Seite 3: „,Weiße Pferde’ von Georg Danzer ist ein sehr cooler Song“

Schwer vor­stellbar, dass Sie so richtig down sind. Sie wirken immer so kon­trol­liert.

Wie es in mir aus­sieht, wissen die Wenigsten. Ich habe eine sehr emo­tio­nale Seite. Sie glauben gar nicht, wie es manchmal in mir bro­delt. Trotzdem ver­suche ich immer Ruhe und Sou­ve­rä­nität aus­zu­strahlen. Ich freue mich, dass das wohl mehr wahr­ge­nommen wird.

In Inter­views erwähnen Sie öfter, dass Musik Ihnen beim Ent­spannen hilft, ins­be­son­dere die Lieder von Georg Danzer.

Weiße Pferde“ ist ein sehr cooler Song.

Wie müssen wir uns das vor­stellen? Sitzen Sie nach dem Trai­ning mit dem Kopf­hörer vor der Anlage?

Nein, dann wird die WLAN-Box ange­schmissen und der Austro-Pop-Mix läuft durch. Wenn ich nach zwei Ein­heiten und viel Pla­nung am Ende des Tages in meine Woh­nung komme, muss ich run­ter­fahren. Und das funk­tio­niert mit Musik ganz gut.

Eher Danzer, Ambros, Fend­rich oder auch die neue öster­rei­chi­sche Welle mit Bands wie Bil­der­buch oder Wanda?

Wanda finde ich klasse, meine Frau aber noch mehr als ich. Ich stehe tat­säch­lich eher auf die Inter­preten aus den Acht­zi­gern.

Inter­es­sante Vor­stel­lung, dass der Dis­zi­plin­fa­na­tiker Adi Hütter zum Run­ter­kommen daheim Georg-Danzer-Hits wie Ganz Wien träumt von Kokain“ oder Zehn kleine Fixxer“ hört.

(Grinst.) Alle Lieder von ihm gefallen mir jetzt auch nicht. Auf meiner Play­list, wenn ich ins Sta­dion gehe, sind auch Italo-Pop-Hits von Zuc­chero, Andrea Boc­celli und Eros Rama­zotti.

Wie gefällt Ihnen die Musik Ihrer Spieler?

Wenn die in der Kabine läuft, höre ich schon ganz gern zu. Zuhause würde ich dabei aber nicht zur Ruhe finden können. Übri­gens höre ich in meiner freien Zeit nicht nur Musik, manchmal schaue ich auch Fuß­ball, gehe essen oder koche gemeinsam mit meinem Co-Trainer.

Pein­tinger so gut wie ich? Nein, das geht gar nicht“

Chris­tian Pein­tinger wohnt im glei­chen Häu­ser­block wie Sie.

Ich wohne im zweiten Stock, er im vierten. Wir können uns vom Balkon aus sehen.

Angeb­lich kann Pein­tinger nur ein Gericht: Lach­rü­cken­filet mit Ros­marin.

Das stimmt, hat er aber schon lange nicht mehr gemacht. Da bin ich etwas viel­fäl­tiger.

Das heißt?

Schon zu meiner Trai­ner­zeit in Altach, war ich ohne Familie am Ort und musste irgendwie zurecht­kommen. Also habe ich ange­fangen, die Gerichte, die ich zuhause erlernt hatte, zu ver­fei­nern.

Zum Bei­spiel?

Ver­schie­dene Pasta­va­ria­tionen, asia­ti­sche Reis­pfannen oder auch mal ein Gulasch.

Für ein gutes Gulasch braucht man Geduld.

Aber wenn man es gelingen soll und man ein bissel ein Gefühl ent­wi­ckelt, kriegt man es hin.

Zu Chris­tian Pein­tinger haben Sie eine enge Ver­bin­dung, die über ein nor­males Arbeits­ver­hältnis hin­aus­geht.

Wir sind seit zwanzig Jahren gute Freunde. Dazu muss man wissen: Der Chris­tian war ein sehr, sehr guter Spieler…

Besser als Sie?

Nein! So gut nicht, das geht ja gar nicht. (Lacht.) Aber er war ein sehr guter Tech­niker, der noch unter Ernst Happel gespielt hat. Wir lernten uns kennen, als ich beim Grazer AK spielte und von der ersten Begeg­nung an ging es gleich ins Fleisch. Wir haben uns von Beginn an gut ver­standen und fortan unsere Wer­de­gänge ver­folgt. Als Trainer arbei­tete er später neben­be­ruf­lich im Grazer Nach­wuchs und immer wieder erwähnte er, wie gern er mal mit mir arbeiten würde. Zu meiner Zeit in Grödig aber hätte er nie das ver­dient, was er in seinem festen Job bei der Wirt­schafts­kammer bekam. Erst als ich 2015 nach Bern wech­selte, gab er mit 48 Jahren seine Beam­ten­stelle auf, um mit­zu­kommen. Das hat mir sehr impo­niert, zumal es ja auch hätte pas­sieren können, dass ich nach drei Monaten wieder auf der Straße stehe.

Ich mag keine satten Spieler“

Adi Hütter, 2015 ver­ab­schie­deten Sie sich nach nur einem Jahr als Chef­coach bei RB Salz­burg mit dem Gewinn des Dou­bles und gaben als Begrün­dung an: Ich sehe mich nicht als Aus­bil­dungs­trainer“.

Stimmt. Ich wollte damit zum Aus­druck bringen, dass es sehr schwer für einen Trainer ist, etwas zu ent­wi­ckeln, wenn in jedem Sommer die besten Spieler weg­gehen und ihm nur drei Wochen bleiben, um ein neues Team auf­zu­bauen. Ich wollte damit sagen, dass ich meine Zukunft nicht als reiner Aus­bil­dungs­trainer sehe, son­dern als ein Trainer, dessen Ziel es ist, sowohl Spieler als auch Mann­schaften weiter zu ent­wi­ckeln. Ich hätte mir in dem Sommer gewünscht, mit einer erfolg­rei­chen Mann­schaft nach dem Gewinn des Dou­bles auch in der Cham­pions League zu spielen.

Das Geschäfts­mo­dell von Ein­tracht Frank­furt sieht aller­dings eben­falls vor, Spieler so zu ent­wi­ckeln, dass der Klub sie gewinn­brin­gend ver­äu­ßern kann.

Den­noch muss man vor­sichtig sein, bei der Ein­tracht von einem Aus­bil­dungs­verein zu spre­chen. Wenn, dann viel­leicht von einem Aus­bil­dungs­verein auf sehr hohem Niveau. Es ist doch für alle Betei­ligten eine Rie­sen­ge­schichte, wenn es gelingt, einen Spieler wie Luka Jovic – unab­hängig davon, wie es dort für ihn wei­ter­geht – aus Frank­furt direkt zu Real Madrid zu trans­fe­rieren. Ich habe jeden­falls immer gern mit jungen, aber auch älteren Profis gear­beitet. Die ent­schei­dende Vor­aus­set­zung aber ist, dass die Jungs hungrig sind. Für mich ist es die pure Freude zu erleben, wie hungrig Makoto Hasebe mit 36 Jahren noch ist. Was ich nicht mag, sind satte Spieler.