Seite 2: „Ich habe direkt Millionen verdient – allerdings nur in Polnischen Zloty“

Erzählen Sie!
Als ich zwölf Jahre alt war, lief ein Spiel der Natio­nal­mann­schaft im Fern­sehen. Aber erst um 20 Uhr. Ich bet­telte meine Mutter an: Bitte, bitte, lass mich das Spiel gucken.“ Aber meine Mutter blieb streng und schickte mich ins Bett. Da wurde ich wütend und sagte: Du wirst schon sehen: Irgend­wann tauche ich selber im Fern­sehen auf. Dann trage ich die Kapi­täns­binde der Natio­nal­mann­schaft!“ Als ich Jahre später dann tat­säch­lich die Kapi­täns­binde trug und meine Mutter mich im Fern­sehen sah, wäh­rend die Hymne gespielt wurde, hatte sie Tränen in den Augen.

Sie wurden mit 18 Jahren Profi bei Hutnik Krakau. Erin­nern Sie sich an Ihr erstes Gehalt?
Natür­lich – ich habe direkt Mil­lionen ver­dient! Aller­dings leider nur in Pol­ni­schen Zloty. (Lacht.) Umge­rechnet waren das nur knapp 200 Dollar im Monat.

128aeedfdd5f1eb5ee612a83ced88369 RZ
Imago Images

Wie wurde man damals als Frisch­ling von den gestan­denen Spie­lern behan­delt?
Man wurde getestet. Also im wahrsten Sinne des Wortes. In meinem ersten Trai­nings­lager musste ich den Füh­rungs­spie­lern Fragen beant­worten, wie in einer münd­li­chen Prü­fung. Damals ver­sam­melte sich die ganze Mann­schaft in einem Raum, in der Mitte ein Tisch, an dem vier, fünf alte Hasen saßen. Gefielen denen meine Ant­worten, sam­melte ich Plus­punkte. Gefielen sie ihnen nicht, gab es Minus­punkte. Es ging gleich richtig beschissen los. Neben den Tisch hatten sie ein Trikot des Ver­eins auf den Boden gelegt. Ich hätte es auf­heben sollen, habe es aber ein­fach igno­riert und mich hin­ge­setzt. Sofort hieß es: Minus zehn.“ Am Ende stand ich bei ‑46 Punkten.

Was hatte das zu bedeuten?
46 Schläge auf den Arsch. Mit einer Bade­lat­sche, die vor jedem Schlag nass gemacht wurde. Irgend­wann konnte ich nicht mehr stehen, mir liefen die Tränen von ganz alleine aus den Augen. Mein Hin­tern war so rot, man hätte einen Roman darauf schreiben können. Aber irgendwie habe ich es über­standen. Genau wie die Kon­flikte im Trai­ning.

Welche Kon­flikte?
Einmal, nach einem här­teren Zwei­kampf, belei­digte mich einer der älteren Spieler. Ich sagte ihm, er solle lieber seine Klappe halten. Er wurde sauer: Klappe halten? Du kriegst gleich eins auf die Klappe.“ Dann hat er ver­sucht, mich zu schlagen, mich aber nicht erwischt. Statt­dessen habe ich ihm ein rich­tiges Brett ver­passt. Danach wussten alle: Der Tomasz lässt sich nicht her­um­schubsen.

Im Gegen­teil: Noch heute halten Sie mit 16 Gelben Karten in einer Saison den Bun­des­li­ga­re­kord. Waren Sie ein unfairer Spieler?
Quatsch, ich habe nie jemanden vor­sätz­lich ver­letzt. Ich habe ein­fach nur aggressiv und hart ver­tei­digt. Aber so mussten wir, spe­ziell beim MSV Duis­burg, auch spielen. Sonst hätten wir in der Bun­des­liga gegen Raketen wie Gio­vane Elber nicht bestehen können.