Markus Winter, auf Ihrer aktu­ellen CD Zwei“ finden sich Refe­renzen zu Franck Ribéry und Manuel Neuer. Ver­su­chen Sie etwa auf den WM-Zug auf­springen?
Zu meiner Ver­tei­di­gung muss ich sagen, dass ich die Texte schon vor zwei Jahren geschrieben habe. Das WM-Argu­ment wäre ein biss­chen aus der Luft gegriffen.

Woher kommt der Fuß­ball-Bezug?
Ich bin kein klas­si­scher Fan, son­dern sehe das alles mit anderen Augen. Mich inter­es­sieren weniger die Ergeb­nisse und Mann­schaften, als bestimmte Phä­no­mene. Die nutze ich dann häufig als Meta­phern.

Geht es etwas kon­kreter?
Zum Bei­spiel die Text­stelle aus dem Song Traum“: Ich hatte einen Traum, der war ziem­lich cool, denn in diesem Traum gingen alle Men­schen auf­ein­ander zu: Die Schalke-Ultras auf Manuel Neuer…“. Viel­leicht kriege ich nicht mit, wie seine Mann­schaft am letzten Wochen­ende gespielt hat, aber mich inter­es­siert, dass er von dem Verein, bei dem er groß geworden ist und für den sein Herz schlägt, zum Kapi­ta­lismus wech­selt.

Ihr erstes Mix-Tape heißt Der bes­sere ‪Mateja Kezman‬ Ton­träger“. Ein unge­wöhn­li­cher Titel. Wie kam es dazu?
Der Fall Kezman war auch so ein Phä­nomen. Alle kün­digten ihn damals als großes Talent an. Bei der EM 2000 in Bel­gien und den Nie­der­landen wurde er im Spiel gegen Nor­wegen kurz vor Schluss ein­ge­wech­selt und flog ein paar Sekunden später mit einer Roten Karte vom Platz. Ich habe mich kaputt­ge­lacht. Wie geil ist das denn? Du kommst voller Energie auf das Feld und bist wegen eines Fouls gleich wieder weg.

Wäh­rend der WM kommt man am Fuß­ball nicht vorbei. Wie nehmen Sie die Auf­re­gung rund um das Tur­nier wahr?
Mir gefällt diese kol­lek­tive Freude. Das mag komisch klingen, aber die Tur­niere haben sehr posi­tive Effekte. Viele Leute lassen end­lich mal los, sind viel mehr draußen im Freien. So etwas schafft ein Sommer nicht allein. Für diese Emo­tio­na­lität kann ich mich begeis­tern. Wäh­rend der EM in Öster­reich und der Schweiz habe ich in Wien gewohnt und bin nach den Spielen in die Bezirke fahren, bei denen ich wusste, dass richtig gefeiert wird.

Sie waren gerade erst auf Tour. Ihre Fans sehen am Ende nur das Ergebnis. Dahinter steht aber ein Team, das per­fekt funk­tio­nieren muss. Sind Sie in diesem Team der Stürmer, den am Ende alle feiern?
Nein, mit dieser Rolle könnte ich über­haupt nicht leben. Dafür bin ich viel zu kom­pli­ziert und habe meine eigenen Vor­stel­lungen vom End­ergebnis. Ich sehe mich eher als Spiel­ge­stalter. Am Ende muss ich nicht der sein, der das Tor macht, so lange ich alles im Blick habe und auf jeden Teil Ein­fluss nehmen kann.

Ange­nommen, Sie hätten Ein­fluss darauf, was bei der Natio­nal­mann­schaft für Musik läuft. Was wären Ihre drei Titel für die Kabine?
Auch wenn alle WM-Songs hassen – ich inklu­sive – muss in dieser Liste einer dabei sein. Mein Favorit ist von der Band „‪Laser­boys“. Der Titel heißt Fuß­ball, Fuß­ball! (Wir spielen Fuß­ball!)‬“. Das Lied ist völlig geis­tes­ge­schwächt und des­halb witzig.

Nummer zwei?
Der zweite Song lief bei mir immer im Tour-Bus. Die Natio­nal­mann­schaft muss bei der WM weite Stre­cken zurück­legen und da ist Sea­sons (Wai­ting on you)“ von Future Islands“ genau das Rich­tige.

Fehlt eigent­lich nur etwas für die Moti­va­tion in der Kabine.
Da fällt mir von Die Orsons“ Wodka Apfel Z“ ein. Dabei kann man ein­fach alles ver­gessen.

Zu guter Letzt. Was muss der per­fekte WM-Song Ihrer Mei­nung nach haben?
Den per­fekten WM-Song gibt es nicht. Per­sön­lich finde ich die Trash-Hits am wit­zigsten. Aber die hört man sich auch nur einmal zum Lachen und Staunen an. Dieser ganze andere pathe­ti­sche, ernste Mist ist aber viel schlimmer.