Seite 2: „Bedingungen im Verein sind optimal“

Wie sieht das im Alltag aus? 
Indem ich offen auf die Mit­ar­beiter zugehe, statt zu sagen: Ich küm­mere mich nur ums Sport­liche und der Rest ist mir egal. 
Das geht auch, ohne dass ich mich ver­biegen lasse und zum Kasper mache.

Was muss noch besser werden, damit Union bis zum Schluss um den Auf­stieg mit­spielt?
 
Die Bedin­gungen rund um den Verein sind optimal. Wir haben aber nicht den Kader, den Han­nover und Stutt­gart haben. Wir sind in der Lage, um den Auf­stieg zu spielen, aber dann muss wirk­lich alles stimmen. Keine schlechte Phase, keine Ver­let­zung von Schlüs­sel­spie­lern.

Haben Sie Ver­ständnis dafür, dass sich manche Fans für den Fall des Auf­stiegs Sorgen machen, ob Union seine Iden­tität bewahren kann?
 
Richtig ist, dass viele unserer Fans mit der zweiten Liga zufrieden sind. Ich glaube, ich bin der erste Trainer, der ent­lassen wird, wenn er auf­steigt. (Lacht.) Hier muss sich ein pro­fes­sio­nelles Denken ent­wi­ckeln, auch im Verein sind die Leute lange mit wenig zufrieden gewesen. Es ist quasi als selbst­ver­ständ­lich hin­ge­nommen worden, dass man schlecht startet, dass man im Pokal raus­fliegt – Sachen, wo ich gesagt habe: Seid ihr alle wahn­sinnig?“

Wie bewerten Sie das Ver­hältnis zu Hertha? Zu Ost­zeiten waren beide Ver­eine befreundet, heute hin­gegen sind sie Rivalen. 
Ich per­sön­lich habe gar keine Bezie­hung zu Hertha. Die sind in der ersten Liga, was schön für sie ist. Aber eine Haupt­stadt kann durchaus zwei Erst­li­ga­ver­eine ver­tragen. Riva­lität ist ja auch etwas Gutes, wenn sie sich in einem gesunden Rahmen abspielt.

Die meisten Trainer arbeiten in Ihrer Kar­riere bei einer Reihe von Klubs. Muss man den Job sach­lich betrachten, um die häu­figen Ver­eins­wechsel glaub­würdig zu ver­kaufen? 
Das ist ganz wichtig. Was ich den Leuten ver­mittle, ist Fol­gendes: Wenn ich irgendwo unter­schreibe, bringe ich mich kom­plett ein und gebe alles. Der Unter­schied ist: Fans haben meist nur einen Verein, und das ihr Leben lang. Als Trainer muss ich mich dagegen für viele Ver­eine öffnen. Wenn der Verein mich ent­lässt, ist es irgend­wann auch vorbei. Dann habe ich viel­leicht noch schöne Erin­ne­rungen, aber das war’s.

Ist das ver­brei­tete Wap­pen­küssen von Spie­lern ver­logen?
Ich habe jeden­falls null Ver­ständnis dafür – außer viel­leicht, wenn der Spieler aus der eigenen Jugend kommt.

Sie klingen nicht gerade wie ein Fuß­ball­ro­man­tiker.
Ich bin Rea­list. Opti­mist und Rea­list.

Und das in einem Klub, bei dem Fuß­ball­ro­man­ti­kern bun­des­weit die Augen feucht werden. 
Ich finde das ja auch toll! Und solange ich hier bin, bin ich voll dabei. Aber wenn es irgend­wann vorbei ist, werde ich meinen Koffer packen und woan­ders hin­gehen.


In unserer Wahr­neh­mung gibt es der­zeit vor allem zwei Trai­ner­typen: moderne Lap­top­trainer und die erfah­renen Trai­ner­füchse und Moti­va­ti­ons­künstler. Dieter Hecking hat neu­lich in einem Inter­view gesagt, dass ihm eigent­lich zu viel über Taktik 
geredet wird. Was denken Sie? 
Ich glaube, ich ver­trete in dieser Frage eine gesunde Mischung. Aber ich glaube auch nicht, dass Lap­top­trainer nicht psy­cho­lo­gisch arbeiten.