Wie sich das 0:7 monatelang anbahnte

Der Klub macht das Effenberg-Bullshit-Bingo mit

Gerne sagen Experten, die weit von der Schalker Geschäftsstelle entfernt wohnen: »Tedesco passt nicht zu Schalke.« Die Experten in Gelsenkirchen kommen zu einem gegenteiligen Schluss. Tedesco ist nicht nur der kühle Analytiker, sondern ein emotionaler Arbeiter. Um sechs Uhr morgens trat er huubstevens-esk seinen Dienst an, er schenkte den wartenden Fans schon mal Essen vom Spielerbuffet, er sang im Gegensatz zu anderen Funktionären inbrünstig und textsicher die Schalker Vereinshymne. Sprich: Er war mit Herzblut bei der Sache, dafür erhielt er Anerkennung. Nicht ein einziges Mal tönte es während der sportlichen Talfahrt »Tedesco raus« aus der Kurve.

Er durchlebt nun seine erste Krise als Trainer. Tedesco hat das Potenzial, ein Großer zu werden. Wer seinen Erfolg als Vizemeister nur mit Glück und Zufall erklärt, dem sei noch einmal in Erinnerung gerufen, dass Schalke mit acht Punkten Vorsprung Zweiter geworden ist. Tedesco passt(e) zu Schalke. Doch er wurde Opfer seines eigenen Erfolgs und seiner eigenen Manie.



4. Der Aufsichtsrat

Man kann spötteln, dass sich die Schalker Würdenträger entgeistert fragen, warum denn keine Kontinuität einziehen würde, dabei feuern sie doch genug Trainer und Manager. Bei der Kritik an Christian Heidel darf nicht vergessen werden, dass der Schalker Aufsichtsrat um Clemens Tönnies bei den Entscheidungen sein Plazet abgab.

Und sämtliche Fehlentwicklungen im Verein, beispielsweise das auf Hilfskräfte basierte Scoutingsystem, dürften auch den oberen Auguren nicht gänzlich unbewusst sein. Doch die Schalker Führung hat den Hang, einem Einzelnen wie Felix Magath oder Heidel offiziell die volle Verfügungsgewalt zu übertragen, um dann alle zwei Jahre den kompletten Umbruch einzuleiten.

Der Verein war sich in dieser Woche zudem nicht zu schade, kurz vor dem Spiel bei Man City das »Bullshit-Bingo« um Stefan Effenberg mitzuspielen. Der hatte von einer »Handschlag-Vereinbarung« mit Schalke erzählt – allerdings vor über fünf Jahren. Schalke erklärte die Absage öffentlich mit einer Indiskretion von Effenbergs Frau und bewies damit zweierlei:

Zum einen gab der Klub zu, mit einem Trainer-Novizen (noch dazu einem Trainer-Novizen namens Stefan Effenberg) handlungseinig gewesen zu sein, als der damalige Coach Jens Keller noch im Amt war. Zum anderen setzte der Klub Prioritäten: Die Verteidigung des angekratzten Images von Clemens Tönnies stellte er über die nötige Ruhe für den Verein vor dem Champions League-Spiel. Das war nicht zum ersten Mal so. Und ganz nebenbei: Die Durchstechereien von Personalien an die Öffentlichkeit haben auf Schalke auch ohne Effenberg traurige Tradition.

Alles in allem lassen sich diese verrückten Schalker Monate mit dem ironischen Lied von Fans später in der Stadt zusammen fassen, die irgendwann trotz des Debakels wieder ihre Stimme gefunden hatten: »Wir brauchen keine Schale, wir scheißen auf Pokale, Deutscher Chaosmeister – S04!«