Haben Sie das Cham­pions League Spiel Bremen gegen Chelsea gesehen?

Leider nicht, aber ich habe mich natür­lich riesig für die Jungs gefreut, als ich am Morgen danach vom Sieg erfahren habe. Schade nur, dass sie mit zehn Punkten noch nicht durch sind.

Sie hätten dabei sein können.

Ach, das führt doch zu nichts.

Klingt, als hätten Sie mit Ihrem ehe­ma­ligen Verein bereits abge­schlossen.

Man hat mich in Bremen so warm emp­fangen, hier habe ich vieles gelernt, bin Profi geworden – dieses wich­tige Kapitel meiner Kar­riere kann in so kurzer Zeit nicht abge­schlossen werden.



Wie lautet Ihr Fazit zu fünf Jahren Werder?

Es ging stets bergauf mit mir, aber nur bis zu dem Punkt, an dem mir klar wurde: Hier schaffst du es nicht. Und trotzdem weiß ich, dass ich ohne die Hilfe des Ver­eins und ohne den Ansporn von Jürgen Born (Geschäfts­führer von Werder Bremen, Anm. d. R.) nie­mals soweit gekommen wäre.

Haben Sie in der Zeit bei Werder Fehler gemacht?

Ich bin selbst­kri­tisch – viel­leicht hätte ich mich noch mehr anstrengen können, dann wäre ich viel­leicht mehr ein­ge­setzt worden. Ja, und dann hätte der Trainer viel­leicht mehr Ver­trauen in mich gesetzt. Das Ganze gilt viel­leicht auch umge­kehrt. (lacht)

Was wäre eigent­lich aus Ihnen geworden, wenn Sie sich nicht für den Profi-Fuß­ball ent­schieden hätten?

Fuß­ball war schon immer das Wich­tigste für mich, ich habe nie daran gezwei­felt, eines Tages Profi zu werden. Als ich die Schule abge­bro­chen habe, um mehr trai­nieren zu können, war es natür­lich ein hohes Risiko. Unterm Strich ich bin aber ein­fach sehr dankbar und stolz, diesen Beruf aus­üben zu dürfen. Es war die rich­tige Ent­schei­dung.

Sie hatten die Mög­lich­keit, für die deut­sche Natio­nal­mann­schaft zu spielen, ent­schieden sich aber für Para­guay – war das auch richtig?

Auf jeden Fall, denn es ist ein unglaub­li­ches Gefühl, für Para­guay zu spielen. Ich habe in der WM-Qua­li­fi­ka­tion das ent­schei­dende Tor gegen Vene­zuela geschossen und wurde als Held gefeiert. Im Trikot der Deut­schen wäre ich in meinem Hei­mat­land nur der Ver­räter.

Die WM selbst lief nicht so gut.

Es war eine sehr große Ent­täu­schung, wir haben uns unter Wert ver­kauft. Die Medien in Para­guay waren uns nach dem Aus­scheiden nicht wohl gesonnnen, aber das ist wohl überall auf der Welt der Fall.

In Bremen geschei­tert, bei der WM ent­täuscht – war der Wechsel nach Dort­mund schon ihre letzte Chance?

Moment mal, ich bin doch erst 22. Und wenn mein Ver­trag in Dort­mund in vier Jahren aus­läuft, dann bin in einem Alter, in dem Miroslav Klose erst zum großen Leis­tungs­sprung ansetzte.

In Dort­mund erwartet man diesen Sprung schon jetzt von Ihnen.

Der Tag wird schon bald kommen, an dem ich mein erstes Tor für Dort­mund erzielen werde. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Fans bedanken, die geduldig sind mit mir und mich nicht aus­pfeifen.

Sind Sie zu ehr­geizig?

Nein, aber ich ärgere mich zu viel über mich selbst.

Haben Sie Angst, wieder nur der Bank­drü­cker zu sein?

Ich habe keine Angst. Ich bin nicht nach Dort­mund gekommen, um auf der Bank zu sitzen. Sollte es den­noch pas­sieren, dann kann ich nichts dagegen tun. Der Trainer hat das Recht, mich nach meiner Leis­tung zu bewerten.

Die Kritik an Ihrem Trainer, Bert van Mar­wijk, wird immer größer. Hat er bis­lang alles richtig gemacht?

Seitdem ich hier bin, stand er per­ma­nent in der Kritik, das ist also nichts Neues. Ich zweifle nicht an ihm und weiß, dass sich die Erfolge schon noch ein­stellen werden – schneller könnte es aller­dings gehen, wenn man ihn in Ruhe arbeiten lassen würde. Und dann wird es am Ende wieder heißen: Bert van Mar­wijk hat alles richtig gemacht.

Und Dort­mund wird Meister sein.

Nicht in diesem Jahr, aber ich bin mir sicher, dass wir irgend­wann noch mal Geschichte schreiben werden.

Also wird Bremen Meister?

Ich drücke ihnen die Daumen. Aber wir kennen doch die Bayern: Die Erfah­rung hat gezeigt, dass man sie besser nicht aus den Augen ver­lieren sollte.