Wie sich Hertha BSC zu einem 2:1 im Kellerduell würgte

Zwei Bier, bitte

Als Hertha BSC und der SC Paderborn auf den Platz kamen, traf der Tabellenletzte gegen den Vorletzten. Not gegen Elend also? Nein, es war noch schlimmer.

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Paderborns Kapitän Christian Strohdiek spielt mit blauen Schuhen, in die seine Füße wie in Mokassins nur hineinschlüpfen brauchen. Das bedeutet aber nicht, dass der Verteidiger nach Spielende keine Knoten lösen müsste. Schon nach zehn Minuten hatte Javairo Dilrosun gestern Nachmittag die Paderborner Verteidigung zum Narren gehalten, Strohdiek und Kollegen die Knoten in die Beine gespielt und mit seinem Solo zum 1:0 Hertha auf die Siegerstraße gebracht.

Einzige Hoffnung und dicke Börse

Dilrosun, der 21-jährige Niederländer, war sehnlichst aus dem Krankenstand zurückerhofft worden. Mit seiner Geschwindigkeit, seiner Stärke im 1-gegen-1 und der Übersicht gilt Dilrosun als dringend benötigte Variable in einem sonst leicht auszurechnenden Berliner Spiel. Nach nur einem Punkt aus den ersten vier Spielen, das den 18. Tabellenplatz zur Folge hatte, stützten sich die Hoffnungen also auf einen 21-Jährigen, der einen Großteil der vergangenen Saison verletzt verpasst hatte.

Wie ist das möglich bei einem Verein, der im Sommer eher dadurch auffiel, große Töne zu spucken und mit den dicken Checks zu wedeln als sich mit den Niederungen des Abstiegskampfs zu beschäftigen? 125 Millionen Euro hatte Investor Lars Windhorst überwiesen, auch um alte Verbindlichkeiten aufzulösen. In dieser Woche aber stellte Hertha Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller in Aussicht, dass weitere 100 Millionen Euro bis zum Jahres- mindestens aber bis Saisonende zur freien Verfügung stehen sollten. Branchendienste berichteten zudem, dass Hertha über einen Börsengang nachdenke.

Nicht vergnügungssteuerpflichtig

In Berlin wird mal wieder groß gedacht. Zu welchen Begleiterscheinungen das führen kann, wurde am Samstag bereits auf dem Weg zum Stadion klar. In das große Olympiastadion, mit Sitzplätzen für knapp 75.000 Menschen, kamen nur 43.588 Zuschauer. Das ist kein Grund für Häme, in drei Bundesliga-Stadien kamen am Samstag weniger Interessierte (allein, die Arenen dort waren voll). Wie immer, wenn 15,5 Blöcke überhaupt nicht geöffnet werden und in den übrigen klaffende Lücken voll grauer Plastikschalen zu sehen sind, wirkt es, als spiele die Hertha mal wieder das Stadion leer.

Gründe für diese Annahme bot die Hertha im Übrigen allezeit. Nach dem Führungstor durch Dilrosun zog sich die Elf von Ante Covic, der zu Amtsantritt noch unbedingten Offensivfußball gepredigt hatte, weit zurück und ließ Aufsteiger Paderborn spielen. Die Folge: 6:18 Torschüsse, 1:8 Ecken, 38:62 Prozent Ballbesitz - und 2:1 für Hertha BSC.