Seite 2: Die einen sparen Kräfte, die anderen parken den Bus

Der Termin der Afri­ka­meis­ter­schaft im euro­päi­schen Hoch­winter war schon immer nicht optimal, unter Pan­de­mie­be­din­gungen erweist er sich als desas­trös. Erschwe­rend hinzu kommt, dass das Tur­nier dieses Mal vor nur wenigen Zuschauern statt­findet, was daran liegt, dass nur geimpfte Fans zuge­lassen sind, die Impf­quote in Afrika indes ziem­lich über­schaubar ist. Dadurch wirkt der Wett­be­werb, der immer auch eine Sym­phonie der Farben und Klänge auf den Rängen war, ziem­lich asep­tisch.

Es scheint, als würde sich die Ein­schät­zung von Liver­pool-Coach Jürgen Klopp vom Afrika-Cup als kleines Tur­nier“ (die ihm eine Menge berech­tigte Kritik ein­ge­bracht hat) als sich selbst erfül­lende Pro­phe­zeiung erweisen. Wobei nicht alle Pro­bleme auf die Aus­wir­kungen von Corona und die Arro­ganz der Klubs aus Europa, die ihre Spieler meist nur wider­willig abstellen, zurück­zu­führen sind.

Manche Malaise ist haus­ge­macht, so hat auch diesem Wett­be­werb die Auf­blä­hung des Teil­neh­mer­feldes auf 24 Mann­schaften alles andere als gut­getan. Weil es am Ende 16 davon in die K.o.-Runde schaffen, werden Favo­riten dazu ver­leitet, Kräfte zu sparen, und Außen­seiter ani­miert, den Bus vor dem Tor zu parken, um irgendwie ein 0:0 zu ergau­nern. Ange­sichts dieser Gemenge­lage ist Tor­armut keine Über­ra­schung.

Nicht die Crème de la Crème der Trainer

Zumal der bisher gezeigte Fuß­ball – da sind wir wieder bei der VHS-Kas­sette aus den Acht­zi­gern – seltsam alt­ba­cken wirkt. Was damit zusam­men­hängen könnte, dass auf den Trai­ner­bänken nicht die Crème de la Crème des Berufs­standes sitzt. Statt­dessen Euro­päer, denen die ganz große Kar­riere ver­sagt blieb, und Ein­hei­mi­sche, die von Euro­päern gelernt haben, denen die ganz große Kar­riere ver­sagt blieb. Das in Ver­bin­dung mit der feh­lenden Vor­be­rei­tung führt zu einer tak­ti­schen Ein­falts­pin­selei, die einer Kon­ti­nen­tal­meis­ter­schaft nicht würdig ist.

Aber viel­leicht muss sich der Afrika-Cup auch nur frei­spielen. Muss irgendwie diese Vor­runde über­stehen, die sich schon jetzt wie Kau­gummi zieht und allen­falls von obskuren Rand­ge­schichten wie falsch ein­ge­spielten Natio­nal­hymnen und zu früh abpfei­fenden Schieds­rich­tern lebt – um dann, wenn sich alle akkli­ma­ti­siert haben, im zweiten Teil richtig auf­zu­drehen. Das wäre schön. Für den afri­ka­ni­schen Sport und seine Fuß­ball­fans ist dieser Cup näm­lich alles andere als ein kleines Tur­nier. Für sie bedeutet er die Welt.