Hin­weis: Das Inter­view erschien erstmal im Mai 2009. 

Mario Basler, Ihr dama­liger Mit­spieler Alex­ander Zickler ver­riet uns, die Frust­feier nach der Nie­der­lage gegen ManU sei die beste Party seines Lebens gewesen.
Das freut mich! Und der Alex hat Recht: Die Party war eine Sen­sa­tion, wir haben richtig Gas gegeben. Wir hätten nicht besser feiern können, wenn wir gewonnen hätten. Man hatte nicht das Gefühl, das wir zweiter Sieger waren.

Es ist über­lie­fert, dass Sie die Sause ange­zet­telt haben. 
Ich hab ja öfter mal was ange­zet­telt. Auch an diesem Abend war ich mit dafür ver­ant­wort­lich, dass es so eine schöne und lange Party wurde.

Was machte die Party so beson­ders?
Details werde ich Ihnen nicht ver­raten. Nur soviel: Die Party war im Hotel, es wurde getrunken, gelacht und abge­hottet, dass die Tanz­fläche brannte. Bezie­hungs­weise die Tisch­decke, wir haben ja auch auf den Tischen getanzt. Wir waren erst in den Mor­gen­stunden im Bett.

Einige Kol­legen gingen nach dem Essen direkt schlafen. Spaß­bremsen aus Ihrer Sicht?
Nein, jeder geht anders mit einer Nie­der­lage um. Von daher: Keine Vor­würfe von meiner Seite. 

Gehe ich richtig in der Annahme, dass es in ihrem Wesen liegt, auch Nie­der­lagen zu feiern?
Schauen Sie, es gibt doch viel Schlim­meres auf dieser Welt, als dass man ein Fuß­ball­spiel ver­liert. Das gilt auch für ein End­spiel. Es gibt für mich keinen Grund, mich nach einer Nie­der­lage ein­zu­graben.

Den­noch dürften die beiden späten Gegen­tore auch für Sie ein Schock gewesen sein.
Fuß­ball lebt von Über­ra­schungen. Wenn man inner­halb von zwei Minuten ver­liert, ist man sicher­lich nicht begeis­tert. Aber zwei Stunden später war das für mich gegessen.

Wie haben sie die späten Tore von She­ringham und Sol­sk­jaer erlebt?
Ich war in der 80. Minute vom Feld gegangen und sah das Unheil von der Bank aus. Es hat mich sehr geär­gert, dass ich dann nicht mehr ein­greifen konnte. Aber was mich am meisten ärgerte: Wir hätten das Spiel viel eher für uns ent­scheiden müssen, waren die klar bes­sere Mann­schaft. Wir haben es nur nicht fertig gebracht, das 2:0 zu machen.

Sie hatten schon in der sechsten Minute die 1:0‑Führung erzielt. Ein Traum­start.
Ich wollte diesen Frei­stoß unbe­dingt ver­wan­deln. Und so habe ich auch gedacht: Den machst du jetzt rein, den machst du jetzt rein.“ So kam es. Fertig.

Bay­erns Pres­se­spre­cher Markus Hör­wick hatte schon eine SMS für seinen Press­ver­teiler vor­be­reitet: Bayern gewinnt die Cham­pions League durch ein Frei­stoßtor von Mario Basler“. Sie hätten in die Geschichte ein­gehen können, Herr Basler.
Bin ich das nicht sowieso? (lacht) Aber im Ernst: Sicher­lich wäre das eine schöne Über­schrift gewesen. Aber Sieg­tore zu schießen war mir nie beson­ders wichtig, mir ging es um den Erfolg der Mann­schaft. 

Nun waren Sie mit Spie­lern wie Effen­berg, Mat­thäus und Kahn in einem Team, für die der Sieg das Aller­wich­tigste war. Wie wirkten diese Kol­legen nach der Nie­der­lage auf Sie?
Ich sag mal so: Für mich ist es das Aller­wich­tigste, dass meine Familie gesund ist. Fuß­ball ist nur mein Beruf.

Sie klingen sehr abge­klärt. Waren Sie denn vor dem Finale ein wenig nervös?
Ner­vo­sität kenn ich nicht. Es war schön, bei diesem Spiel dabei gewesen zu sein. Mehr nicht.

Haben Sie auch schon vor dem Finale ver­sucht, Ihre Kol­legen ein biss­chen auf­zu­lo­ckern?
Ja, klar. Ich habe schon meine Witz­chen gemacht. Ich könnte mich nie in eine Ecke setzen und mich kon­zen­trieren. 

Nach dem Spiel dürften die Witz­chen aber nicht mehr so gut ange­kommen sein.
Wo denken Sie hin? Wenn ich über­haupt etwas gesagt habe, so direkt nach dem Spiel, dann dass man im Leben immer eine Mög­lich­keit bekommt, die Dinge wieder gerade zu rücken. Zwei Jahre war es dann ja auch soweit: Da haben die Bayern erst im Halb­fi­nale ManU raus­ge­schmissen und dann das End­spiel gegen Valencia gewonnen. 

Ottmar Hitz­feld wollte, dass die Mann­schaft bei der Sie­ger­eh­rung Spa­lier steht. Sie waren nicht dabei.
Das stimmt. Ich habe auch meine Medaille nicht abge­holt. Ich war zu sauer!

Also doch!
Ja, aber nicht wegen der Nie­der­lage, son­dern wegen der Reak­tionen der ManU-Spieler, vor allen Dingen wegen Peter Schmei­chel. Der hat sich den Pokal auf den Kopf gesetzt und ist albern vor mir rum­ge­tanzt. Da kann ich doch nicht hin­gehen und für die noch Spa­lier stehen. Ich habe mich in die Kabine zurück­ge­zogen und war dort eine Weile allein.

Wie war die Stim­mung, als die anderen kamen?
Es gab keine Freu­den­tänze. Dafür war ich dann zwei Stunden später zuständig (lacht). 

Sie spra­chen den Final­sieg von 2001 an. Sie hatten nicht mehr die Gele­gen­heit, die Scharte aus­zu­wetzen, gingen noch 1999 nach Kai­ser­lau­tern. Ärgert Sie das?
Nein, ich bereue nichts. Nach der Wirts­haus­ran­gelei in Regens­burg war eine Situa­tion gekommen, in der der Verein meinte, sich von mir trennen zu müssen. Ein paar Jahre später hat Uli Hoeneß mir gegen­über ein­ge­standen, dass das ein Fehler war. Aber das ist mir heute eh’ wurscht.

Haben Sie das End­spiel gegen Valencia ver­folgt?
Ja, natür­lich. Und ich habe mich unheim­lich gefreut.