Mat­thias Maucksch, Dynamo Dresden haftet auf­grund seiner zah­losen Tur­bu­lenzen in den zurück­lie­genden jahren das Image des Chaos­clubs an. Mit ihnen als Trainer und dem lang­jäh­rigen Spieler Volker Oppitz als Geschäfts­führer soll dieser Ruf nun end­lich kor­ri­giert werden. Wie gut klappt es?

Mat­thias Maucksch: Wir geben uns auf jeden Fall Mühe. Der Verein ist in dem Dilemma, das er hohe Alt­schulden abtragen muss. Als Trainer ver­suche ich für den sport­li­chen Bereich die besten Spieler und Trai­nings­be­din­gungen zu schaffen. Das ist aber auf­grund der finan­zi­ellen Situa­tion nur schwer mög­lich.



Was nervt Sie auf­grund der Situa­tion gegen­wärtig am meisten?

Mat­thias Maucksch: Ich muss darauf bedacht sein, dass Spieler schnellst­mög­lich in der Mann­schaft inte­griert werden. Aber wir können man­chen nur einen Ver­trag für ein halbes Jahr geben, so dass echte Kon­stanz kaum mög­lich ist.

Sie haben Dani Schahin von Greu­ther Fürth für ein halbes Jahr aus­ge­liehen. 14 Ver­träge laufen zum Sai­son­ende aus. Wel­ches Ziel kann man als Trainer da haben?

Mat­thias Maucksch: Wenn wir nicht schleu­nigst zu Ent­schei­dungen finden, kann das Ziel nächste Saison nur Klas­sen­er­halt“ heißen. Eigent­lich müssten wir schleu­nigst ein Gros des Kaders ver­trag­lich binden und durch zwei, drei gezielte Ver­stär­kungen die Qua­lität erhöhen, nur dann könnten wir auch andere Ziele for­mu­lieren.

Dixie Dörner war Ihnen bis Ende 2010 als Team­ma­nager an die Seite gestellt worden. Was hat seine Ver­pflich­tung kon­kret bewirkt?

Mat­thias Maucksch: Gene­rell helfen Per­sonen wie er dem Verein, da sie über viele Jahre Dynamo nach vorn gebracht haben und eine Ver­bun­den­heit zu dem Klub schaffen. Andere Ver­eine wären froh, wenn sie solche Ikonen zur Ver­fü­gung hätten, um mit denen hau­sieren gehen zu können. Bei­spiel: Wolfs­burg. Die kaufen für viel Geld Stefan Effen­berg oder Diego ein, um eine Iden­tität zu schaffen. Iden­tität, die Dörner für den Klub längst besitzt.

Nicht jeder Trainer findet es gut, wenn er einen Alt­vor­deren an die Seite gestellt bekommt.

Mat­thias Maucksch: Da gab es über­haupt keine Pro­bleme. Dixie Dörner ist ein intel­li­genter Mann, der über Trai­ner­er­fah­rung ver­fügt und auch weiß, wie die Dinge in diesem Geschäft laufen. Und er hat den Blick von außen, der durchaus hilf­reich ist, wenn es um sport­liche Fragen in einer wirt­schaft­lich schwie­rigen Situa­tion geht. Sein Wort hat mir bei einigen Per­so­nal­ent­schei­dungen zu deut­lich mehr Durch­schlags­kraft ver­holfen.

Geschäfts­führer Volker Oppitz war unter Ihnen auch noch Spieler von Dynamo. Wie gestaltet sich Ihr Ver­hältnis zu ihm?

Mat­thias Maucksch: Als Spieler habe ich ihn als sehr intel­li­genten Men­schen kennen gelernt, der seinen Job zuver­lässig und seriös erle­digt. So macht er jetzt auch den Job als Geschäfts­führer. Aller­dings leben wir in einer schnel­le­bigen Zeit, vor allem im Berufs­fuß­ball.


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Können Sie etwas kon­kreter spre­chen?

Mat­thias Maucksch: Ein Fuß­ball­verein defi­niert sich über sport­li­chen Erfolg. Zumin­dest sollte bei allem wirt­schaft­li­chen Denken der Sport im Vor­der­grund stehen. Wenn man also erfährt, dass ein guter Spieler aus einer höheren Liga bei seinem Klub unzu­frieden ist und dieser bereit ist, nach Dresden zu kommen und die Qua­lität im Kader erhöht, sollten wir schnellst­mög­lich ver­su­chen den Rahmen zu schaffen, um einen Ver­trag zu Stande bringen.

Dauert das bei Ihnen denn zu lange?

Mat­thias Maucksch: Aus meiner Sicht als Trainer wird man­ches momentan allein aus der wirt­schaft­li­chen Per­spel­tive gesehen. Bei­spiel: Dani Schahin, der nur für ein halbes Jahr an uns aus­ge­liehen worden ist. Mit ihm habe ich auch über lang­fris­tige Lösungen gespro­chen. Greu­ther Fürth war bereit, das sei­nige zu diesem Transfer dazu zu tun.

Sprich: Geld dazu zu schießen.

Mat­thias Maucksch: Leider hat sich von unserer Seite in Fürth eine Zeit lang nie­mand aktiv gemeldet. Dabei stand ich die ganze Zeit mit dem Spieler in Kon­takt. Es war nicht ein­fach, ihn aus der zweiten Liga als U20-Natio­nal­spieler nach Dresden zu holen. Des­wegen war ich froh, dass er uns eine Zusage erteilt hat. Leider hat man zuviel Zeit ins Land gehen lassen, um noch mehr mög­lich zu machen. Natür­lich ist mir bewusst, dass ein Trainer immer den besten Kader haben will und die Ver­ant­wort­li­chen des Ver­eines hin­gegen die wirt­schaft­liche Mach­bar­keit klären müssen. Diese Pro­blem­stel­lung gibt es nicht nur bei uns.

Welche Rolle spielt Reiner Cal­mund als Berater?

Mat­thias Maucksch: Wenn er hier ist, läuft es so wie man sich das vor­stellt. Er hat ver­in­ner­licht, dass die Schnellen die Lang­samen fressen. Aber leider ist er hier nur als Berater tätig und nicht in offi­zi­eller Funk­tion.

Die Zukunft des Ver­eins hängt davon ab, ob die Stadt mit­tel­fristig mehr Geld zur hor­renden Sta­di­on­miete von 2,4 Mil­lionen Euro jähr­lich zuschießt. Unter wel­chen Vor­aus­set­zungen ist ein Auf­stieg in die zweite Liga für Dynamo über­haupt denkbar?

Mat­thias Maucksch: Zunächst ist fest­zu­stellen, dass es hier nicht um einen Zuschuss für Dynamo geht, son­dern dass der Verein ledig­lich ver­langt, dass für das Sta­dion eine ange­mes­sene Miete ver­langt wird. Dies ist gegen­wärtig eben nicht der Fall. Dann müssten wir mit den jet­zigen Leis­tungs­trä­gern schnellst­mög­lich die Ver­träge ver­län­gern, um auch ein Zei­chen für neue Spieler zu setzen. Das wäre auch für neue Trans­fers ein Zei­chen, dass wir hier höhere Ziele anstreben und den Spie­lern eine Per­spek­tiven bieten. Kurz: Wir brau­chen sport­lich ein­fach mehr Kon­ti­nuität.

Der Ver­trag von Top-Star Alex­ander Ess­wein läuft immerhin noch ein­ein­halb Jahre?

Mat­thias Maucksch: Aber er könnte am Ende der Saison wech­seln, wenn ein Angebot aus der zweiten Liga käme.

Es könnte also pas­sieren, dass Sie am Ende der Saison mit fünf, sechs Reser­ve­spie­lern auf dem Train­ins­platz stehen.

Mat­thias Maucksch: Da sehen Sie, was für Pro­bleme man als Trainer haben kann. Trotzdem bleibe ich opti­mis­tisch. Es bringt ja nichts, wenn ich vor der Truppe stehe und sage: Alles scheiße“. Natür­lich kann man kurz­zeitig die Spieler über die Moti­va­tion zu beson­deren Leis­tungen ansta­cheln – aber über eine gesamte Saison muss auch Qua­lität vor­handen sein.

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