Günter Kuto­wski, wussten sie, dass Mehmet Scholl gerne mit Ihnen in einer Mann­schaft gespielt hätte?
Er hat nie gerne gegen mich gespielt. Das könnte ein Grund sein. Mehmet und ich haben ein sehr gutes Ver­hältnis. Wir sind immer fair mit­ein­ander umge­gangen und hatten viel Spaß zusammen.

Freuen Sie sich über so ein Lob?

Absolut! Mehmet war für mich einer der besten Fuß­baller in Deutsch­land. Wenn sol­ches aus seinem Munde kommt, freut mich das natür­lich sehr.

Warum wird jemand zum Publi­kums­lieb­ling?
Ent­weder durch sein über­ra­gendes Können oder durch Ein­satz. Wenn der Zuschauer spürt, dass sich jemand für den Verein opfert, wird das regis­triert.

Sie waren und sind ein Publi­kums­lieb­ling in Dort­mund.
Mir haben die spie­le­ri­schen Mög­lich­keiten gefehlt. Viel­leicht haben aber die Leute gemerkt, dass ich alles für den Verein gebe. Borussia Dort­mund war meine ein­zige Pro­fi­sta­tion in der ersten Liga. Diese Zuge­hö­rig­keit haben die Leute gespürt.

Wissen Sie noch, gegen wel­chen Verein Sie Ihr erstes Bun­des­li­ga­spiel gemacht haben?
Natür­lich weiß ich das noch. Das war gegen Bayern Mün­chen.

Welche Erin­ne­rungen haben Sie an diese Partie?
Eigent­lich sollten wir unter der Woche ein Nach­hol­spiel in Mön­chen­glad­bach haben. Dort hätte ich erst­mals in der Startelf stehen sollen. Leider wurde das Spiel wegen Nebels abge­sagt. Die Partie gegen die Bayern war genial. In Dort­mund spielten wir natür­lich vor aus­ver­kauftem Haus. Damals waren es noch 54.000 Zuschauer, die aber genau so viel Lärm machten wie 80.000 heute. Wir haben unent­schieden gespielt, 1:1. Das war ein Erfolg.

In Ihrer gesamten Kar­riere erzielten Sie nur drei Tore. Wollten oder konnten Sie nicht?
Das liegt natür­lich auch an der Auf­ga­ben­ver­tei­lung. Ich wurde hinten mehr gebraucht als vorne.

Also tak­ti­sche Anwei­sung?
Ich war auch nicht der größte Spieler. Bei Stan­dard­si­tua­tionen schal­tete ich mich also nicht bei Offen­siv­ak­tionen ein. Und die wenigsten Abwehr­spieler treffen ja aus dem Spiel heraus.

Sie hatten einige Ein­sätze in der U 21 Natio­nal­mann­schaft. Warum kam es nie zu einem A‑Länderspiel?
Wenn ich das wüsste. Da müssen sie den dama­ligen Bun­des­trainer fragen. In der Zeit, in der ich meine Top­leis­tungen gebracht habe, lief es im Verein nicht so gut. Spieler aus Dort­mund waren leider zu dem Zeit­punkt nicht gefragt.

Es gab damals viel Unruhe im Verein. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Ins­ge­samt hatte ich in Dort­mund eine super Zeit. Den Wechsel habe ich nie bereut. Es war damals sehr intensiv mit abso­luten Tiefen. Nach meinen ersten drei Monaten bekam ich schon einen neuen Trainer. Dem Verein ging es sehr schlecht, die Gehälter wurden gekürzt. Wir waren 1984 und 1985 kurz vor dem Ende. Das sind Zeiten, die einen Men­schen prägen. Ich habe damals viel gelernt. Als Mann­schaft sind wir aus dieser Situa­tion sehr gut her­aus­ge­kommen und konnten den Verein in bes­sere Zeiten führen.

Die guten Zeiten begannen Anfang der 1990er. In dieser Zeit sanken aber auch Ihre Ein­satz­zeiten. Waren Sie zuvor Stamm­spieler, kamen Sie in der Meis­ter­saison 1994/95 nur auf acht Ein­sätze. Ist das nicht undankbar?
Man fühlt sich in sol­chen Situa­tionen fernab der Mann­schaft. Das ist kein schönes Gefühl. Zu dem Zeit­punkt war Ottmar Hitz­feld Trainer und ich anfangs auch noch Stamm­spieler. Das änderte sich dann. Ottmar Hitz­feld wollte große Abwehr­spieler, das hat dann leider nicht gepasst. Des­halb habe ich 1996 auch den Schluss­strich gezogen.

Sie haben in Pader­born, Dort­mund und schließ­lich in Essen gespielt. Das war Anfang der 1990er nicht unbe­dingt die große Fuß­ball­welt. Warum haben sie nicht zu einem frü­heren Zeit­punkt den Absprung gewagt? Sie waren schließ­lich Stamm­spieler in der Bun­des­liga.
Ich habe unheim­lich gerne für Borussia Dort­mund gespielt. Zudem ist man ja auch von sich über­zeugt. Ich war nie der Mei­nung, dass ich schlechter war als andere, die zum Ein­satz gekommen sind. Das zeigt sich ja auch in meinen Ein­satz­zeiten im UEFA-Cup in dieser Zeit.

Unver­gessen ist das UEFA-Cup-Spiel 1992 gegen Sara­gossa, als Sie mit blut­durch­tränktem Turban das Spiel beendet haben. Warum ver­ließen Sie nicht früher den Platz?
Ich wollte unbe­dingt das Spiel gewinnen. Es lief auch ganz ordent­lich. Für mich war klar, dass ich die Partie beenden wollte. Der erste Turban war auch ziem­lich schnell wieder blutrot. Der Schieds­richter wollte mich damals nicht wieder auf den Platz lassen. Unsere Phy­sio­the­ra­peuten haben dann noch einmal nach­ge­holfen, dass wenigs­tens kein Blut mehr fließt. Aus so einem Spiel geht man nicht raus.

Ende der 1990er war die finan­zi­elle Situa­tion von Borussia Dort­mund ziem­lich bedenk­lich. Wie haben Sie als Ehe­ma­liger diese Zeit erlebt?
Borussia Dort­mund wird immer mein Verein bleiben, erst als Spieler und jetzt als Fan und Zuschauer. Man zit­tert mit. Es sind einem aber natür­lich stets die Hände gebunden. Die zeit Ende der 90er war bitter, ganz klar. Man hat damals aber auch Leute in Dort­mund gehört, die gesagt haben: »Dann müssen wir in die Ober­liga, haben wir halt 50.000 Besu­cher in der Ober­liga«. Die Men­schen stehen ein­fach hinter der Borussia.

Das Gespann Niebaum/​Meier wurde Anfang der 1990er als das Duo gefeiert, das end­lich Ruhe und Seriö­sität in den Verein brachte. Wie beur­teilen Sie ihre Arbeit aus heu­tiger Sicht?
Das ist nicht ganz ein­fach. Ich glaube, dass die großen Erfolge ganz fest mit den Namen Nie­baum und Meier zu ver­binden sind. Die Beiden haben uns auch in Europa an die Spitze geführt. Auf der anderen Seite hat man dann viel­leicht zu einem spä­teren Zeit­punkt die Sach­lage ein biss­chen falsch ein­ge­schätzt. Es war Himmel und Hölle.

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Günter Kuto­wski beim Super­Pott Benefiz-Tur­nier 2011 zugunsten der Erd­be­ben­opfer in Japan.

Ganz aktuell sind Sie Spiel­führer der Tra­di­ti­ons­mann­schaft von Borussia Dort­mund. Ist es immer noch ein tolles Gefühl für den BVB auf­zu­laufen?
Ich leite die Mann­schaft, das macht riesig Spaß. Spielen kann ich immer sel­tener, da ich immer wieder Pro­bleme mit der Hüfte habe. Meine Ein­sätze in diesem Jahr sind also an einer Hand abzu­zählen. Es ist schön die alten Kol­legen wie­der­zu­treffen und in Erin­ne­rungen zu schwelgen. Wir tragen auch ein biss­chen zur Image­pflege des Ver­eins bei.

Wie reagiert das Publikum auf die ehe­ma­ligen Spieler?
Mitt­ler­weile sind wir nur noch Legenden. Die 14-Jäh­rigen kennen uns kaum noch. Men­schen, die uns aber als Spieler kannten, freuen sich. Darum geht es ja auch.