Edgar Schmitt, am ver­gan­genen Sonntag hatte das Thea­ter­stück Aus – Das Leben nach dem Spiel“ in Karls­ruhe Urauf­füh­rung, für das neben 56 anderen Ex-KSC-Profis auch Sie befragt wurden. Haben Sie das Stück schon gesehen?
Nein, ich war noch nicht drin. Aber ich werde es mir sicher noch ansehen.

Das Stück the­ma­ti­siert den pro­ble­ma­ti­schen Umgang vieler Ex-Profis mit dem Kar­rie­re­ende. Die Inter­views wurden dafür zum Thea­ter­text zusam­men­ge­schnitten und sind teil­weise sehr per­sön­lich und tra­gisch. Hatten Sie kei­nerlei Bedenken, über Ihr Kar­rie­re­ende zu spre­chen?
Nein, ich hatte ja nichts zu ver­bergen. Ich habe weniger über meine Kar­riere gespro­chen son­dern eher all­ge­mein über das, was mir und vielen anderen Fuß­bal­lern –unab­hängig vom Finan­zi­ellen- nach der aktiven Lauf­bahn pas­siert.

Wie war das bei Ihnen?
Ich habe mit 36 Jahren bei For­tuna Köln auf­ge­hört, die letzten beiden Jahre lag ich mehr auf dem OP-Tisch als dass ich auf dem Platz stand. Ich habe gemerkt, dass mein Körper nicht mehr mit­macht, habe meine Kar­riere beendet und mich erstmal kom­plett vom Fuß­ball ver­ab­schiedet. Mit einem Freund eröff­nete ich zwei große Sport­ge­schäfte mit 16 Mit­ar­bei­tern. Die Läden zu führen war fortan meine Arbeit.

Ein ziem­li­cher Ein­schnitt.
Ja, man kommt von einer Welt in eine kom­plett andere. Das war brutal schwierig und ich habe lange gebraucht, in diesem neuen Leben Fuß zu fassen. Es ist, als würde man in einen Dschungel gehen. Man hat kei­nerlei Intui­tion für das neue Ter­rain, kein Gefühl für das Geschäft oder den Umgang mit Men­schen. Man hatte ja vorher nur ober­fläch­li­chen Kon­takt zu dieser Welt.

Nach einigen Jahren in dieser neuen Welt haben Sie 2005 schließ­lich den Trai­ner­schein gemacht und sind ins Fuß­ball­ge­schäft zurück­ge­kehrt. Was hat Sie dazu bewogen?
Der Fuß­ball fing wieder an, mich zu reizen. Ich bin ja erst mit 28 Jahren Profi geworden und war dann acht Jahre in dieser Maschine drin. Danach war ich erstmal müde, denn durch den späten Ein­stieg und die feh­lenden Spiel-Auto­ma­tismen musste ich vieles durch Kampf und eisernen Willen aus­glei­chen. Als ich mit 28 nach Frank­furt kam, standen dort 15 Natio­nal­spieler auf dem Trai­nings­platz. Da habe ich mich schon gefragt, wie sich der kleine Schmitt aus der Eiffel dort durch­setzen soll. Und vor allem, wie ich es schaffe, auf dem hohen Niveau zu bleiben. Es gibt ja viele, die spät noch mal auf­blühen, aber oben zu bleiben ist sehr schwierig. Das hat viel Kraft gekostet. Aber dieses Durch­set­zungs­ver­mögen hat mir auch nach der aktiven Kar­riere noch geholfen.

Der späte Ein­stieg als Profi war also auch für die Zeit danach lehr­reich?
Ich denke schon. Als Spä­tein­steiger muss man Lösungen für Pro­bleme suchen, die durch den späten Ein­tritt ein­fach da sind. Ich habe immer ver­sucht, die Dinge mit einer gesunden Nai­vität anzu­gehen und die Pro­bleme ein­fach anzu­pa­cken. Das ist auf dem Arbeits­markt viel­leicht auch nicht das Schlech­teste.

Mitt­ler­weile sind Sie nicht mehr als Trainer tätig. Was ist pas­siert?
Schon als ich mit der Aus­bil­dung zum Fuß­ball­lehrer anfing, war mir bewusst, dass es kein ein­fa­ches Geschäft ist. Es geht schnell nach oben und genauso schnell nach unten. Nach einer schönen ersten Sta­tion in Aalen, kam eine weniger schöne bei den Stutt­garter Kickers, wo es nicht so gut lief. Par­allel fing ich an, Sport­öko­nomie zu stu­dieren, was mir jetzt zugute kommt. Mitt­ler­weile arbeite ich für den Sport­ver­markter Sport­five“ und bin für den KSC zuständig. So schließt sich der Kreis.

In Aus“ drückt einer der Prot­ago­nisten immer wieder einen Knopf, wor­aufhin Applaus ertönt. Ist der Applaus und das Ram­pen­licht das, was am meisten fehlt?
Für mich nicht. Was mir eher gefehlt hat, waren die Abläufe. Mor­gens zum Trai­ning fahren, in der Kabine zusam­men­sitzen und schnacken. Der Pro­fi­fuß­ball ist ein Sam­mel­be­cken von Künst­lern und Spaß­vö­geln und es ist immer was los. Man freut sich gemeinsam, man ärgert sich gemeinsam, das ist großes Kino.

Sie machen einen zufrie­denen Ein­druck mit Ihrer Kar­riere und der Zeit danach. Bei vielen Kol­legen ist das, wie auch das Thea­ter­stück zeigt, nicht der Fall. The­ma­ti­siert man das, wenn man sich über den Weg läuft oder in der Tra­di­ti­onself kickt?
Nein, eher nicht. Natür­lich denkt man ab und zu dar­über nach, wie es dem ein oder anderen Ex-Kol­legen wohl geht aber letzt­lich ist das eine sehr per­sön­liche Frage, die man so nicht stellt. Wenn man sich trifft, fragt man natür­lich: Wie geht es dir?“. Und natür­lich geht es allen immer gut. Aber ich kann auch ver­stehen, wenn jemand nicht so gut zurecht­kommt. Es ist eben unge­wohntes Ter­rain, zudem begegnen einem als Ex-Profi im Berufs­leben viele Men­schen her­ab­las­send.

Ja?
Absolut. Viele merken, dass man sich nicht aus­kennt und erstmal nicht so gut zurecht­kommt. Und einige denken dann, sie haben Ober­wasser und lassen einen das mit einer ordent­li­chen Por­tion Genug­tuung spüren. Je bekannter man war, desto schwie­riger wird es nach der Kar­riere.

Die Inter­views zeigen, dass einige der Kol­legen im Finanz­sektor gelandet sind. Weil man dort sein Wett­be­werbs­denken und seinen Ehr­geiz weiter aus­leben kann?
Viel­leicht ja auch, weil sie schauen wollen, wie sie ihr Geld wäh­rend ihrer Pro­fi­lauf­bahn hätten anlegen können (lacht). Im Ernst: Das finde ich über­ra­schend. Wenn man jah­re­lang Fuß­baller war, was qua­li­fi­ziert einen dann zum Finanz­profi? Das ist so, als wollten Sie morgen Fuß­ball­profi werden. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen.

Tun Sie nicht. Einer Ihrer Ex-Kol­legen hat übri­gens eine Kunst-Galerie auf­ge­macht.
Das finde ich nach­voll­zieh­barer. Wenn er vorher schon in Künst­ler­kreisen unter­wegs war und sich für die Materie inter­es­siert hat. Wie gesagt: Es gibt viele Künstler im Fuß­ball.