Shaun O´Brien, kennen sie den Comic Asterix“?
Shaun O´Brien: Ja, wieso?

Weil Ihre Geschichte stark an die des unbeug­samen gal­li­schen Dorfs erin­nert. Man­chester City gehört bald der halbe Stadt­teil East­lands, bloß das Grund­stück Ihrer Abschlepp­firma konnte City bisher nicht kaufen.
Shaun O´Brien: Jeden­falls geht Man­chester City ähn­lich expansiv und aggressiv zu Werke wie das römi­sche Reich. Sie schwingen den großen Finanz­knüppel und wollen alles Land im Umkreis ihres Sta­dions kaufen. Und da City in dieser Kom­mune Groß­in­vestor ist, haben sie die Stadt­räte auf ihrer Seite, ebenso die Lokal­zei­tungen.

Man­chester City will auf dem Land ein pom­pöses Trai­nings­zen­trum für 120 Mil­lionen Euro hoch­ziehen. Sie stehen City im Weg und sind pikan­ter­weise United-Fan.
Shaun O´Brien: Sie kamen zu mir und sagten: Ent­weder du ver­kaufst uns Dein Land zu unserem Preis oder wir nehmen es uns! Wir kriegen es sowieso früher oder später.“

Wie sollten Sie es sich ein­fach nehmen können?
Shaun O´Brien: Sie ver­su­chen bei der Stadt eine Art Zwangs­ent­eig­nung durch­zu­kriegen mit dem Argu­ment, dass sie eine gemein­nüt­zige Ein­rich­tung bauen wollen. Aus meiner Sicht ist Man­chester City jedoch eine pri­vate Firma und kein Kran­ken­haus oder eine Schule. Der reichste Fuß­ball­klub der Welt will hier ein Luxus-Trai­nings­zen­trum aus dem Boden stampfen, um auf lange Sicht den Welt­fuß­ball zu domi­nieren. Das ist doch kein Gemein­nutz.

Vor allen dem United-Fan in Ihnen kann das nicht schme­cken. Sie werden nicht klein bei­gegeben.
Shaun O´Brien: Ich wollte ledig­lich anstän­dige Ver­hand­lungen. Ich bin schon lange auf diesem Land und diese Firma ist meine Pen­sion. Ich kann doch mein Land nicht für einen Apfel und ein Ei ver­kaufen.

Wie viel Geld wurde Ihnen denn geboten?
Shaun O´Brien: Sie haben mir lächer­liche 250000 Euro ange­boten. Dann könnte ich mein Land auch gleich ver­schenken. Carlos Tevez, der in dem letzten halben Jahr nicht mal einen Ball getreten hat, ver­dient bei City 300000 Euro in der Woche. Ich bin nur ein kleiner Geschäfts­mann, Scheich Man­sours Pri­vat­ver­mögen wird auf 16 Mil­li­arden Euro geschätzt. Sie haben die Kom­mune und ihre Ent­schei­dungs­träger in der Tasche. Was habe ich allein für eine Chance gegen diesen über­mäch­tigen Gegner? Meine ein­zige Chance waren die United-Fans.

Also riefen Sie United-Fans aus aller Welt dazu auf, Sie zu unter­stützen. Wie kamen Sie auf die Idee?
Shaun O´Brien: Ich erin­nerte mich an die Chelsea-Pitch-Owner“. Ken Bates, der ehe­ma­lige Chairman von Chelsea, hatte aus finan­zi­ellen Sorgen einst das Spiel­feld der Stam­ford Bridge in kleinen Teilen an die Fans ver­kauft, um Pfän­dungen oder Ent­eig­nungen abzu­wenden. Als Roman Abra­mo­witsch Ende 2011 aus der alten Stam­ford Bridge in ein moder­neres Sta­dion umziehen wollte, war das wegen des Wider­stands der Chelsea Pitch Owner“ nicht mög­lich.

Wie haben sie diese Idee für sich genutzt?
Shaun O´Brien: Welt­weit gibt es unglaub­lich viele United-Fans. Also star­tete ich meine Kam­pagne Unite against City!“ Von meinen 1600 qm Land teilte ich etwa ein Drittel der Fläche in 5000 kleine Teile auf, von denen jedes 0,09 Qua­drat­meter misst. Diese kleinen Land­stücke ver­kaufe ich für jeweils 300 Euro an United-Fans welt­weit. Wir hoffen, dass auf diesem Wege ein Ent­eig­nungs­ver­fahren umgangen werden kann. Eine Ent­eig­nung ist viel zu auf­wendig, wenn es 5000 Neben­kläger gibt, die alle separat ent­eignet werden müssten. 

Ver­dienen Sie an dem Ver­kauf der Mini-Par­zellen?
Shaun O´Brien: Nein, ich wollte nie Leute aus­nutzen und erst Recht keine United-Fans. Wenn wir die 5000 Stücke nicht ver­kaufen, die wir unge­fähr benö­tigen, um ein Ent­eig­nungs­ver­fahren zu ent­kräf­tigen, bekommt jeder sein Geld zurück. Die 300 Euro decken ledig­lich die Kosten für den Papier­kram und die Urkunden. Wir küm­mern uns um alles. Es ist mir sehr wichtig, dass allen klar ist, dass ich die Ver­ant­wor­tung trage und nie­manden abzo­cken will. Die Abzo­cker in diesem Spiel stehen auf der Seite von Man­chester City. Wir sind die Guten. Sollten wir schei­tern, trage ich die Ver­ant­wor­tung und den Schaden. Ent­weder wir gewinnen oder ich geh pleite.

Wie läuft der Ver­kauf? Kna­cken Sie die 5000-Marke?
Shaun O´Brien: Die Nach­frage ist über­wäl­ti­gend. Ich denke, wir werden die 5000-Marke recht leicht kna­cken. Beson­ders hat mich gerührt und erstaunt, wie viele Deut­sche unter den Käu­fern waren – sie sind Spit­zen­reiter welt­weit. Vor Nor­wegen und den USA. Die welt­weite Zustim­mung der United-Fans haut mich ein­fach um, eben haben wir an Land an United-Fans aus Aus­tra­lien ver­kauft, ges­tern an Reds“ aus Hong­kong und Sin­gapur.

Klingt als würde ihr Wahl­spruch und Titel der Kam­pagne Unite against City“ greifen.
Shaun O´Brien: Die Crux ist, Man­chester City zu zeigen, dass man für Geld nicht alles kaufen kann. In Eng­land sagt man: My home is my castle.“ Man kann nicht ein­fach jemanden aus seinem Haus schmeißen, bloß weil er weniger Geld hat. 

In der Hin­runde der Pre­mier-League verlor United zuhause mit 6:1 gegen City. Ist Ihre Kam­pagne ein Rache­feldzug für das ver­lo­rene Derby?
Shaun O´Brien: Das ist natür­lich ein netter Neben­as­pekt. Nachdem City uns geschlagen hatte, war das 6:1 in Man­chester all­ge­gen­wärtig. Überall in der Stadt hingen Schilder. Manche Leute haben sogar ihre Tele­fon­nummer in 016161616 usw. geän­dert, da die Vor­wahl von Man­chester mit 0161- beginnt. Hätte ich meine Kam­pagne am Tag nach der Nie­der­lage gestartet, wäre ich nach einem Tag aus­ver­kauft gewesen.

Wie wichtig ist das Stadt­derby in Man­chester? Ist die Riva­lität zwi­schen City und United wirk­lich so groß?
Shaun O´Brien: Wie meine gesamte Familie bin ich seit Kin­der­tagen United-Fan und das Derby hatte schon immer eine beson­dere Bedeu­tung. Im Alltag kommen Reds“ und Blues“ fried­lich mit­ein­ander aus, aber am Tag des Derbys ist es wie in Glasgow bei den Ran­gers und Cel­tics. Zum Glück gab es lange keine Aus­schrei­tungen mehr am Rande des Spiels, denn meiner Mei­nung nach treiben es manche Leute ein­fach zu weit: Ich bekomme seit meiner Kam­pagne Mord­dro­hungen von City-Fans, meine Adresse wurde in einem City-Forum ver­öf­fent­licht und meine Familie wurde bedroht.