Seite 3: "Es war mir wichtig, besser zu sein als meine letzten Trainer"

Nach dem Ende Ihrer aktiven Kar­riere haben Sie dann die Seiten gewech­selt und beschlossen, Trai­nerin zu werden?
Ja. Es war mir immer sehr wichtig, besser zu sein als meine letzten Trainer.

Brauchten Sie eine Zeit Abstand, bevor Sie den Schritt auf die Trai­ner­bank gehen konnten?
Ja. Ein Jahr hatte ich gar nichts mit Fuß­ball zu tun. Als ich wieder anfing und es nicht funk­tio­nierte, nahm ich noch ein halbes Jahr Abstand. Und selbst dann, als ich als Trai­nerin auf dem Platz stand, dau­erte es noch ein Jahr, bis ich mir wieder Fuß­ball­schuhe anziehen konnte. Ich wurde da langsam her­an­ge­führt. Meine ehe­ma­lige Mann­schafts­ma­na­gerin kam zu mir und meinte, sie hätte drei Mäd­chen, die trai­niert werden müssten. Da habe ich noch über­haupt nicht dar­über nach­ge­dacht, ob ich diesen Weg gehen möchte. Ich dachte nur, es wäre eine gute Mög­lich­keit zurück ins Leben zu kommen. Und aus den drei Mädels wurde dann ganz schnell eine ganze Abtei­lung, die ich geleitet habe.

Nachdem Sie die Seiten gewech­selt haben, wurden Sie 2014 von der Gesell­schaft KOMM MIT in Koope­ra­tion mit dem DFB als eine von hun­dert Jugend­trai­ne­rinnen des Jahres aus­ge­zeichnet. Der Preis war eine Reise nach Bar­ce­lona. Was haben Sie davon mit­ge­nommen?
Total viel! Nicht nur Wissen, son­dern auch per­sön­lich sehr viel. Wissen Sie, ich war immer noch dabei, zurück ins Leben zu finden, mir eine neue Iden­tität auf­zu­bauen. Die, die ich früher war, war ich nicht mehr. Aber diese Reise hat mir sehr viel Selbst­ver­trauen gegeben. In der Aus­bil­dung dort habe ich gelernt, was es eigent­lich heißt, Trai­nerin zu sein. Ich hatte ja gar keinen Schein, hatte nie die Zeit dazu.

Ich wollte mich nicht erpressen lassen“

Chantal Hoppe

Sie waren nicht nur Trai­nerin, sie lei­teten die gesamte Frauen- und Mäd­chen­ab­tei­lung bei TeBe. Wie wurden Sie da unter­stützt?
Als ich die Abtei­lung auf­ge­baut habe, konnte ich schalten und walten, wie ich wollte – musste aber alles selbst orga­ni­sieren, von Spon­so­ren­ak­quise bis hin zu Eltern­ge­sprä­chen. Nebenbei habe ich auch noch stu­diert. Das ging am Anfang noch, irgend­wann artete es aber aus und eska­lierte auch mit dem Verein. Es waren über achtzig Mädels, das waren vier bis sechs Mann­schaften. Seit Monaten hatte ich um Hilfe gebeten und gesagt, dass ich es alleine nicht mehr schaffe, dass ich auf­passen muss, wo ich bleibe. Der dama­lige Vor­stands­vor­sit­zende sagte: Wenn du gehst, ist das der Sarg­nagel, das weißt du?“

Sie gingen trotzdem.
Ich wollte mich nicht erpressen lassen. Ich hatte ein Angebot von Hertha Zehlen­dorf, das ich dan­kend annahm. Auch, um zu sehen, wie hoch ich als Trai­nerin kommen kann. Dar­aufhin zer­sprengte es die kom­plette Mäd­chen­ab­tei­lung bei TeBe. Dabei hatte ich die Mög­lich­keit offen gelassen, dass ich das erste halbe Jahr unter­stüt­zend dabei sein könnte. Es war nicht gewollt. Mitt­ler­weile ist das zum Glück anders, sonst wäre ich nicht wieder da. Es ist ein anderer Vor­stand und ich weiß, dass der Frauen- und Mäd­chen­fuß­ball wert­ge­schätzt wird. Ich möchte das nicht alleine machen. Es muss über meh­rere Köpfe gehen und auf meh­reren Schul­tern liegen.

Ein Ansatz, den Sie auch mit der Female Foot­ball Aca­demy unter­stützen wollen. Ihr großes Ziel ist es, eine Platt­form und mehr Wert­schät­zung für Frauen im Fuß­ball zu schaffen.
Genau. Wir wollen Spie­le­rinnen, Schieds­rich­te­rinnen, Trai­ne­rinnen – allen, die damit zu tun haben – eine Unter­stüt­zungs­platt­form sein.