1.
Zual­ler­erst ein paar Zahlen: Der­zeit liegt Olym­pique Mar­seille auf Rang acht der fran­zö­si­schen Liga. Dabei hat die Mann­schaft in 29 Spielen erst 36 Tore geschossen und stolze 30 Gegen­treffer kas­siert. Zudem hat der Klub seit dem 15. Januar kein Liga-Heim­spiel mehr gewonnen. Kurzum: Der Klub steckt in der Krise. Nach dem pein­li­chen Pokal-Aus gegen den Dritt­li­gisten US Que­villy (2:3 (1:1, 0:1) nach Ver­län­ge­rung) titelte die L’E­quipe“ bereits Wie sagt man Niete auf Deutsch?“

2.
Aller­dings ist Olym­pique der erste offi­zi­elle Sieger der Cham­pions League. Im Finale am 26. Mai 1993 besiegte OM das drü­ckend über­le­gende Star­ensemble vom AC Mai­land mit 1:0. Aller­dings hatte der Sieg einen faden Bei­geschmack, wurde der OM-Mann­schaft doch seitdem Doping­ge­rüchte nach­ge­sagt, die bis heute nicht ent­kräftet werden konnten. In den Reihen der Fran­zosen damals stand auch ein gewisser Rudi Völler, der aller­dings nicht mit dem Doping zu tun hatte. Das Siegtor erzielte der Fran­zose Basile Boli nach einer Ecke. Spielort damals: Mün­chen.

3.
Die großen Erfolge von OM gingen einher mit der Amts­zeit des sagen­um­wo­be­nenen Klub­chefs Ber­nard Tapie. Dabei war der Mann, der Mar­seilles Erfolge erst mit allerlei Kor­rup­tion befeu­erte eigent­lich Anhänger von AS St. Eti­enne. Wäh­rend Tapies Anfangs­tage wäre sogar bei­nahe Paul Gas­coigne nach Mar­seille gewech­selt. Tapie reiste extra mit dem Pri­vatjet nach Tot­tenham, um Gas­coigne zu beob­achten. Wäh­rend eines Spiels drehte sich Tapie dann zu Gas­coignes Berater um und sagte: Dieser Spieler muss nach Mar­seille, unbe­dingt!“ Zum Erstaunen aller meinte Tapie aber nicht Gas­coigne, son­dern Chris Waddle, der schließ­lich als sei­ner­zeit dritt­teu­erster Spieler der fran­zö­si­chen Liga­ge­schichte für umge­rechnet sieben Mil­lionen Euro zu OM wech­selte.

4.

Ähn­lich spek­ta­kulär mutetet 1990 auch die Ver­pflich­tung von Franz Becken­bauer als Trainer an. Doch bereits nach vier Monaten ent­ließ Tapie den Kaiser mit den Worten: Er ist kein gute Trainer“. Statt­dessen arbei­tete die Licht­ge­stalt als Sport­di­rektor für OM. Ein Wechsel, der sich schnell bezahlt machen sollte. Näm­lich als im Jahr 1991 im Vier­tel­final-Rück­spiel des Lan­des­meis­ter­cups gegen den AC Mai­land beim Stand von 1:0 für OM 15 Sekunden vor dem Schluss­pfiff ein Flut­licht aus­fiel. Die Milan-Spieler ver­ließen unter Pro­test das Spiel­feld, hofften sie doch, durch ein Wie­der­ho­lungs­spiel das sichere Aus­scheiden noch Abwenden zu können. Aller­dings hatten sie die Rech­nung da ohne den großen Franz Becken­bauer gemacht. Der Kaiser, sei­ner­zeit Sport­di­rektor bei OM, bezirzte die Uefa-Offi­zi­ellen aller­dings der­maßen, dass sie Milan kur­zer­hand vom Wett­be­werb aus­schlossen. Mar­seille erreichte schließ­lich das Finale, schei­terte aber im Elf­me­ter­schießen an Roter Stern Bel­grad.

5.
Der Kaiser und Rudi Völler waren aber nicht die ein­zigen Deut­schen, die in Mar­seille für Furore sorgten. Vor allem Karl-Heinz Förster ver­lebte hier ein paar wun­der­bare Jahre. 1989 und 1990 wurde er mit OM fran­zö­si­scher Meister sowie fran­zö­si­scher Pokal­sieger 1989. Grund genug für den Treter mit dem Engels­ge­sicht“ nach diesem Tri­umph seine Kar­riere zu beenden. Beim Dou­ble­sieg 1989 eben­falls im Kader der Süd­fran­zosen: der heu­tige Werder-Manager Klaus Allofs.

6.
Natio­nal­keeper Andreas Köpke hin­gegen lan­dete eher unfrei­willig im Kasten von Mar­seille. Nach der EM 1996 hatte Köpke eigent­lich einen Ver­trag beim FC Bar­ce­lona unter­schrieben. Doch Barca ent­schied sich kurz­fristig um und holte Por­tu­gals Gel­model Vitor Baia. Plötz­lich stand Köpke ganz ohne Verein da und kam kurz­fristig bei Mar­seille unter, bevor er zwei Jahre später nach Nürn­berg wech­selte.

7.
Ein wei­terer Mega­star aus Mar­seilles gol­denen Neun­zi­gern war Abedi Pelé. Die Anek­dote, dass er fälsch­li­cher­weise 1996 zu 1860 Mün­chen wech­selte, weil er dachte, er hätte beim FC Bayern unter­schrieben, ist hin­läng­lich bekannt. Die Erben Pelés finden sich auch im heu­tigen Kader von OM wieder. Die Gebrüder Ayew (Jordan und Andrew) stürmen heute gegen den FC Bayern. Sie sind die Söhne des großen Abedi.

8.
Sowieso hat Mar­seille in seiner nun­mehr 103-Jäh­rigen Ver­eins­ge­schichte einige große Namen behei­matet. Hier ein Auszug: Eric Can­tona, Fabien Bar­théz, Lau­rent Blanc, Alen Boksic, Marcel Desailly, George Weah, Jean Tigana, Robert Pires, Didier Drogba, Jean-Pierre Papin und Fabrizio Rava­nelli.

9.
Mit Josip Sko­blar stellt OM seit 1970 auch den Rekord­tor­schützen der fran­zö­si­schen Ligue 1. Nachdem Sko­blar 1970 von Han­nover 96 zurück ans Mit­tel­meer gewech­selt war, traf der Kroate in einer Saison sagen­hafte 44 Mal ins geg­ne­ri­sche Tor. Eine Best­marke, die im fran­zö­si­schen Fuß­ball bis heute uner­reicht ist.

10.
Einer der Stars von heute ist Mathieu Val­buena, der den Spitz­namen Le Petit velo“ (Das kleine Fahrrad) trägt. Dass Val­buena heute über­haupt auf­laufen kann, grenzt schon fast an ein Wunder, gilt der Fran­zose, der vor einem Jahr bei­nahe bei Schalke 04 gelandet wäre, doch als noto­ri­scher Pech­vogel: Im Alter von neun Jahren wurde er etwa bei einem Bade­un­fall schwer ver­letzt. Der kleine Mathieu schlitzte sich an der Schraube eines Sprung­brettes das linke Bein auf. Die Wunde musste mit 50 Sti­chen genäht werden. 2010 krachte er gar am Weih­nachtstag mit seinem Lam­bor­ghini Mur­cielago in eine Leit­planke. Doch ohne ein Prel­lung stieg Val­buena aus dem schrott­reifen Gefährt. Den Fans von Borussia Dort­mund dürfte Val­buena jedoch nicht in aller­bester Erin­ne­rung sein, schließ­lich kickte der kleine Mit­tel­feld­mann die Borussia mit einem Traumtor end­gültig aus dem euro­päi­schen Spit­zen­fuß­ball.