Georg Schwar­zen­beck, Sie spielten von 1961 bis 1980 beim FC Bayern. Eine bes­sere Zeit konnten Sie sich wohl kaum aus­su­chen.
Ich muss sagen, ich bin mit meinem ganzen Fuß­bal­ler­leben sehr zufrieden. Das war eine sehr erfolg­reiche und schöne Zeit. Und natür­lich: Das muss uns erstmal eine Mann­schaft nach­ma­chen, was wir da erreicht haben.

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an die 60er Jahre denken?

Der Auf­stieg der Bayern, für mich per­sön­lich, dass ich Profi wurde. Und wir haben noch im Grün­walder Sta­dion gespielt. Da waren die Sta­dien in der ganzen Bun­des­liga noch kleiner und auch noch nicht diesem Kom­fort, der kam dann ja erst 1972 mit dem Olym­pia­sta­dion. In der ganzen Bun­des­liga war das noch etwas chao­tisch, keine Boden­hei­zung, noch nicht so viele Zuschauer. Ich kann mich da an Spiele erin­nern, da waren im Sech­ziger Sta­dion auf der einen Seite im Schatten pures Eis und auf der anderen Seite, wo die Sonne geschienen hat, da ist langsam der Boden auf­ge­taut. Schließ­lich wurde in dem Sta­dion jede Woche gespielt. Erst die Sech­ziger und dann wieder wir. Da stand man schon mal knö­chel­tief im Matsch. Das führte zu sehr Kräfte rau­benden Spielen, die mit­unter sicher auch nicht son­der­lich schön anzu­sehen waren.

Wie haben Sie über­haupt diesen Wett­kampf mit den Löwen erlebt? Die durften ja sofort in die Bun­des­liga und der FC Bayern nicht.
Gut, die waren ja auch die Nummer eins in Mün­chen, Deut­scher Meister, sofort auf­ge­stiegen, her­vor­ra­gende Mann­schaft im Euro­pa­pokal. Da waren wir klar die Nummer zwei. Aber das haben wir dann ja noch gut hin­be­kommen. Wir hatten dann ja die Zeit, alles schön auf­zu­bauen. Und die Bayern haben aber auch immer wesent­lich besser und kon­ti­nu­ier­lich gewirt­schaftet – daher der Erfolg…

Sie haben auch noch gegen Uwe Seeler gespielt.
Ja, bestimmt noch zwei oder drei Spiel­zeiten. Gleich zu Anfang sozu­sagen. Ein groß­ar­tiger Spieler.

Hatten Sie so etwas wie einen Lieb­lings­ge­gen­spieler?

Heiße Duelle hat es sehr viele gegeben. Ob das ein Klaus Fischer war, Uwe Seeler, Heynckes, Rupp oder ein Wunder in Duis­burg. Aber das hat sich immer im Laufe einer Saison irgendwie aus­ge­gli­chen. Manch­mal hatte ich eben die bes­sere Tages­form, manchmal der Gegner.

Und andersrum? Wer lag Ihnen weniger?

Ja, der Klaus Wunder aus Duis­burg, der hat mir immer irgendwie Pro­bleme bereitet. Auf den komme ich jetzt, weil wir in Duis­burg meis­tens ganz gut ange­fangen haben und dann haben wir trotzdem ver­loren.

Als Sie 1966 zur Mann­schaft stießen, war bereits Großes im Gange. Haben Sie das sofort gespürt?

Ja, sicher. Da waren eben schon so Spieler wie Becken­bauer, Maier und Müller. Franz und Sepp waren schon Natio­nal­spieler und hatten gerade eine WM gespielt, und wir jungen Spieler hatten da schon eine Menge Respekt.

Und das war auch die Hack­ord­nung im Team?

Ja, das waren ganz klar der Franz, der Gerd und der Sepp, wobei der Franz über dem Ganzen noch mal drüber gestanden hat. Ich finde so etwas auch völlig richtig, wenn Respekts­per­sonen da sind. Erstmal von der Leis­tung her, da hat ja alles gestimmt. Es war ja nicht so, dass die einen großen Mund gehabt hätten und nichts dahinter, son­dern die haben ja auch Leis­tung gebracht. Und des­wegen war das auch in Ord­nung so.

Viele Spieler hatten in den 60ern noch nebenbei einen Beruf. Sie auch?

Es war sogar so, dass wir dem Verein eine abge­schlos­sene Aus­bil­dung vor­weisen mussten, mein Vater musste da noch unter­schreiben, sonst hätte ich keinen Ver­trag bekommen. Ich bin gelernter Buch­dru­cker und musste erst meine Lehre abschließen. Und mein Vater hat es auch erst dann unter­schrieben, denn die finan­zi­ellen Ver­hält­nisse waren noch nicht so, dass man dann auto­ma­tisch abge­si­chert war mit solch einem Ver­trag.

Haben Sie denn noch in ihrem Beruf gear­beitet?

Nur noch ein paar Wochen, dann ging das aber nicht mehr wegen der ganzen Trai­nings­lager und der stän­digen Mitt­woch- und Sams­tag­spiele. Da hab ich mich ent­scheiden müssen und da hab ich dann also nur noch Fuß­ball gespielt.

Und vom Fuß­ball konnten Sie da auch schon leben?
Naja, irgend­wann immer besser. Anfangs hab ich eben noch zu Hause gewohnt, hab kein großes Auto gefahren, und von Ver­trag zu Ver­trag wurde das dann frei­lich besser.

Wie muss sich ein Frei­zeit­fuß­baller das Pro­fitum vor­stellen? Dreht man dem Kol­legen immer noch die Dusche kalt oder geht es gesit­teter zu?
Nein, solche Späße gibt es da natür­lich genauso. Ob im Trai­ning oder im Trai­nings­lager, gerade der Maier Sepp, da war immer was los, und da haben wir genauso unsere Gaudi gehabt. Bei Bayern war es aber immer so, dass zuerst die Leis­tung stimmen musste. Da hat der Manager Schwan schon sehr drauf geachtet. Der hat klar vor­ge­geben: Der FC Bayern will die Nummer eins sein, und mit dem Druck müsst ihr fertig werden! Das hat er uns quasi bei der Ver­trags­un­ter­zeich­nung schon gesagt.