Wenn ein Magazin wie 11FREUNDE schreibt, dass die Ticket­preise in der Pre­mier League viel zu hoch sind, dass Fans, die sich diese Tickets nicht leisten können, mehr und mehr durch Event­pu­blikum ersetzt werden und in der Folge ein essen­ti­elles Allein­stel­lungs­merkmal des Fuß­balls, näm­lich die Stim­mung, flöten geht, dann kann man das abtun als Nör­gelei und als ewig­gest­rige Romantik. Läuft ja sport­lich und finan­ziell und über­haupt sehr gut in der Pre­mier League. Wenn aber der Kapitän von Man­chester City und der bel­gi­schen Natio­nal­mann­schaft genau diese Punkte auf­schreibt, weil er sie vorher im Rahmen seiner Mas­ter­ar­beit unter­sucht hat und wenn er für diese Mas­ter­ar­beit dann auch noch mit Men­schen wie Frank Lam­pard oder Thierry Henry gespro­chen hat, dann sollte das Grund genug sein, einen genaueren Blick auf das Thema zu werfen.

Ver­gan­gene Woche hat Vin­cent Kom­pany, seit knapp zehn Jahren haupt­be­ruf­lich Innen­ver­tei­diger bei Man­chester City, seinen Master of Admi­nis­tra­tion an der Uni­ver­sity of Man­chester erfolg­reich beendet. Seine früh ver­stor­bene Mutter habe sich immer gewünscht, dass er auch aka­de­misch Fuß fasse, ver­riet Kom­pany der BBC“, also habe er damals ange­fangen mit dem Stu­dium. Außerdem wollte er, der sehr junge und sehr reiche Mann, end­lich ver­stehen, was ihm all seine Anwälte und Bank­be­rater und poten­ti­ellen Busi­ness­partner da ständig erzählten. Und so begann er zu stu­dieren. Hetzte von Vor­le­sungen zum Trai­ning und wieder zurück, hörte sich die Kab­be­leien seiner Mit­spieler an und saß mit Text­marker und Buch im Flieger nach Madrid, wäh­rend die anderen Jungs längst im Tunnel waren, schließ­lich war da ja dieses Cham­pions-League-Halb­fi­nale gegen Real.

Inter­view­partner für die Mas­ter­ar­beit: Lam­pard, Gün­dogan, Henry

Als es dann darum ging, wor­über ich meine Abschluss­ar­beit schreibe, wollte ich unbe­dingt etwas machen, was mir eine sinn­volle Erkenntnis lie­fern würde.“ Also unter­suchte Kom­pany in seiner Mas­ter­ar­beit, die uns in Form eines 20-sei­tigen Exposés vor­liegt, den Heim­vor­teil bei Fuß­ball­spielen. Und inter­viewte 25 ehe­ma­lige und aktu­elle Spit­zen­fuß­baller, die sowohl inter­na­tional als auch in der Pre­mier League aktiv waren oder aktiv sind. Spieler wie Frank Lam­pard, Craig Bel­lamy, Ilkay Gün­dogan, Fabian Delph, James Milner, Alex­andar Kolarov oder Thierry Henry.

Anhänger haben ent­schei­denden Ein­fluss auf die Leis­tung der Spieler. Diese befür­worten ein Publikum, das aus Anhän­gern besteht, da dieses die eigene Leis­tung ver­bes­sert. Indem die Anhänger mög­lichst nah am Spiel­feld sind, schaffen sie eine gute Atmo­sphäre und beein­flussen so den Aus­gang des Spiels.“ (Auszug aus der Mas­ter­ar­beit von Vin­cent Kom­pany)

Kom­pany sprach also mit Kol­legen und kam zu der Erkenntnis, dass der Heim­vor­teil (der wis­sen­schaft­lich erwiesen ist) zumin­dest aus Sicht der Spieler massiv vom eigenen Publikum abhängt. Henry, so erzählt es Kom­pany, sprach im Zusam­men­hang mit dem ehe­ma­ligen Arsenal-Sta­dion High­bury“ bei­spiels­weise immer wieder von einer Fes­tung“ und bestä­tigte, dass ihm das bloße Gefühl, Heim­spiele quasi schon vor dem Anpfiff gewonnen zu haben, immer wieder zu Höchst­leis­tung beflü­gelte. Da in einer Mas­ter­ar­beit, mit der man sich den Master of Busi­ness Admi­nis­tra­tion sichern möchte, aller­dings auch das Busi­ness nicht zu kurz kommen kann, ging Kom­pany noch einen Schritt weiter. Und kam zu dem Ergebnis, dass die Stim­mung im Sta­dion auch aus wirt­schaft­li­cher Sicht unbe­dingt am Leben erhalten werden muss.