Michael Preetz, Manager Hertha BSC Berlin
Hertha BSC Berlin – FC Bar­ce­lona 1:1 (1:1)
23.11.1999, Cham­pions League, 2. Grup­pen­phase, 1. Spieltag
Sta­dion: Olym­pia­sta­dion, Berlin

Zuge­geben, unser Heim­spiel gegen Barca war fuss­bal­le­risch keine Partie für die Geschichts­bü­cher, den­noch wird es unver­gess­lich bleiben. Bis heute könnte ich behaupten, dass wir gegen die Kata­lanen mit Stars wie Figo oder Patrick Klui­vert Welt­klasse waren, nie­mand könnte das Gegen­teil beweisen – denn es hat doch kein Mensch wirk­lich gesehen. Der Nebel stand im Sta­dion wie der Was­ser­dampf in einer Wasch­küche. Die Regel, dass nur ange­pfiffen werden darf, wenn man von einem Tor aus das andere sehen kann, war ausser Kraft gesetzt. Ich stand am Mit­tel­kreis und ver­suchte, im Dickicht eines der beiden Gehäuse aus­zu­ma­chen. Keine Chance! Meine Mit­spieler schlugen Flanken auf gut Glück, die Bälle schossen im Straf­raum aus dem Dunst auf mich zu. Die Zuschauer wurden später wegen der kata­stro­phalen Sicht­ver­hält­nisse sogar ent­schä­digt. Für mich mar­kiert das Nebel­match den­noch einen Höhe­punkt meiner Lauf­bahn: Das erste Mal spielten wir mit Hertha BSC in der Cham­pions League, wir setzten uns in der Vor­runde gegen Gala­ta­saray Istanbul, FC Chelsea und den AC Mai­land durch – und ich war amtie­render Bun­des­liga-Tor­schüt­zen­könig.

Oliver Welke, TV-Mode­rator und Come­dian
Borussia Dort­mund – Ham­burger SV 2:0 (2:0)
17.06.1995, Bun­des­liga, 34. Spieltag
Sta­dion: West­fa­len­sta­dion, Dort­mund

Dort­munds letztes Spiel in der Meis­ter­saison 94/95. Ich stand als Stu­dent mit einigen Freunden auf der Süd­tri­büne. Soge­nannte Welt­emp­fänger“ – selbst 1995 nicht wirk­lich High­tech – infor­mierten par­allel über die Bemü­hungen des SV Werder im Fern­duell um den Titel. Was mich anfangs noch ver­wirrte, weil das Raunen auf den Rängen oft gar nicht zum Spiel passen wollte. Irgend­wann hatte ich das Prinzip dann ver­standen. Nach dem 2:0 war sowieso nur noch Lärm. Meine Kom­mi­li­tonen hatte ich längst ver­loren, dafür schluchzte mir ein fremder, bär­tiger Mann minu­ten­lang ins Ohr. Bis heute hoffe ich, dass das, was auf seinem Parka klebte, nur Erb­sen­suppe war. Mit dem Schluss­pfiff wurden alle von der Tri­büne auf den Platz gedrückt – zum gemein­samen Meis­ter­ra­sen­pflü­cken. Ein paar Fans ver­suchten sogar, eins der Tore als Andenken raus­zu­tragen, was aber von über­kor­rekten Ord­nern ver­hin­dert wurde. Ein unver­gess­li­cher Nach­mittag. Und ich war noch früh genug wieder in Münster, um Werner Hansch in ran“ sagen zu hören: Dat is so wichtig für die Region.“

Oliver Bier­hoff, Euro­pa­meister
Deutsch­land – Tsche­chien 2:1 n. V. (0:0, 1:1)
30.06.1996, Euro­pa­meis­ter­schaft, Finale
Sta­dion: Wem­bley­sta­dion, London

Sicher wird es jeder von mir erwarten: Natür­lich war das EM-Finale 1996 im Lon­doner Wem­bley­sta­dion für mich das Spiel meines Lebens“. Ein EM-End­spiel für mein Land mit zwei Toren zu ent­scheiden, war ein gross­ar­tiges Gefühl: kurz nach meiner Ein­wechs­lung erst den Aus­gleich erzielt und dann in der Ver­län­ge­rung das Golden Goal – es werden immer unver­gess­liche Momente bleiben. Eigent­lich hatte ich vor dem Anpfiff gar nicht damit gerechnet, im Spiel ein­ge­wech­selt zu werden. Denn wir waren Favorit und wenn ein Team mal in Füh­rung liegt, dann sind die Chancen eines Stür­mers nicht so gross, zum Zug zu kommen. Zuerst war ich noch ziem­lich sauer, dass der Trainer nach dem 0:1 so lange mit einer Ein­wechs­lung gewartet hatte. Dann habe ich aber nicht mehr viel nach­ge­dacht und mich ein­fach vorn rein­ge­worfen. Was sich bei mir im Unter­be­wusst­sein bei dem Golden Goal abge­spielt hat, weiss ich bis heute nicht. Es war das ein­zige Spiel in meiner ganzen Kar­riere, bei dem ich mein Trikot aus­ge­zogen habe…

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100Deutsch­land gegen Ita­lien 1970, Bayer Uer­dingen gegen Dynamo Dresden 1986, Charlton Ath­letic gegen Hud­ders­field Town 1957 – große Fuß­ball­spiele lassen die Zeit still stehen und brennen sich ein ins kol­lek­tive Gedächtnis.

Die obigen Texte stammen aus dem Buch Die 100 besten Spiele aller Zeiten“ (Tim Jür­gens und Philipp Köster), das kürz­lich im Süd­west Verlag erschienen ist. Mehr Infos und Bestell­mög­lich­keiten auf der Ver­lags-Home­page.