Timothy Weah, Sie sind der Sohn des ehe­ma­ligen Welt­fuß­bal­lers George Weah. War der Weg zum Fuß­baller auf­grund Ihrer Fami­li­en­ge­schichte für Sie in Stein gemei­ßelt?
Nein, ich hatte immer die Wahl. Aber natür­lich war Fuß­ball bei uns all­ge­gen­wärtig: Mein Vater hat gespielt, mein Bruder, meine Schwester, meine Cou­sins, alle haben gespielt. Des­halb war das für mich immer der Sport, zu dem ich hin­wollte. Ich war ständig auf dem Fuß­ball­platz und habe meinen Cou­sins beim Spielen zuge­schaut. Es war also ganz natür­lich für mich, mir ein­fach den Ball zu greifen und selbst zu kicken.

Ihr Vater ist nicht nur ehe­ma­liger Fuß­baller, son­dern auch Poli­tiker und als sol­cher mitt­ler­weile Prä­si­dent von Liberia. Als Sie geboren wurden, war seine fuß­bal­le­ri­sche Kar­riere fast zu Ende, die poli­ti­sche begann. War er als Vater für Sie mehr Fuß­baller oder Poli­tiker?
Ich war damals sehr klein und habe von dem ganzen Kram drum­herum nicht wirk­lich viel mit­be­kommen. Soweit ich mich erin­nere, wusste ich als Kind ein­fach, dass er ein Fuß­baller ist und ich wusste auch, dass er in die Politik geht. Aber für mich war er vor allem eines: mein Vater. Es gab mal eine Zeit, da ist meine Mutter nochmal zur Schule gegangen, um ihren Abschluss zu machen. Ich habe dann bei meinem Vater in Flo­rida gelebt und er hat mit mir ganz nor­male Vater-Sachen gemacht. Wir sind an den Wochen­enden weg­ge­fahren, haben nach der Schule Spiele gespielt oder waren bei McDonald’s. Ich hab ihn nie als den Fuß­baller oder Poli­tiker gesehen.

Im März 2018 haben Sie Ihr Debüt im Pro­fi­fuß­ball bei Paris Saint-Ger­main gegeben. Hat irgend­einer von den Super­stars Sie gefragt, ob Sie der Sohn des berühmten George Weah sind?
Zu dem Zeit­punkt hatte ich bereits fünf Jahre in der Jugend bei PSG gespielt, also hatte ich auch das Gefühl, dass alle mich bereits kannten. Es hat sich schon wie zuhause ange­fühlt. Es ist am Anfang natür­lich über­wäl­ti­gend, wenn du das erste Mal mit Stars wie Neymar, Cavani, Kylian (Mbappé, Anmer­kung d. Red.) und all den anderen spielst. Das hat auch die ersten paar Tage ange­dauert, aber nach ein oder zwei Wochen war ich Teil der Gruppe und sie haben mich mit offenen Armen auf­ge­nommen.

Was die Arbeits­moral auf und neben dem Platz angeht, ist er für mich einer der besten der Welt“

Timothy Weah

Gibt es jemanden aus Ihrer Zeit bei PSG, von dem Sie sich beson­ders viel abge­schaut haben?
Die Fähig­keiten von allen Spie­lern bei PSG sind unglaub­lich. Aber ein Spieler, von dem ich beson­ders viel gelernt habe, ist Edinson Cavani. Was die Arbeits­moral auf und neben dem Platz angeht, ist er für mich einer der besten der Welt. Bei Neymar war es so, dass er der erste war, der mich ins Team inte­griert hat. Ich hatte ihn bereits vorher mit der bra­si­lia­ni­schen Natio­nal­mann­schaft getroffen und ich habe mir viel von seinem Spiel­stil abge­schaut.

In der Offen­sive können Sie meh­rere Posi­tionen spielen. Wo muss ein Trainer Sie auf­stellen, um die beste Ver­sion von Tim Weah zu bekommen?
Momentan spiele ich bei Lille viel auf dem rechten Flügel. Das ist eigent­lich nicht meine ideale Posi­tion, weil ich gerne nach innen ziehe, um mit meinem starken rechen Fuß abzu­schließen. Wenn du auf dem rechten Flügel bist und nach innen ziehst, musst du mit links schießen. Des­wegen waren meine Lieb­lings­po­si­tionen auch immer der linken Flügel oder die Zehn. Ich sehe mich auch nicht als Stoß­stürmer. Das sind bei uns eher Burak Yilmaz und Jona­than David. Ich kann der Mann­schaft auf dem Flügel ein­fach besser helfen, indem ich mit meinen Läufen hinter die Abwehr­reihen gelange und für die beiden Stürmer auf­lege. Mit Jona­than David habe ich eine beson­ders innige Bezie­hung. Er ist einer meiner besten Freunde im Team. Wir ver­stehen uns ein­fach gut, die Chemie stimmt. Im Spiel schlage ich den Ball meis­tens in die Mitte und er steht ein­fach immer zur rich­tigen Zeit am rich­tigen Ort.

Weah 3

Aus der Haupt­stadt ins Dépar­te­ment Nord: In Lille ist alles etwas ent­spannter.“

New Balance

Seit Ihrem Pro­fi­debüt konnten Sie bereits einige Titel gewinnen. Mit PSG Sind Sie zweimal Meister geworden, dazu einmal mit Celtic Glasgow und letztes Jahr mit dem OSC Lille. War der Titel mit Lille bisher der bedeu­tendste?
Die Meis­ter­schaft mit Lille war mit Sicher­heit einer der besten Momente in meiner Kar­riere. Ich habe viel gespielt und war dadurch auch stärker invol­viert als in Paris. Ich schätze diesen Titel wirk­lich sehr. Nie­mand hatte uns auf dem Zettel und am Ende haben wir ein Wunder voll­bracht. Es war ein fan­tas­ti­sches Jahr und ich bin unglaub­lich stolz darauf, dass ich diese Momente mit meiner Mann­schaft teilen konnte.

Der Titel­ge­winn mit Lille mar­kierte gleich­zeitig das Ende der Vor­herr­schaft von Paris im fran­zö­si­schen Fuß­ball. Schwingt da ein Hauch von Genug­tuung mit?
Nicht wirk­lich. Ich war immer dankbar für alles, was der Verein für mich getan hat. PSG hat mir eine Chance gegeben, die zu diesem Zeit­punkt viele andere junge Spieler gerne gehabt hätten. Jetzt bin ich bei Lille, habe hier mit meinem Team die Liga gewonnen. Das war dann jetzt ein­fach unser Moment. Aber PSG bleibt für mich ein toller Klub mit einer fan­tas­ti­schen Mann­schaft.

Worin unter­scheiden sich Lille und Paris?
Ich glaube, die Unter­schiede sind gar nicht so groß. Natür­lich sind die Städte irgendwie ver­schieden. Paris ist eine rie­sige Stadt, voller Mode und all dem Kram. Lille ist da ein biss­chen ent­spannter. Was die Klubs angeht: Beide wollen natür­lich Großes errei­chen. Lille ist viel­leicht noch eher in der Auf­bau­phase. Die Meis­ter­schaft war des­halb ein enormer Schritt nach vorne. Paris ist natür­lich bereits ein rie­siger Klub ist, Lille befindet sich auf dem Weg dorthin.

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Tim Weah mit dem Hexa­goal“, der fran­zö­si­schen Meis­ter­schaft­stro­phäe.

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