Wieso es beim HSV auch in der zweiten Liga nicht rund läuft

Der Hamburger Weg

Vor dem Spitzenspiel in Köln ist beim Hamburger SV mal wieder der Wurm drin. Mittlerweile fragen sich viele Fans: Sollte diese Mannschaft überhaupt aufsteigen?

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Es gibt ein paar große Fragen rund um den Fußball, zu der wahrscheinlich jeder Fan weltweit eine ganz klare Meinung hat. Zum Beispiel: Wer ist der beste Fußballer aller Zeiten? War es richtig von Zinedine Zidane, Marco Materazzi während des WM-Finales 2006 in Berlin eine Kopfnuss zu verpassen? Und was läuft eigentlich schief beim Hamburger SV? Dieser alte, traditionsreiche Verein wirkt von außen so groß und mächtig, weil die Väter der heutigen Generation Spieler wie Felix Magath oder Horst Hrubesch noch live gesehen haben. Es gibt noch Zeitzeugen, die bestätigen können, dass der HSV wirklich mal den Europapokal der Landesmeister gewonnen hat. Und es gibt viele Fans im Ausland, die sich gut an diese Zeit erinnern. 

Sie wirkt noch bis heute nach und hat in den letzten Jahren zu so manchen Irrungen und Wirrungen geführt. Eine realistische Selbsteinschätzung gelang deshalb so gut wie nie. Der HSV hat schon immer groß gedacht, vielleicht ein bisschen zu groß und zu weit über die eigenen Verhältnisse. Zwei dreckige Siege in Folge reichen schon, damit ein Hauch von Europapokal durch das Volksparkstadion weht. Oder sind all das nur böse Klischees?

Arp hatte längst unterschrieben

Spätestens der Abstieg, so die Hoffnung vieler Kritiker, würde endlich zu einem Umdenken führen. Eine Chance für einen echten Neuanfang sein. Nur ist davon im April 2019 nicht viel zu sehen. Den ersten Trainer hat der HSV schon nach drei Monaten entlassen, weil der Klub sich im Sommer wegen des Hypes um Christian Titz aus Angst vor der Reaktion der euphorisierten Fans nicht traute, den Schritt frühzeitig zu vollziehen. Neu daran war nur, dass zu diesem Zeitpunkt der Saison und mit dieser Punkteausbeute (18 aus zehn Spielen) kaum einer mit einem Wechsel gerechnet hatte. Auch bei der Vertragsverlängerung von Fiete Arp im vergangenen Sommer ist der HSV dabei aufgeflogen, wie er seinen Fans einen Bären aufbinden wollte. 

Das Über-Talent des deutschen Fußballs hatte es doch tatsächlich gewagt, ein Angebot des FC Bayern abzulehnen und stattdessen seinen Vertrag bei seinem Heimatverein zu verlängern. Zumindest wollten die Beteiligten die Geschichte der Öffentlichkeit genau so verkaufen. Ein bisschen PR kann nicht schaden, um nach dem Abstieg möglichst wenige Fans endgültig zu verlieren. Unglücklich ist hingegen, wenn rauskommt, dass die Geschichte nicht ganz der Wahrheit entspricht. Arp hatte längst einen Vertrag bei den Bayern unterschrieben, was aber geheim bleiben sollte. Die Idee dahinter ist nicht ganz klar geworden. Geschadet hat es ausschließlich dem Jungen, der inzwischen nicht einmal mehr dann bei den Profis in den Kader rückt, wenn der Toptorjäger verletzt ausfällt. 

Warum werden Spieler schlechter statt besser? 

Vielleicht hat Arps Karriere damit einen gewaltigen Kratzer abbekommen, weil die beiden Vereine es so richtig verbockt haben. Die Fans haben dafür ein Gespür, es gab im Stadion keine Pfiffe gegen ihn. Genauso wie viele unter ihnen spüren, dass die derzeitige Krise nicht schon wieder allein am Trainer festzumachen ist. Hannes Wolf hat in der Rückrunde in elf Spielen gerade einmal 14 Punkte geholt und steht gefühlt schon wieder auf der Kippe. Selbst wenn der Aufstieg gelingt, was weniger der eigenen Leistung denn dem Unvermögen der Konkurrenz zu verdanken wäre – Wolf würde erheblich geschwächt aus dieser Saison gehen. 

Aber warum ist das eigentlich so, Jahr für Jahr? Warum werden sowohl Trainer als auch Spieler ständig schlechter statt besser? Nicht einmal in der Zweiten Liga gelingt es diesem HSV, auch nur zwei überzeugende Spiele am Stück abzuliefern. Stattdessen krampfte sich dieses Team über die gesamte Zeit irgendwie von Sieg zu Sieg, ohne sich dabei zu verausgaben. In Hamburg reicht offenbar das Nötigste: In 28 Saisonspielen hat der HSV gerade einmal 39 Tore geschossen und dabei 51 Punkte geholt. Zum Vergleich: Spitzenreiter Köln schoss 74 Tore und sammelte 58 Punkte.