Kurz ein paar wich­tige Fakten zu Jordan Tor­u­na­righa: Der Mann kommt aus Chem­nitz, spielt seit fast 14 Jahren für Hertha, ist 22 Jahre alt, ein sehr talen­tierter deut­scher Innen­ver­tei­diger und nein, nor­ma­ler­weise weint er nicht ein­fach so auf dem Platz. Er weint auch nicht nach Nie­der­lagen, glauben Sie mir, als Hertha-Fan gab es in den ver­gan­genen Jahren genug Gele­gen­heiten, das zu über­prüfen. Ges­tern aber weinte Tor­u­na­righa. Weil er, so erzählte es sein Mit­spieler Niklas Stark nach dem Spiel, ras­sis­tisch belei­digt worden war. Jordan hat’s mir gesagt“, sagte der Kapitän gegen­über dem Tages­spiegel. Der war heu­lend auf dem Platz. Da fragt man schon mal, was los ist. So was geht über­haupt nicht. Das ist mensch­lich absto­ßend.“

Neben Trollen (und/​oder Idioten), die dem jungen Ver­tei­diger später in den Sozialen Medien unter­stellten, sich die Geschichte aus­ge­dacht zu haben, um von der eigenen Nie­der­lage abzu­lenken (die Kom­men­tare unter fol­gendem Tweet von Sky-Reporter Dirk g. Schlar­mann sind eini­ger­maßen auf­schluss­reich), folgten auf die Aus­sagen vor allem zwei wei­tere Reak­tionen. Soli­da­rität mit Tor­u­na­righa – sowohl von offi­zi­eller Schalker Seite (Trainer Wagner ent­schul­digte sich im Namen des Ver­eins, ein schrift­li­ches State­ment folgte heute auf der Home­page), als auch aus weiten Teilen des Inter­nets. Die andere Reak­tion? Aus­ge­rechnet Schalke!

Fuß­ball ist poli­tisch

Aus­ge­rechnet auf Schalke soll es zu ras­sis­ti­schen Aus­set­zern gekommen sein. Aus­ge­rechnet im Sta­dion des Ver­eins, dessen Auf­sichts­rats­vor­sit­zender Cle­mens Tön­nies erst vor wenigen Monaten mit zutiefst ras­sis­ti­schen Her­ren­men­schen-Aus­sagen auf­ge­fallen war. Und der danach – obwohl er sich kein ein­ziges Mal auf­richtig bei denen ent­schul­digt hatte, die von ihm belei­digt worden waren – ohne echte Kon­se­quenzen im Amt hatte bleiben dürfen. Aus­ge­rechnet! War doch klar! Schalke halt! Dabei ist das aus­ge­wie­sener Quatsch. 

Tön­nies Aus­sagen haben sicher nicht dabei geholfen, Ras­sisten und Rechten den Gang ins Sta­dion zu ver­miesen. Aber zu behaupten, erst die Belei­di­gungen des Chefs hätten Ras­sisten den Weg in den Fan­block bereitet, ist rela­ti­vie­render Blöd­sinn. Denn das, was ges­tern mut­maß­lich pas­siert ist, also Affen­laute in Rich­tung eines Fuß­bal­lers, hat mit Schalke selber herz­lich wenig zu tun. Es hätte genauso gut in Ham­burg, in Münster oder in Berlin pas­sieren können, in Dresden oder in Ros­tock. Eben überall in einem Land, in dem eine rechts­ra­di­kale Partei in Sonn­tags­fragen mitt­ler­weile auf knapp 15 Pro­zent der Wäh­ler­stimmen kommt. Überall in einem Land, in dem Leute keine Scham mehr dabei ver­spüren, sich in öffent­li­chen Räumen als rechts zu outen. Auf Demos etwa. Oder in Fuß­ball­sta­dien. Auch wenn nach wie vor viele das Gegen­teil behaupten: Men­schen geben Ihre Über­zeu­gungen nicht am Sta­di­on­ein­gang ab wie einen Ruck­sack. Fuß­ball ist ein Abbild der Gesell­schaft. Fuß­ball ist poli­tisch. Ob wir das wollen oder nicht.