Wie Leeds-Fan Andy McVeigh seine Stadt in Blau, Gelb und Weiß hüllt

Ständig unter Strom

Ein Straßenkünstler verzierte die Stromkästen seiner Heimatstadt Leeds mit Liebeserklärungen an den lokalen Fußballklub – zuerst heimlich, nun ganz offiziell. 

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Er hat es schon wieder getan: Andy McVeigh hat einen dieser schnöden grauen Stromkästen in seiner Heimatstadt Leeds angemalt. Nicht irgendwie, sondern in den Farben seines Herzensklubs: des Zweitligisten Leeds United. Die Street-Art in Blau, Gelb und Weiß ist nicht etwa Andys Beruf, er verdient sein tägliches Brot als Grundschullehrer. Das Malen auf Stromkästen ist viel mehr seine Berufung. Denn es war einfach an der Zeit, gestalterisch tätig zu werden, fand der Mittdreißiger. Und legte los. Zuerst klammheimlich.

»Es gab nirgendwo in dieser Stadt Leeds-United-Kunst, was ich bescheuert finde«, erklärt Andy im Gespräch mit dem Magazin »When Saturday Comes«. »Sogar im Stadtmuseum gibt es nur eine dämliche Zeichnung als Geste an den Klub, und das obwohl er doch eine der größten Attraktionen der Stadt ist.« Also klemmte Andy sich hinter seinen Schreibtisch, schob die Berge von Klassenarbeiten zur Seite und fertigte Skizzen an. Er zeichnete klassische Leeds-Trikots und ältere Versionen des United-Wappens oder schrieb bekannte Fangesänge in gelb-blauer Zierschrift nieder.

Nach ein paar Dutzend Entwürfen wusste Andy genau, wie er seine Heimatstadt verschönern wollte. Nur – wo? Street-Artists und Graffiti-Künstler haben es in Großbritannien ähnlich schwer wie hierzulande: Es gibt viel zu viele ignorante Hausbesitzer, die viel zu wenig Sinn für moderne Kunst auf ihren Außenmauern haben. Dasselbe gilt für die Stadt Leeds, die keinerlei Spaß versteht, wenn jemand ihre öffentlichen Gebäude verschönert. Und Andy wollte ja keinen Ärger mit der Polizei.

Genehmigungen? McVeigh malte einfach drauf los

Der selbsternannte Leeds-United-Street-Artist fahndete also nach freien Flächen im öffentlichen Raum, auf denen man nach Herzenslust malen durfte – oder wo seine Kunst zumindest geduldet würde. Und da kam ihm die Erleuchtung: Stromkästen! Die schnöden grauen Kunststoff-Schränkchen stehen überall im Stadtgebiet herum und warten förmlich darauf, dass jemand Hand bzw. Pinsel anlegt. Statt in aufwändigen bürokratischen Verfahren um Genehmigungen zu bitten, malte Andy McVeigh einfach drauf los. Abend für Abend. Stromkasten für Stromkasten.

Er begann natürlich dort, wo es am naheliegendsten ist: in der Gegend rund um die Elland Road, wo die alt-ehrwürdige Spielstätte des Leeds United Football Club emporragt. Das 38.000-Zuschauer-Stadion, in dem die »Whites« 2001 den FC Valencia zum Halbfinale der Champions League empfingen, liegt etwas außerhalb der Stadt – zwischen dem Motorway 621 und ein paar schnuckeligen Einfamilienhäusern. Auf dem Weg dorthin gibt es jede Menge Stromkästen, und inzwischen tragen sie alle die Farben Blau, Gelb und Weiß. Fast alle zumindest.