Pavel Pardo, Mexiko hat eine schwere WM-Gruppe erwischt. Wie groß schätzen Sie die Chancen ein, dass die Mann­schaft das Ach­tel­fi­nale erreicht?
Mexiko ist eine Tur­nier­mann­schaft, das haben wir in der Ver­gan­gen­heit bewiesen. Wie weit wir diesmal kommen, hängt aller­dings stark vom Auf­takt­spiel ab. Aber wir haben genug qua­li­tativ hoch­wer­tige Spieler, um auch eine gute Chance aufs Wei­ter­kommen zu haben.

Seit 1994 hat die Mann­schaft immer die Vor­runde über­standen.
Diese Sta­tistik holen Jour­na­listen gerne raus, wenn eine WM ansteht. Aber was hilft uns das? Solche Sta­tis­tiken setzen die Spieler nur unnötig unter Druck. Nochmal: Wir müssen zusehen, dass wir gut ins Tur­nier starten und uns dann von Spiel zu Spiel stei­gern. Die Mann­schaft muss an sich glauben und Freude emp­finden, bei so einem Tur­nier auf­zu­laufen.

Hat das Team gegen Gast­geber Bra­si­lien in der gegen­wär­tigen Ver­fas­sung eine Chance?
Ein Spiel gegen den Gast­geber ist immer eine schwie­rige Ange­le­gen­heit. Vieles wird davon abhängen, dass wir den Ball kon­trol­lieren und sie nicht ins Spiel kommen lassen. Aber unser Team ver­fügt über aus­rei­chend Technik und tak­ti­sches Ver­ständnis, um auch diese Auf­gabe zu meis­tern.

Auf welche Spieler sollten wir bei der WM beson­ders achten?
Miguel Layun im defen­siven Mit­tel­feld ist sowas wie das Gehirn in der Mann­schaft. Und im Angriff macht unser Youngster Raul Jimenez eine sehr gute Figur. Über­haupt ist unser Mit­tel­feld mit Gio­vanni Dos Santos und Carlos Alberto Peña sehr gut besetzt.

Fehlt es Mexiko den­noch an über­ra­genden Spie­ler­per­sön­lich­keiten wie früher Hugo San­chez, Rafael Mar­quez oder auch Pavel Pardo?
Ich glaube, da irren Sie sich. Wir haben mit Chicharito Her­nandez von Man­chester United einen inter­na­tional erfah­renden Mann. Gio­vanni Dos Santos vom FC Vil­lareal und Andres Guardado, der gerade ein paar Spiele für Bayer Lever­kusen gemacht hat, sind eben­falls Spieler, die schon in jungen Jahren über viel Erfah­rung ver­fügen und die Men­ta­lität besitzen, das Team erfolg­reich durchs Tur­nier zu führen.

Mexiko musste sich in den Play-offs mühsam gegen Neu­see­land für die WM qua­li­fi­zieren. Warum hat sich die Mann­schaft in der Qua­li­fi­ka­tion so schwer getan?
Viele wich­tige Spieler waren außer Form. Einige erreichten nicht ihr gewohntes Niveau, weil sie schlicht und ein­fach nicht fit waren. Woran lag das? Schuld daran hatte zu zwanzig Pro­zent der Trainer und zu achtzig Pro­zent die Spieler selbst.

Stich­wort: Trainer. Im Herbst 2013 wurden inner­halb kür­zester Zeit zwei Natio­nal­trainer ent­lassen. Was war das Pro­blem?
Das­selbe wie bei vielen großen Fuß­ball­na­tionen: Wir haben keine Geduld. Zukunfts­ori­en­tiertes, nach­hal­tiges Denken findet man auch in der mexi­ka­ni­schen Liga nur sehr selten. Und wenn sich der Erfolg nicht sofort ein­stellt, dann muss der Trainer eben seinen Hut nehmen.

Ist Coach Miguel Her­rera, El Piojo“ (zu deutsch: Die Laus“), der rich­tige Trainer, um Mexiko durch das WM-Tur­nier zu führen?
Ja. Viel­leicht ver­fügt er nicht über soviel Erfah­rung als Coach wie seine Vor­gänger, aber er arbeitet sehr akri­bisch, er hat ein hohes tak­ti­sches Ver­ständnis und dar­über hinaus genug Energie, um eine Mann­schaft zu Höchst­leis­tungen zu moti­vieren.

Pavel Pardo, wer wird Welt­meister?
Ich denke vier Teams werden den Titel unter sich aus­ma­chen: Bra­si­lien, Deutsch­land , Spa­nien und Argen­ti­nien.