Wie es Daniel Keita-Ruel aus dem Knast zurück in den Profifußball schaffte

Vom jungen Stürmertalent zum Häftling

Mit 17 Jahren war Keita ein gefeiertes Stürmertalent in der Jugendmannschaft des Wuppertaler SV und hatte Angebote von Klubs aus ganz Deutschland. »Von meinen Freunden war ich der mit dem meisten Geld, und ich war der Beliebteste«, erzählt er dem Dutzend Zuhörern, die in Nürnberg am Tisch sitzen.

Er wechselte zu Borussia Mönchengladbach, wurde schließlich aber nicht zu den Profis übernommen. Gladbachs Manager Max Eberl verabschiedete ihn mit dem klassischen Urteil: »Bis zum Hals Weltklasse, darüber nur Kreisklasse.« Unversehens fand Keita sich beim Bonner SC in der vierten Liga wieder und anschließend in Wuppertal – in der zweiten Mannschaft. Trainer Uwe Fuchs zog ihn zu den Profis hoch, die damals drittklassig spielten, aber zu mehr als ein paar Einwechslungen reichte es nicht. »Ich war noch nicht reif«, sagt Keita.

Talent ohne Struktur

Was das bedeutete, daran erinnert sich Uwe Fuchs noch genau: »Sein Spiel war das Abbild seiner Persönlichkeit, bei allem Talent fehlte jegliche Struktur.« Keita kam zu spät zum Training, machte die Übungen nicht richtig und hielt sich im Spiel nicht an seine Aufgaben. Man könnte daraus schließen, dass der junge Nachwuchsprofi trotzig und unerreichbar auf dem Egotrip war, doch das Problem war ein anderes.

»Er war ein lieber Junge, der viel geträumt hat«, sagt Fuchs. Er erinnert sich auch an »eine unheimlich nette Mutter«. Sie betreibt seit vielen Jahren einen privaten Kindergarten, Keitas inzwischen verstorbener Vater arbeitete in einer Staubsaugerfabrik und machte in der Freizeit Musik. Er kam aus dem Senegal, die Mutter kommt aus Korsika.

Keita erzählt in Nürnberg voller Zuneigung von seiner Familie, trotzdem fühlte er sich von den falschen Leuten angezogen. »Ich komme aus einer guten, aber meine Freunde kamen aus einer schlechten Gegend«, sagt er. Warum das so war? So richtig weiß er es selbst nicht mehr.


Bild: Marian Lenhard

Seine Freunde waren echte Gangster

Als Keita sein Leben an die Wand setzte, war er 21 Jahre alt. Die Freunde aus der schlechten Gegend waren nicht nur deutlich älter als er, sondern auch echte Gangster. Bei zwei Insiderjobs, inszenierten Raubüberfällen und einem bewaffneten Raub stand er Schmiere. Die Bande wurde gefasst, bei der Festnahme drohte ein Polizist, Keita ins Bein zu schießen, er erkannte den Fußballer. Der Kicker landete in Untersuchungshaft und wurde nach 18 Monaten zu fünfeinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Halb auf dem Weg nach draußen machte er sich mit der Falschaussage alles kaputt.