Was wäre die Pri­mera Divi­sion eigent­lich ohne Messi und Ronaldo? Wäre das El Cla­sicó“ noch von glei­cher Bri­sanz, Real Madrid noch könig­lich und Bar­ce­lona das Maß aller Dinge? Fast span­nender ist aber die Frage, was wäre, wenn Messi und Ronaldo in ein und der glei­chen Mann­schaft spielen würden? Könnten sie plötz­lich von Geg­nern zu Mit­spie­lern werden, könnten sie mit­ein­ander bril­lieren? Diese Fragen könnten bald eine echte Rele­vanz besitzen, kün­digte doch Besitzer von Paris St. Ger­main, Nasser al-Khe­laifi, an, beide Spieler in naher Zukunft kaufen zu wollen. Sie sind die beiden besten Spieler der Welt, es wäre groß­artig sie im Team zu haben“, so der Qatari. Dass Ronaldo eine Aus­stiegs­klausel hat mit einer Ablö­se­summe von einer Mil­li­arde Euro, scheint ihn dabei wenig zu beein­dru­cken. Auch nicht, dass sich Messi in ähn­li­chen Dimen­sionen befindet. Wir spre­chen von einem Fünf-Jahres-Pro­jekt, aber das werden wir schaffen“, gibt sich al-Khe­laifi zuver­sicht­lich.

Die Klubs stehen am Pranger – aber das stört sie nicht

In Zeiten des Finan­cial Fair­play“ scheint dieser ambi­tio­nierte Plan jedoch wie ein mathe­ma­ti­sches Wunder zu sein. Es darf nur noch aus­ge­geben werden, was auch tat­säch­lich ein­ge­nommen wird. Die rei­chen Mäzen sind laut der erstar­kenden Regeln langsam nicht mehr ganz en vogue – könnte man auf meinen. Die ersten Ver­eine Europas stehen bereits am Pranger. Aber Regeln sind aber bekannt­lich dazu da, gebro­chen zu werden. Das hat sich auch Nasser al-Khe­laifis Qatar Sports Invest­ment (QSI) gedacht. Schließ­lich ist es gerade ihr Verein, Paris St. Ger­main, der bereits seit den Ein­käufen Zlatan Ibra­hi­mo­vics & Co in der Kritik steht. Ihre Ant­wort: Pla­tini hat gesagt, wir müssen erfin­de­risch sein. Das sind wir.“

140 Mil­lionen Euro hat der Qatari diesen Sommer locker gemacht, um groß ein­zu­kaufen. Eine teure Mann­schaft, zusam­men­ge­setzt aus großen Namen hat er da zusammen bekommen. Thiago Silva und Zlatan Ibra­hi­movic sind nur die bekann­testen. Laut trans​fer​markt​.de ist der aktu­elle PSG-Kader 308 Mil­lionen Euro wert. Zum Ver­gleich: der Kader von Borussia Dort­mund wird auf 210 Mil­lionen Euro geschätzt. Mit dieser Aus­wahl sollen Titel kommen, Meis­ter­schaft, Cham­pions League. Den immensen Summen an Ein­käufen stehen aller­dings ver­gleichs­weise lächer­liche Ein­nahmen gegen­über. 100 Mil­lionen Euro Schulden hat Paris St. Ger­main im ver­gan­genen Jahr gemacht, mit Ein­nahmen aus Ein­tritts­karten und Tri­kots können diese nicht getilgt werden. Und dann will ja auch noch das stolze Jah­res­ge­halt von Top­ver­diener Zlatan Ibra­hi­movic in Höhe von 14 Mil­lionen netto gezahlt werden.

Rum­me­nigge: Wenn ich Ibra­hi­mo­vics Gehalt sehe, wird mir schlecht.“

Bayern-Boss Karl Heinz Rum­me­nigge erei­ferte sich vor kurzem laut­stark, dass UEFA-Prä­si­dent Michel Pla­tini dem doch schnell einen Riegel vor­schieben müsse. Pla­tini, so Rum­me­nigge, würde sonst seine Glaub­haf­tig­keit ver­lieren. Wenn ich das Gehalt von Ibra­hi­movic sehe, wird mir schlecht“, so Rum­me­nigge. Ibra­hi­movic kon­terte gelassen: Qua­lität gibt es eben nicht umsonst.“

Rum­me­nigge wird wohl auch in Zukunft was zu meckern haben, denn Ver­eine wie PSG haben ein Loch im System ent­deckt. Es darf nur aus­ge­geben werden, was auch ein­ge­nommen wurde? Also bot die Qatar National Bank dem Pariser Klub einen äußerst lukra­tiven Spon­so­ren­ver­trag an. 100 Mil­lionen Euro im Jahr, über einen Zeit­raum von vier Jahren. 400 Mil­lionen, die in neue Spieler inves­tiert werden dürften, eine Anzah­lung für Ronaldo und Messi. Was für ein Deal. Zum Ver­gleich: Die Qatar Foun­da­tion zahlt 30 Mil­lionen jähr­lich für den spek­ta­ku­lären Ver­trag mit Bar­ce­lona, bwin 25 Mil­lionen für Real Madrid. Die gleiche Methode wandte jüngst Etihad an. 400 Mil­lionen Euro soll die Flug­linie Man­chester City für die Namens­ge­bung des Sta­diums sowie Tri­kot­wer­bung gezahlt haben, der Verein gilt als Pio­nier des eli­tären Spon­so­rings. Bayern Mün­chen erhält 30 Mil­lionen pro Saison aus den Namens­rechten der Allianz-Arena und der Telekom als Tri­kot­sponsor zusammen.

Moderner Fuß­ball ist Politik, eine Hand wäscht die andere

Was tun, wenn man sich mit Geld scheinbar auch die Regeln des Finan­cial Fair­play“ zurecht kaufen kann? Michel Pla­tini müsste die Regeln schleu­nigst erwei­tern: Grenzen für Trans­fer­summen, für Gehälter und für Spon­so­ren­ver­träge. Die Tat­sache, dass sich nur wenige Ver­eine in Europa die besten Spieler leisten können, hat wenig mit fairem und glei­chem Wett­be­werb zu tun. Dass er dies tut, ist unwahr­schein­lich. Die Gründe sind viel­fältig: Der Fran­zose Michel Pla­tini hat ein Inter­esse daran, die marode fran­zö­si­sche Liga vor der Euro­pa­meis­ter­schaft in Frank­reich 2016 auf­zu­po­lieren. Mit dem Haupt­stadt­klub PSG als Speer­spitze. Außerdem muss man sich die Frage stellen, welche Rolle die Tat­sache spielt, dass Pla­tinis Sohn als Euro­pa­chef der mäch­tigen QSI tätig ist. Und dann stehen noch die Bau­pläne der Pariser Vor­orte im Raum. Qatar soll die brü­chige Metro­pole Europas mit 100 Mil­lionen Euro sanieren. Moderner Fuß­ball ist Politik, eine Hand wäscht die andere.

Aber es ist nicht nur das Emirat Qatar mit seinen Inves­toren, das Pla­tinis Plänen für einen fairen Wett­be­werb im Wege steht. Schließ­lich beruht das Kon­zept der heu­tigen Cham­pions League vor allem auf den Droh­ge­bärden der Rei­chen und Mäch­tigen. Auf den Druck der großen natio­nalen Ver­bände Europas hin, hat sich die Cham­pions League erst zu der Tur­nier­form ent­wi­ckelt wie wir sie heute kennen. Pla­tinis Plan, alle Lan­des­meister wieder zur Cham­pions League zu schi­cken, ist bis­lang geschei­tert und wird wohl auch in Zukunft nicht umge­setzt werden. Es geht um sehr viel Geld, Geld, das vor allem durch Fern­seh­rechte und Spon­so­ring in die Kassen der großen Klubs gespült wird. Und die Sender brau­chen die Stars, damit die Ein­schalt­quote stimmt. Im Ernst­fall würden die mäch­tigen Ver­eine ver­mut­lich ein­fach damit drohen, die Cham­pions League zu boy­kot­tieren und ihre eigene Liga gründen. Die Liga der Stars und Stern­chen.

Qatars Fern­seh­sender al-Jazeera würde ver­mut­lich sofort das Scheck­buch zücken. Chef des welt­be­kannten Sen­ders ist: Nasser al-Khe­leifi.