Leon Goretzka, Ihr erstes not­ge­drungen freies Wochen­ende ver­brachten Sie damit, Daniel Kah­ne­mann zu lesen: Schnelles Denken, lang­sames Denken”. Unter welche Kate­gorie fällt Ihre Idee, eine Spen­den­kam­pagne zu initi­ieren?
Goretzka (über­legt.): Lang­sames Denken, wenn ich Kah­ne­mann richtig ver­standen habe. Ich muss gestehen, dass ich mit dem Buch nicht allzu weit gekommen bin. Die Arbeit für #WeKick­Co­rona hat mich in den letzten Tagen voll ein­ge­spannt.

We kick Corona” heißt die Kam­pagne, mit der Sie Hilfe vor Ort für Men­schen leisten wollen, die vom Coro­na­virus betroffen sind. Sie sind mit einer Mil­lion Euro vor­an­ge­gangen, am Montag stehen Sie bereits bei drei Mil­lionen Euro. Zufrieden, Joshua Kim­mich?
Kim­mich:
Wir haben uns da intensiv rein­ge­kniet. Wir hatten uns eine solche Betei­li­gung erhofft, konnten aber mit dem aktu­ellen Erfolg natür­lich nicht rechnen. Es zeigt und macht bewusst, welche Reich­weite wir gemeinsam als Fuß­baller erzielen können. Und wel­chen Nutzen das hat, wenn man es für einen sinn­vollen Zweck ein­setzt.

Sie sind auf einige Spieler selbst zuge­gangen. Wie lief das ab?
Goretzka: Wir mussten gar nicht so viel Über­zeu­gungs­ar­beit leisten. Der Grund für unsere Spen­den­samm­lung ist klar. Jeder bekommt die Folgen des Coro­na­virus gerade im Alltag zu spüren.
Kim­mich: Ich hatte das Gefühl, dass viele unserer Kol­legen viel­leicht auch nach einer rich­tigen Gele­gen­heit gesucht haben, um zu helfen. Da ist viel Wille da, es brauchte nur jemanden, der los­legt. Das haben wir gerne gemacht.

Wir wissen, dass uns gerade enorm viel Ver­trauen geschenkt wird“

Joshua Kimmich

Gab es Per­sonen, die auf Sie zuge­kommen sind?
Kim­mich: Ja, bei­spiels­weise unser ehe­ma­liger Trainer, Niko Kovac, ist auf uns zuge­kommen. Das fand ich wirk­lich toll. Die Egge­stein-Brüder und Erik Durm auch. Und dann wären da über 500 Spender, die mit kleinen Spenden geholfen haben. Einmal abge­sehen von der aktu­ellen Gesamt­summe macht mich das sehr stolz.

Wir wird es jetzt wei­ter­gehen?
Goretzka: Wir wollen in erster Linie denen helfen, die akut Pro­bleme bekommen haben. Das sind Tafeln, die Bedürf­tige und Obdach­lose ver­sorgen wollen, die aber wegen der Hams­ter­käufe plötz­lich Lebens­mittel zukaufen müssen. Aber auch Kin­der­hos­pizen und Krebs­stif­tungen. Es sind wirk­lich viele Bewer­bungen ein­ge­gangen, und wir prüfen das sehr gewis­sen­haft.
Kim­mich: Wir wissen, dass uns gerade enorm viel Ver­trauen geschenkt wird. Das ist ein hohes Gut, wel­ches zur Ver­ant­wor­tung ver­pflichtet. Dessen sind wir uns bewusst.

We kick Corona” wurde letzte Woche ins Leben gerufen. Zu einem Zeit­punkt, als Stimmen laut wurden, die sich wun­derten, warum der Fuß­ball seine soziale Rolle nicht erfüllt.
Kim­mich: Nie­mand kann sagen, wie es in den nächsten Wochen wei­ter­geht. Es kommt aus meiner Sicht nicht auf das schnellste Han­deln drauf an, son­dern auf das gene­relle und rich­tige Han­deln.

Und doch: In den USA han­delten einige Super­stars sofort.
Kim­mich: Und wir sehen gerade, dass die Bereit­schaft hier­zu­lande bei allen vor­handen ist.
Goretzka: Wir wollten han­deln, als uns klar wurde, dass dieser Virus alle Bereiche des gesell­schaft­li­chen Lebens beein­flussen wird. Dass jeder vor Pro­blemen stehen wird.
Kim­mich: Am Ende wird sich die Frage stellen, wie wir als Gesell­schaft mit­ein­ander leben wollen. Und diese Krise zeigt – jeder kann jedem, und muss auch jedem helfen.