Wie Santi Cazorla gegen Madrid das Spiel seines Lebens machte

Gegen den Schmerz

Weil Bakterien seine Achillessehne fraßen, konnte Santi Cazorla über zwei Jahre kein Fußballspiel mehr bestreiten. Gestern traf er doppelt gegen Real Madrid. Wie ist das möglich?

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Als Santi Cazorla den Ball mit dem rechten Innenrist seines Fußes traf, da lagen »I« und »A« nur Zentimeter entfernt. Cazorla trat den Ball im Strafraum freistehend perfekt, schon in der vierten Minute gegen Real Madrid. Er schoss ins lange Eck, unhaltbar, und jubelte an der Eckfahne. Ein Wunder.

Vor einem Jahr, im April 2018, stand Santi Cazorla auf dem Rasen des Emirates. Dem Stadion seines Vereins Arsenal. Er hatte an diesem Abend nicht wirklich vor zu spielen. Der Spanier war nicht einmal gelistet im Aufgebot des Vereins im Europa-League-Halbfinale gegen Atletico Madrid. Aber Cazorla stand eine Stunde vor dem Anpfiff auf dem Platz. »Ich hatte gefragt, ob ich dürfte, weil ich nicht wusste, ob ich noch einmal spielen würde«, erklärte Cazorla dem »Guardian«. Vier Runden um den Platz, ein paar vorsichtige Dribblings. »Einfach nur wieder auf dem Rasen sein und die Wärme der Menge spüren.« Für Cazorla endete an diesem Abend eine fünfjährige Leidenszeit.

Acht Operationen

In dieser Zeit wurde der Spanier achtmal operiert, verlor viele Freunde - und beinahe seinen rechten Fuß.

Zwischen Glück und Unglück trennen einen manchmal nur acht Zentimeter. Am 13. September 2013 standen sich die spanische und chilenische Nationalmannschaft in einem Freundschaftsspiel gegenüber. Santi Cazorla, Spaniens Fußballer des Jahres 2007, zweifacher Europameister, war froh, dass er überhaupt auf dem Platz stand. Zum Kreis der spanischen Auswahl mit Iniesta, Xavi und David Silva gehörte. Deshalb spielte er auch weiter, als er einen Schlag auf den rechten Fußknöchel bekommt.

Erst nach dem Spiel folgte die Diagnose: Cazorla hatte sich einen Riss im Knochen zugezogen. Eine vergleichsweise leichte Verletzung, er wurde operiert, stand nach 35 Tagen wieder auf dem Platz. Doch die Schmerzen verklangen nicht. »Wenn ich warm wurde, konnte ich spielen, aber in der Pause, sobald ich etwas abgekühlt war, musste ich weinen.« Cazorla spielte unter diesen Bedingungen zwei Jahre durch. Immer wieder unter Schmerzen, immer wieder mit Schmerzmitteln. Geht schon irgendwie, ist ja nicht so schlimm, Trainer, ich mach’ mich erstmal warm.

Der Knöchel lag frei

Arsene Wenger, sein Klubtrainer beim FC Arsenal, lobte ihn 2015 als den besten Mann des Jahres. »Vom Anfang bis zum Ende war er absolut top«, sagte Wenger, weil Cazorla das Spiel dirigierte wie ein Orchester. Schon da stand der Spanier länger auf dem Trainingsplatz, trainierte seinen schwächeren linken Fuß. Weil der rechte immer mehr Probleme bereitete. Es musste ja weitergehen.

Erst eine weitere Verletzung des Knies nutzte Cazorla, um auch den Knöchel inspizieren und operieren zu lassen. Doch die Ärzte in England fanden kein Mittel, immer wieder öffnete sich die Operationswunde. Auf den Fotos, die Cazorla aus dieser Zeit hat, ist der Fuß soweit geöffnet, dass man bis hinein auf den Knöchel sehen kann. Sein Körper, ein Wrack, mit dem Cazorla noch immer Fußball spielte.