Morten Olsen, Ihr Mit­tel­feld­spieler Wil­liam Kvist meinte augen­zwin­kernd, im letzten Grup­pen­spiel gegen Deutsch­land ginge es um Platz eins oder zwei.
Er macht gerne Späße.

Ihnen gefällt diese Aus­sicht nicht?
Wir sind gerne Züng­lein an der Waage. Aber wie er das gesagt hat, zeigt die Art wie wir an dieses Tur­nier und diese Gruppe ran gehen.

Auf die lockere däni­sche Art als krasser Außen­seiter?
Das ist die kluge Men­ta­lität eines Under­dogs. Wir sind ein kleines Land mit Fuß­ball-Tra­di­tion. 1984 waren wir das erste Mal bei einer EM, nur 2008 nicht und 1992 nur auf Grund poli­ti­scher Umstände. Das ist eine phan­tas­ti­sche Bilanz für ein kleines Land.

Es gibt keinen däni­schen Min­der­wer­tig­keits­kom­plex?
Däne­mark ist immer ein pro­duk­tives Land gewesen und hat davon gelebt, was bei den Leuten zwi­schen den Ohren sitzt. Auch Fuß­ball ist Denk­sport und nicht nur Lauf­sport. Krea­ti­vität und Intui­tion ist gleich Frei­heit, davon sind wir Dänen über­zeugt.

Der Frei­heits­ge­danke ist Grund­lage für sport­li­chen Erfolg?
Der dama­lige Natio­nal­trainer Sepp Piontek warb in den 80er Jahren das erste Mal für Dis­zi­plin und Orga­ni­sa­tion unter den däni­schen Indi­vi­dua­listen. Wir haben damals ein­ge­sehen, ohne Orga­ni­sa­tion gibt es keine Frei­heit, jeder muss Team­player sein, egal wie gut er als Indi­vi­duum ist.

Also spielt Däne­mark doch nach einem Schema?
Im Gegen­teil. Wir haben weiter das starke Gefühl, frei und kreativ sein zu müssen. Das gehört zum däni­schen Wesen. Dänen sind keine Leute, die starr nach dem oder dem Weg gehen. Im Fuß­ball ist es eine Qua­lität unserer Mann­schaft, sich auf Gegner ein­stellen zu können.

Fle­xibel zu sein ist also sehr dänisch?
Auch in anderen Berei­chen des Lebens hat sich die Hal­tung ent­wi­ckelt, man will nicht nur Gewinner sehen, son­dern Krea­ti­vität und Intui­tion im Rahmen der Mög­lich­keiten. Die Leute mussten an den däni­schen Weg glauben und lernen, Ver­trauen zu haben, selbst, wenn wir damit ver­loren haben.

Des­halb ist Däne­mark 1992 Euro­pa­meister geworden?
(lacht) Ja, ja, vom Cam­ping­platz weg. Aber diese Art, zuerst einmal ansehn­lich spielen zu wollen, gibt es auch woan­ders, was mich in dem Fall positiv über­rascht hat.

Das müssen Sie uns erklären?
Ich denke an die WM 2006. Da hat man in Deutsch­land akzep­tiert, nicht gewonnen zu haben. Man hat gleich­zeitig gesagt, wir haben guten Fuß­ball gespielt. Das war neu in Deutsch­land. Dar­über habe ich mich gefreut. Das war anders als früher, da hat man ver­sucht, egal wie, zu Ergeb­nissen zu kommen.

Früher haben sie Fuß­ball in Deutsch­land kri­tisch gesehen?
Zu meiner Zeit als Spieler in Köln war ich großer Kri­tiker der Aus­bil­dung in Deutsch­land. Jeder hat gesagt, halt die Klappe, du ver­dienst hier dein Geld. Heute ver­lässt man sich nicht mehr auf die hohe Wahr­schein­lich­keit, dass unter 85 Mil­lionen Men­schen gute Fuß­baller sind, son­dern man bildet sie bewusst aus. Wenn man heute junge deut­sche Spieler sieht, sagt man, Hut ab, das ist Welt­klasse.

Was haben Sie gedacht als Sie die Gegner der Aus­lo­sung gesehen haben?
Ich kann Ihnen sagen, was ich heute denke.

Und?
Robin van Persie Top-Scorer in der Pre­mier League. Klaas-Jan Hun­telaar, Top-Scorer in der Bun­des­liga. Gefolgt von Gomez. Ronaldo, Top-Scorer in Spa­nien. Das ist für uns Dänen schon ein heißes Ding. Und noch etwas…

…bitte…
… wenn Klose ver­letzt ist, spielt Gomez. Wenn van Persie nicht spielt, kommt Hun­telaar. Aber, auch das kann ich sagen, wir sind sicher kein Spar­ring­partner.

Gibt es über­haupt eine rea­lis­ti­sche Chance auf ein Wei­ter­kommen?
(lacht) Keine Ver­letzten, die Spieler müssen über ihre Grenzen gehen, alle Schieds­richter-Ent­schei­dungen für uns und dazu jede Menge Glück.

Was bleibt für die frei­heits­lie­benden Dänen bei dieser EM?
Wir haben Por­tugal in der Qua­li­fi­ka­tion geschlagen. Wir können gegen alle gewinnen. Man könnte die Gruppe auf den Nenner bringen: Die anderen müssen, wir können.