Als Dietmar Demuth am 6. Februar 2002 mit seinem Stamm­verein FC St. Pauli als Tabel­len­letzter über­ra­schend mit 2:1 gegen den FC Bayern Mün­chen gewann, ließen die Ham­burger T‑Shirts mit dem Auf­druck Welt­po­kal­sie­ger­be­sieger“ dru­cken. Acht Jahre später steht der Ex-Profi (FC St. Pauli, Bayer Lever­kusen und Kickers Offen­bach) zwar nicht mehr in Diensten der Ham­burger. Den­noch hat Demuth noch einmal die Chance im DFB-Pokal für ähn­lich großes Auf­sehen zu sorgen. Als Trainer des SV Babels­berg 03 möchte der Dritt­li­ga­neu­ling in der ersten Runde den großen VfB Stutt­gart aus dem Pokal schmeißen.

Dietmar Demuth, zum Sai­son­start haben Sie drei Punkte gegen die Reser­ve­mann­schaft von Bayern Mün­chen geholt. Diesmal waren es nur die kleinen Bayern. Wurden trotzdem Erin­ne­rungen an den Welt­po­kal­sie­ger­be­sieger“ wach?

Das war ein anderes Gefühl, aber auch eine ganz andere Kon­stel­la­tion. In der ersten Liga wird viel schneller gespielt. Den­noch war der Sieg für Babels­berg sehr wichtig. Mit einem Heim­spiel­sieg in die Saison zu starten gibt natür­lich Selbst­ver­trauen.



Mit Her­mann Ger­land und Gerd Müller saßen zwei ehe­ma­lige Bun­des­li­ga­profis auf der Bayern-Bank. Zu ihren aktiven Zeiten haben Sie noch gegen­ein­ander gespielt. Ver­bindet Sie heute noch etwas?


Nein. Man kennt sich, grüßt und schätzt sich. Aber der Müller hat gegen tau­send Leute gespielt – der kann sich mit Sicher­heit nicht an jeden erin­nern. Umge­kehrt ist das natür­lich schon anders. Wenn ein Spieler wie Gerd Müller vier Tore gegen einen schießt, dann kann man sich daran noch gut erin­nern.

Im Pokal spielt Ihre aktu­elle Mann­schaft, der SV Babels­berg 03, gegen den VfB Stutt­gart. 2006 ist Babels­berg in der zweiten Runde gegen die Schwaben aus­ge­schieden. Haben Sie noch eine Rech­nung zu beglei­chen?


Das bringt zwar zusätz­liche Bri­sanz, aber wir sehen das rea­lis­tisch genug, um zu wissen, dass unsere Chance sehr gering ist. Ande­rer­seits haben wir schon vier Pflicht­spiele absol­viert und die Stutt­garter spielen ihr erstes. Außerdem haben wir im Pokal in den letzten Jahren immer recht gut abge­schnitten. Gegen Lever­kusen haben wir nur 0:1 ver­loren und im Jahr zuvor gegen den spä­teren Auf­steiger Mainz erst in der Ver­län­ge­rung. So leicht werden wir das Ding also auch nicht her­schenken.

Das Karl-Lieb­knecht-Sta­dion gleicht wegen des Neu­baus des K‑Blocks teil­weise einer Bau­stelle. Sehen Sie das als Pro­blem?

Der Aus­fall der Tri­büne wird nicht so sehr ins Gewicht fallen. Ich hoffe ein­fach, dass von den Zuschauern etwas rüber­kommt. Ich würde ich mir wün­schen, dass man sich hier in Babels­berg auch mal zum Verein bekennt, dass man ein biss­chen stolz ist und mal eine Fahne ins Sta­dion mit­nimmt. Damit es ein biss­chen bunter wird.

Mit dem SV Babels­berg schafften Sie nach sieben Jahren Absti­nenz die Rück­kehr in den Pro­fi­fuß­ball. Planen Sie lang­fristig schon wieder für die Zweite Liga?


Das sollte schon das Ziel sein. Wobei wir auch rea­lis­tisch genug sind und den Verein erst einmal Schritt für Schritt weiter nach vorne bringen wollen. Wir sind zwar momentan im sport­li­chen Bereich wieder auf einem guten Weg, aber das Umfeld muss noch wachsen. Wir müssen jetzt erstmal ver­su­chen, die dritte Liga zu halten und dann den nächsten Schritt machen.

Ihre Mann­schaft hat einen Alters­durch­schnitt von 23,8 Jahren. Zudem haben Sie zu Sai­son­be­ginn fast aus­schließ­lich jün­gere Spieler geholt – unter anderem aus der Reserve von Borussia Dort­mund und Bayern Mün­chen. Trauen Sie einigen dieser Spieler einen ähn­li­chen Sprung zu wie letztes Jahr ein Thomas Müller bei Bayern Mün­chen?

Auf alle Fälle. Wenn man sieht, was ein­zelne Spieler jetzt schon für einen Schritt gemacht haben und wenn man weiß, dass da noch wesent­lich mehr Poten­tial drin ist, dann ist das gut mög­lich. In Deutsch­land hat sich in der Rich­tung all­ge­mein einiges getan. Aus den Jugend­in­ter­naten der Erst­li­ga­mann­schaften kommen sehr gute Spieler nach. Da ist mir nicht bange für um den deut­schen Fuß­ball.