Es ist eben nie alles eitel Son­nen­schein, tief im Westen, da, wo die Sonne nie scheint. Kaum ist der Klub da, wo er sich seit Jahren sowieso schon sieht, also beim Tanz in Europas Königs­klasse mit den ganz Großen, sieht man sich zum Han­deln gezwungen. Zwar sitzt auf der Trai­ner­bank – Sta­tis­tiken zufolge – einer der besten Übungs­leiter der Liga, doch pünkt­lich vor dem Anpfiff im Cham­pions-League-Rück­spiel spricht der Vor­stand dem Ent­scheider an der Sei­ten­linie eine Quasi-Ent­las­sung aus. Es bestehe Hand­lungs­be­darf“, besser gesagt, man müsse über­legen, ob dem Klub ein anderer Trai­nertyp, einer mit großem inter­na­tio­nalem Stan­ding“, nicht wesent­lich besser zu Gesicht stehe als der jet­zige.

Es ist Februar 2008. Nur sechs Wochen später ist der Trainer bei S04 ent­lassen. Mirko Slomka – jung, frisch, hungrig – passe eben nicht zu Schalke, meinen Anzug- wie Kut­ten­träger ein­stimmig. Dann schon eher einer wie José Mour­inho. Wie sich die Zeiten doch ändern können.

Wie die Zeit ver­geht

Liest man die Pläne, die jene Ver­ant­wort­li­chen im Jahr 2011 mit ihrem Klub haben, fällt es sehr schwer sich ein breites Grinsen zu ver­kneifen. Denn eigent­lich haben sie nun end­lich den Mann mit dem gewünschten Profil: Felix Magath, einer mit großem – auch inter­na­tio­nalem – Stan­ding. Doch der ist jetzt schon wieder ein Aus­lauf­mo­dell, soll wohl gegangen werden am Sai­son­ende, was so viel heißt wie: bei der nächsten Gele­gen­heit. Wieder ist man sicher, dass es jetzt einen anderen Trai­nertyp für Schalke braucht. Einen jungen Trainer, emo­tional, begeis­te­rungs­fähig und nahbar, der zudem bereits seine sport­liche Kom­pe­tenz nach­ge­wiesen hat. Einen wie Slomka oder Rang­nick, auch Tuchel, Dutt und Büs­kens werden gehan­delt. So zeigt sich, dass die beim FC Schalke lang­ersehnte Kon­stanz nur auf einer Ebene zu finden ist – im Ver­halten der Füh­rungs­ebene. Hier werden Trainer eben nicht nur nach sport­li­chem Erfolg und lang­fris­tigen Plänen bewertet, son­dern vor allem nach per­sön­li­chen Vor­lieben. Das ist die neue, königs­blaue Tra­di­tion. 

Los ging es mit Ralf Rang­nick, der den Klub einst vom Abstiegs­platz in die Cham­pions League führte, sich aller­dings in Strei­te­reien mit dem all­mäch­tigen Manager Rudi Assauer auf­rieb und schließ­lich per Ehren­runde seinen Raus­schmiss pro­vo­zierte. Sein Nach­folger wurde Jung­fuchs Slomka, der wäh­rend seiner Amts­zeit zwi­schen 2006 und 2008 mit einem Punkt­schnitt von 1,8 Punkten pro Spiel zum erfolg­reichsten Trainer nach Ottmar Hitz­feld avan­cierte, aber Schnu­sen­berg, Tön­nies und Co. nicht welt­män­nisch, schil­lernd, strah­lend genug war. 

Über­ra­schungsei Magath

Nach dem Fehl­griff Fred Rutten über­nahm Ur-Schalker Büs­kens, wie schon nach dem Slomka-Raus­wurf als man noch Dritter wurde, inte­rims­weise. Mit Erfolg, die Mann­schaft zeigte sich erfrischt und spielte frei auf. Büs­kens ret­tete zusammen mit Mulder, Reck und Co. die Stim­mung. Doch erfolg­reiche Arbeit ist auf Schalke eben keine Job­ga­rantie – auch nicht für Büs­kens. So unter­warf man sich im Juli 2009 Magath. Jenem Trainer, der sich im Laufe seiner Kar­riere einen Namen als All­mäch­tiger, Unnah­barer, fast schon Erbar­mungs­loser erar­beitet hat. Einer, der nur zwei Dinge akzep­tiert: seine Mei­nung und den Erfolg. Der das nicht Böse meint, weil es eben seine Arbeits­auf­fas­sung ist. Schalke wusste, dass man sich einen modernen Fuß­ball-Dik­tator holte, der im Klub seinen eigenen Staat errichten wird, in den nur Ver­traute ein­ge­lassen werden. Um es ihm ein­fa­cher zu machen, stat­tete man Magath mit sämt­li­chen Befug­nissen aus. Als erste Amts­hand­lung setzte Magath die Ver­ein­si­konen Büs­kens, Mulder und Reck vor die Tür, obwohl diese von Boss Tön­nies eine Job­ga­rantie auf Schalke bekommen haben sollen. Das nennt man Macht­de­mons­tra­tion. Oder Nacken­schlag.

Doch nach andert­halb Jahren ist man nun über­rascht über Magath: Der ist näm­lich wirk­lich ein All­mäch­tiger, ein Unnah­barer, fast schon ein Erbar­mungs­loser. Ein Fuß­ball-Dik­tator, der sich mit einigen Fans über­wirft und die mit­tei­lungs­freu­dige Füh­rungs­etage vor den Kopf stößt, weil sie weder Ein­blick noch Mit­spra­che­recht in seine Ent­schei­dungen bekommt. Ein Affront, der nun zu Magaths Ent­las­sung führen könnte. 

Muss Schalke jetzt die Rech­nung zahlen?

Sport­lich liegt Magath ledig­lich in der Liga unterm Strich. Klar, Wochen­ende für Wochen­ende spielt S04 grau­en­vollen Fuß­ball, doch das machen sie schon seit Jahren. Mit und ohne Magath. Doch im Pokal steht der Klub im Finale, in der Cham­pions League kann man nomi­nell zu den besten acht Mann­schaften Europas zählen. Magath über­re­dete Super­stars wie Raul und Hun­telaar in das Ruhr­ge­biet zu kommen und sparte mitten in diesem Umbruch trotz aller Fan­ta­sie­trans­fers, durch die Erfolge in der Cham­pions League und auch Spie­ler­ver­käufen, eine rich­tige Stange Geld ein. Doch solche Fakten spielen keine Rolle mehr.

Vor dem Tanz in der Königs­klasse sieht man nun wieder Hand­lungs­be­darf“ auf Schalkes Trai­ner­bank. Zukünftig solle ein fri­scher, junger Mann auf der Bank sitzen. Das wün­schen sich Tön­nies und Co. Dumm nur, dass man aus­sichts­reiche Kan­diaten wie Slomka, Rang­nick und Büs­kens in der Ver­gan­gen­heit schon unsanft hat spüren lassen, wie man heut­zu­tage tra­di­tio­nell mit seinen Trai­nern auf Schalke umgeht. Das spricht sich rum und dürfte jeden ambi­tio­nierten Trainer zumin­dest einen Tag länger dar­über nach­denken lassen, ob man sich in diese neue Schalker Tra­di­tion ein­reihen will.