Nico van Kerck­hoven, Bel­gien gilt für viele als Geheim­fa­vorit. Sehen Sie das auch so?
Die Leute sollten mal die Füße auf dem Boden lassen. Es ist zwölf Jahre her, dass Bel­gien zuletzt bei einer WM dabei war. Da sollte man nun nicht gleich über­treiben. Die Qua­li­fi­ka­ti­ons­gruppe war nicht leicht, aber sie war auch nicht unbe­dingt schwer. Ich kann es nicht ver­stehen, wenn jetzt über das Halb­fi­nale oder Finale geredet wird. Erst einmal muss die Mann­schaft die Gruppe über­stehen.

Die Euphorie ist groß in Bel­gien, die Heim­spiele waren zuletzt immer aus­ver­kauft.
Ja, das ist das Ver­dienst von Marc Wil­mots. Er hat das Gefühl rein­ge­bracht, das Herz. Den Natio­nal­spie­lern muss man nicht mehr das Fuß­ball­spielen neu bei­bringen, aber man muss ihre Emo­tionen kit­zeln. Früher hatten die bel­gi­schen Spieler keinen Spaß dran, zur Natio­nal­mann­schaft zu fahren, heute ist das anders. Heute spielen sie begeis­tert auf, dazu kommt der sport­liche Erfolg. Klar, dass dann die Zuschauer auch wieder ins Sta­dion gehen.

Es heißt, die Natio­nalelf habe selbst die Brücke zwi­schen Wal­lonen und Flamen geschlagen. Sehen Sie das auch so?
Da ist sicher­lich etwas dran. Hier muss ich wieder Marc Wil­mots loben. Er lebt diese Ein­heit vor, ist selbst Wal­lone, ver­hei­ratet mit einer flä­mi­schen Frau. Marc hat allen klar gemacht: Es ist scheiß egal, wo du her­kommst. Was zählt, ist Bel­gien. Zu meiner Zeit als Natio­nal­spieler war es noch so, dass die Wal­lonen und Flamen an zwei ver­schie­denen Tischen zu Mittag gegessen haben. Wir hatten nicht unbe­dingt Streit mit­ein­ander, aber es gab eine gewisse Distanz.

Sie haben mit Marc Wil­mots zusammen auf Schalke gespielt. Haben Sie noch Kon­takt?
Nein, nicht mehr so viel. Jeder geht seine eigenen Wege. Aber ich habe ihm natür­lich nach der erfolg­rei­chen Qua­li­fi­ka­tion eine Glück­wunsch-SMS geschickt.

Bei der WM 2002 schieden sie beide zusammen höchst unglück­lich gegen Bra­si­lien aus.
Ja, Marc erzielte ein Tor, das zu Unrecht aberkannt wurde. Wir ver­loren dann gegen die Bra­si­lianer, die spä­teren Welt­meister. Das war mein letztes Län­der­spiel, des­wegen denke ich natür­lich noch an dieses aberkannte Tor. Doch wir haben uns in den fol­genden Tagen nach dem Aus­scheiden trotzdem noch schöne Tage gemacht in Japan und Süd­korea.

Klingt nach Sight­seeing, aber auch nach Feiern.
Oh ja. Auch da war Marc unser Anführer. Nur soviel: Marc weiß, was man für den Erfolg tun muss, wie man hart arbeiten muss. Aber er erkennt auch den rich­tigen Zeit­punkt, wann man das Leben genießen muss.

Abschlie­ßend: Was trauen Sie der bel­gi­schen Natio­nal­mann­schaft zu?
Ich denke schon, dass wir die Gruppe über­stehen. Doch es wäre schon wichtig, den ersten Platz zu schaffen, um in der nächsten Runde Deutsch­land aus dem Weg zu gehen. Ab dem Vier­tel­fi­nale ist alles mög­lich, da kann es schnell gehen, positiv wie negativ.