Wie es Daniel Keita-Ruel aus dem Knast zurück in den Profifußball schaffte

Eine Story, die ihn letztlich nur in die Bundesliga führen kann

Fürth verpflichtete Keita aber nicht nur als Goalgetter oder Laufwunder. »Unsere Hoffnung war es, dass er die Bereitschaft, an sich zu arbeiten, in die Mannschaft hineinträgt«, sagt Manager Rachid Azzouzi. Viele Spieler sind noch jung und teilweise unbedarft, für sie ist gerade der Ex-Knacki das Vorbild.

Im Training muss ihn Trainer Damir Buric oft bremsen; und wenn es um professionelles Verhalten bei Ernährung, Pflege oder ausreichend Schlaf geht, setzt Keita in Fürth sowieso die Standards. Wenn ein junger Spieler sich nach dem Training eilig verdrückt, ruft er ihm nach: »Warum geht Cristiano Ronaldo trainieren und du nicht?«

Keita will ein Star sein

Doch ein biederer Musterschüler ist Keita nicht. Viele, die im Knast waren, machen sich danach klein, um nicht aufzufallen. Keita nicht. Er will ein Star sein. Man merkt das beim Fotografieren. Nach jedem Bild bietet er der Kamera einen anderen Gesichtsausdruck an, wie ein professionelles Model. Für das Streetwearlabel des Rappers Farid Bang, mit dem er befreundet ist, hat er schon mehrfach Modeshootings gemacht. Doch diese Extrovertiertheit ist nicht mehr ungebremst. 

Den ehemaligen Strafgefangenen in Nürnberg begegnet er ausgesprochen freundlich, geduldig und aufmerksam. Aber Keita wahrt auch eine kaum merkliche Distanz, selbst als er mit ihnen das Gemüse und die Zwiebeln fürs Mittagessen kleinschneidet. »Ich musste lernen, wen ich an mich ranlasse und wen nicht«, sagt er auf dem Weg nach draußen.


Bild: Marian Lenhard

»Die Persönlichkeitsentwicklung kam aus mir selber.«

Das Gefängnis als Schule der Menschenkenntnis hat ihn vor allem gelehrt, erst mal auf Distanz zu bleiben. Oder auch für immer: Die Mitglieder der Bande von damals hat er nie mehr gesehen und alle Kontaktaufnahmen abgewehrt.

»Der Typ motiviert wirklich«, sagt einer der Strafentlassenen, der bei Keitas Besuch sogar ein Fürth-Trikot trägt. Aber was kann man aus der Geschichte dieses Comebacks lernen, die fast wie ein Märchen klingt? Vielleicht auch das: Keita hatte das Glück, dass seine Familie weiter zu ihm hielt. Menschen wie sein alter Coach unterstützten ihn. Oder Colin Quaner, der heute bei Huddersfield Town in der Premier League spielt und als einziger Fußballspieler die ganze Zeit den Kontakt hielt. Doch letztlich ist Keita davon überzeugt, dass er es war, der sein Leben in einen Hollywoodfilm verwandelt hat: »Die Persönlichkeitsentwicklung kam aus mir selber.«

Um träumen zu können muss man wach sein

Keita liebt Musik, vor allem Hiphop. Der Song, der ihm am meisten über sein Leben sagt, ist »Hype« von Jigzaw.  »Ich hab’ meinen Traum festgehalten und gehofft, ich werde fliegen«, heißt es da. Keita fliegt jetzt, und nichts soll den Flug unterbrechen. »Die Story wird jedes Jahr interessanter«, schreibt er noch per WhatsApp.

Seine Story, letztlich kann sie nur in die Bundesliga führen. Es gibt nur eine Angst: die vor der Verletzung. Keita ist 29 Jahre alt, die Zeit läuft unerbittlich, und die verlorenen Jahre kommen nicht zurück. Aber jetzt weiß er zumindest, dass man wach sein muss, um träumen zu können.