Wie Frank Schmidt zum dienstältesten Trainer im deutschen Profifußball wurde

Die Heidenheimer Krise - leise Selbstzweifel

In Heidenheim haben sie sich längst an den Profifußball gewöhnt. Der Etat (22 Millionen Euro) nähert sich langsam dem der Schwergewichte in der zweiten Liga an (HSV und 1.FC Köln mit ca. 31 Millionen Euro). Trotzdem betonen die Spieler und Menschen, wie familiär es in Heidenheim zugeht. Gerade wegen Frank Schmidt. Ihn ausschließlich auf sein leicht wahnsinniges Wesen an der Seitenlinie zu reduzieren, ist falsch, findet Regisseur Aljoscha Pause. »Frank hat eine viel größere Klaviatur an Ausdrücken, er ist sonst sehr herzlich zu den Spielern, nimmt sie auch mal in den Arm«, sagt Pause, der seit seinen Filmarbeiten einen freundschaftlichen Kontakt zu Schmidt pflegt. »Er hat wie Jürgen Klopp sein eigenes Charisma, mit dem er Menschen für sich gewinnt. Deshalb nutzt sich sein Motivations-Stil auch nicht ab.«

Abstiegsmanagement - für Heidenheim etwas völlig ungewohntes

Als Pause den Trainer 2013 begleitete, dachte er: Dieser akribische Perfektionist wird sicher bald einen Erstligisten übernehmen. Und Angebote gab es ja auch einige, das gibt Schmidt zu. Doch er wohnt derzeit in keiner großen Fußballmetropole, sondern immer noch im 2197-Einwohner-Dorf Bachhagel, Landkreis Dillingen, knapp 20 Minuten vom Heidenheimer-Stadion entfernt. Schmidt sagte »nein« zu den Anfragen, auch wenn er irgendwann einmal in die Bundesliga möchte – am liebsten mit Heidenheim. Fürs Erste läuft sein Vertrag bis 2023.

So harmonisch es in der Ostalb sein kann – je länger Heidenheim in der zweiten Liga mitspielte, desto größer wurde auch der Hunger nach mehr. Desto schwieriger war es für Schmidt in der vergangenen Spielzeit. Sieben von zehn Partien verlor er zwischenzeitlich. Andauernd rutschte der Verein auf einen der Abstiegsplätze. Die wohlige Atmosphäre war weg. Schmidt polterte damals: »Jeder spricht von Zusammenhalt. Ich spüre das momentan nicht, was das Umfeld betrifft.«

Eine Krise unter Schmidt kannten sie in Heidenheim nicht. Und Schmidt kannte keine Krisen. »Hauptschuldiger ist der Trainer«, las er in einer öffentlichen Umfrage über die Probleme in Heidenheim. Der Mann, der den Klub geprägt hatte wie kein Trainer vor ihm, hinterfragte sich selber: »Bin ich schuld?«. Doch der Verein und der feste Fan-Kern standen weiter zu ihm. Am letzten Spieltag konnte sich Heidenheim mit einem 1:1 in Fürth retten. In der Nachbetrachtung ist Schmidt dankbar für diese Erfahrung: »Ich habe gelernt, in solchen Zeiten unschöne Dinge anzusprechen, bei denen ich früher aus Mitgefühl gezögert hätte.«

Keine Zeit zum Gassi gehen

Seitdem hat sich Heidenheim weiterentwickelt. In den ersten Zweitliga-Jahren stand eine stabile Defensive an erster Stelle. Mittlerweile versucht Schmidt öfter mit seiner Mannschaft, spielerisch zu gewinnen. So unbeschwert, wie sie einst in der dritten Liga aufliefen. Der Erfolg kehrte zurück. Nicht allein im DFB-Pokal gegen Leverkusen.

Am liebsten hätte Frank Schmidt noch eine Runde mit seinen Hunden gedreht nach dem Sieg gegen Bayer 04. Zum Runterkommen. Doch es war schon Mitternacht, als er heimkam. So musste das bis zum nächsten Tag warten, ehe es wieder mit der Vorbereitung für die nächste Liga-Partie gegen Darmstadt weiterging. Heidenheim kann mit einem Sieg auf Rang vier klettern. Um das zu sehen, müssten die Stadionzuschauern eigentlich nicht extra auf die Tabelle schauen, sie könnten es auch an Schmidt ablesen – so oft wie er derzeit an der Seitenlinie grinst und lacht.