Das waren noch Zeiten, als Luis Figo oder der junge Cris­tiano Ronaldo im grün-weiß gerin­gelten Trikot von Spor­ting Lis­sabon zau­berten. Große Namen, deren Por­traits bis heute die hei­ligen Hallen im Estadio José Alva­lade XXI schmü­cken. Doch die Gegen­wart sieht mau aus für den Spor­ting Clube de Por­tugal. Bald wird wohl nie­mand mehr für den Haupt­stadt­verein spielen – so hat es zumin­dest den Anschein, denn der Exodus der Leis­tungs­träger nimmt beängs­ti­gende Züge an: Am Montag haben nicht nur die por­tu­gie­si­schen Natio­nal­spieler Wil­liam Car­valho, Bruno Fer­nandes und Gelson Mar­tins ihre Kün­di­gungs­ge­suche ein­ge­reicht, son­dern auch der hol­län­di­sche Tor­jäger Bas Dost – trotz lau­fender Ver­träge. 

In ihren Schreiben, die unab­hängig von­ein­ander beim Verein ein­ge­gangen seien, hätten die Stars die unsäg­li­chen Atta­cken so genannter Spor­ting-Ultras auf Spieler und Trai­ner­stab als Begrün­dung auf­ge­führt. Das berich­tete die por­tu­gie­si­sche Sport­zei­tung A Bola“. Vor einigen Wochen waren Dut­zende ver­mummter Chaoten in die Umklei­de­ka­bine ein­ge­drungen, hatten das Team bedroht und einige Spieler sogar ver­letzt. Der Ex-Wolfs­burger Dost, in der zurück­lie­genden Saison mit 34 Tref­fern Spor­tings bester Goal­getter, erlitt bei dem Vor­fall eine Platz­wunde am Schädel, die mit meh­reren Sti­chen genäht werden musste. Dost-Berater Gun­ther Neu­haus sagte der por­tu­gie­si­schen Zei­tung O Jogo“: Das ist inak­zep­tabel und eine sehr gefähr­liche Situa­tion. Bas ist einer der wich­tigsten Spieler Spor­tings.“

Ihr könnt alle abhauen, ihr seid es nicht wert“

Das sahen die angeb­li­chen Fans wohl anders. Sie beschimpften Dost & Co. bei ihrem Kabi­nen­sturm als ver­weich­lichte Huren­söhne und stellten ihnen ver­bale Pas­sier­scheine aus: Ihr könnt alle abhauen, ihr seid es nicht wert, das Trikot von Spor­ting zu tragen.“ Und so weiter. Dabei ver­lief Spor­tings Saison gar nicht sooo schlecht: In der Liga belegte man am Ende Rang drei hinter dem FC Porto und dem Lokal­ri­valen Ben­fica. Spor­ting, vor der Saison mit Mil­lio­nen­auf­wand ver­stärkt, ver­passte die Teil­nahme an der Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion um drei Zähler – durch eine unglück­liche 1:2‑Niederlage bei Mari­timo Fun­chal am aller­letzten Spieltag. Im Pokal erreichte man sogar das Finale, musste dort jedoch eine schänd­liche 1:2‑Pleite gegen den Erst­liga-Neu­ling Despor­tivo Aves ein­ste­cken.

Für die Fans war all das offenbar zu wenig bzw. zu viel. Und für Bas Dost auch. Der Hol­länder zog nun die Kon­se­quenzen und kün­digte fristlos – aus trif­tigem Grund“, wie es im por­tu­gie­si­schen Arbeits­recht heißt. Vor Dost, Kapitän Car­valho, Bruno Fer­nandes und Gelson Mar­tins hatten bereits Por­tu­gals Natio­nal­keeper Rui Patricio, Por­tu­gals U21-Team­spieler Daniel Podence sowie Chef­trainer Jorge Jesus eigen­mächtig ihren Abschied von Spor­ting bekannt­ge­geben. Ob ihnen die schänd­liche Kabinen-Attacke einen wei­teren Ver­bleib beim Klub unmög­lich machte? Berufs­skep­tiker meinen: Der Vor­fall ermög­licht ihnen eher den ele­ganten Abgang durch die Hin­tertür, ver­süßt mit einem fetten Hand­geld vom neuen Klub.