dest froh, dass wir im Viertel- oder Halb­fi­nale noch nicht gegen Eng­land spielen. Man stelle sich vor, Eng­land und Deutsch­land kommen bis ins Finale. Für uns heißt das dann, dass wir gegen die Heim­mann­schaft des Tur­niers im Wem­bley Sta­dium auf­laufen dürfen. Besser ginge es nicht.

Der Frau­en­fuß­ball wird nach dieser EM einen rie­sigen Sprung nach vorne gemacht haben“

Wird dieses Tur­nier der end­gül­tige Durch­bruch für den Frau­en­fuß­ball in Eng­land?
Nicht nur für den Frau­en­fuß­ball in Eng­land, son­dern für den Frau­en­fuß­ball gene­rell. Die Ein­schalt­quoten für unser Spiel gegen Spa­nien waren in Deutsch­land extrem hoch und ich ver­mute, dass das in Spa­nien ähn­lich war. Dieses Tur­nier hat eine enorme Aus­wir­kung auf eine Viel­zahl an Nationen, da bin ich mir zu 100 Pro­zent sicher. Mir haben Leute erzählt, die drei oder vier Tage hier in Eng­land waren, wie sehr sie die Atmo­sphäre begeis­tert hat. Teil­weise reisen ganze Fami­lien an, um mit­zu­er­leben, was in und ums Sta­dion pas­siert. Da ist Euphorie dabei. Der Frau­en­fuß­ball wird nach dieser EM einen rie­sigen Sprung nach vorne gemacht haben.

Muss das DFB-Team den Titel holen, um den Frau­en­fuß­ball auch bei uns auf eine neue Ebene zu hieven?
Wir müssen nichts, aber wir wollen unbe­dingt. Das ist der Anspruch in Deutsch­land. Ein Blick auf den Pokal genügt, um zu sehen, wie oft die deut­sche Natio­nalelf diese Tro­phäe schon gewonnen hat. Wir sind nicht hier, um uns eine schöne Zeit zu machen und das eng­li­sche Wetter zu genießen. Wir sind hier, um unser Ding durch­zu­ziehen. Das Tur­nier wird dem deut­schen Frau­en­fuß­ball aber wei­ter­helfen, unab­hängig davon, auf wel­chem Platz wir am Ende mit dem DFB-Team landen. Außerdem würde es mich über­ra­schen, wenn diese EM und unsere tollen Auf­tritte in den ersten Spielen nicht jetzt schon posi­tive Aus­wir­kungen auf die Zukunft des Frau­en­fuß­balls in ganz Deutsch­land haben würden.

Deutsch­land ist bereits Grup­pen­sieger. Haben Sie die Hoff­nung, dass Sie des­halb viel­leicht im letzten Grup­pen­spiel gegen Finn­land zum Ein­satz kommen könnten?
Da habe ich kein Mit­sprach­recht. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, aber ich wäre auch nicht traurig, wenn es nicht so ist. Bei so einer Ent­schei­dung spielen außerdem meh­rere Fak­toren eine Rolle. Auf der einen Seite können Wechsel sinn­voll sein, weil das Tur­nier ja noch länger geht. Auf der anderen Seite kann so auch der Spiel­rhythmus ver­loren gehen. Ich kann beide Seiten ver­stehen.