An diesem Montag wird in der Fuß­ball-Woche“ ein Leser­brief von Werner Natalis erscheinen. Der Prä­si­dent von Sparta Lich­ten­berg erklärt darin, dass er dem Blatt 100 Euro spenden will. Außerdem ruft er alle anderen Ber­liner Fuß­ball­klubs dazu auf, es ihm gleich zu tun. Nicht jeder wird da mit­ma­chen, aber das inter­es­siert mich nicht“, schreibt Natalis. In den Ver­einen werde so oft Geld zum Fenster raus­ge­worfen, da sei die Unter­stüt­zung der Fuß­ball-Woche“ ein­fach gelebte Soli­da­rität. So etwas zeigt uns, dass wir doch sehr gut im Ber­liner Ama­teur­fuß­ball ver­an­kert sind“, sagt Heiko Hüls­mann, der geschäfts­füh­rende Gesell­schafter der Fuß­ball-Woche“.

Die Fuß­ball-Woche“, kurz FuWo, ist eine Ber­liner Insti­tu­tion. Jeden Montag berichtet sie über den kom­pletten Fuß­ball in der Stadt. Und kom­plett heißt in diesem Fall auch: kom­plett. Von der Jugend bis zu den Alten Herren, von der Bun­des­liga bis hinab in die Kreis­liga C. Seit 1923 erscheint das Blatt. Das hat die FuWo auch an den ver­gan­genen beiden Mon­tagen getan, obwohl an den beiden Wochen­enden zuvor in Berlin – wie überall sonst in Deutsch­land – gar kein Fuß­ball gespielt wurde.

Der Zeit­schrift wurde die Arbeits­grund­lage ent­zogen

Prak­tisch über Nacht ist der Fuß­ball-Woche die Arbeits­grund­lage ent­zogen worden“, hat Horst Bläsig, Chef­re­dak­teur und Mit­ge­sell­schafter, in der Aus­gabe vor zwei Wochen in seinem Edi­to­rial geschrieben. Das, was jetzt pas­siert, hat keine Par­al­lelen und bedroht die Exis­tenz der FuWo.“ Das Edi­to­rial war über­schrieben mit Wir brau­chen Sie!“

Vor zwölf Jahren haben Bläsig, Hüls­mann und einige andere die FuWo vom Nürn­berger Olym­pia­verlag über­nommen. Die ver­kaufte Auf­lage liegt bei knapp 20.000 Exem­plaren, was nicht zuletzt an einem festen Stamm an Abon­nenten liegt. Und auch wenn es für die neuen Eigen­tümer nie ein­fach war: Rote Zahlen habe die GmbH bisher nicht geschrieben, sagt Bläsig. Aber eben auch keine Rück­lagen bilden können für schlech­tere Zeiten. Es ist eine sehr schwie­rige Situa­tion“, sagt Geschäfts­führer Hüls­mann über die Folgen der Coro­na­krise.

Vor zwei Wochen, als die Bun­des­liga noch davon aus­ging, wenigs­tens in leeren Sta­dien spielen zu können, sah es so aus, als gehe es für den Ama­teur­fuß­ball – und damit auch für die FuWo – ein­fach weiter wie bisher. Wel­ches unter­klas­sige Spiel in Berlin zieht schon mehr als 1000 Zuschauer an? Aber dann hat sich stünd­lich eine neue Lage ergeben“, erzählt Bläsig. Dreimal musste der Sei­ten­plan umge­schrieben werden, am Ende wurde der Umfang von den übli­chen 48 Seiten auf 32 gekürzt. Das hat uns ziem­lich unvor­be­reitet getroffen“, sagt Bläsig. Wir hatten keine Geschichten auf Halde, auf die wir hätten zurück­greifen können.“

Der Umfang wurde auf 24 Seiten hal­biert

Für das Blatt ist die Coro­na­krise so etwas wie eine end­lose Win­ter­pause. Wenn kein Fuß­ball gespielt wird und damit in der FuWo auch keine Spiel­be­richte erscheinen, macht sich das sofort im Ein­zel­ver­kauf bemerkbar. Am Kiosk gehe der Absatz dann um rund ein Drittel zurück, schätzt Bläsig. Und in der Win­ter­pause gibt es immerhin noch Test­spiele, Trans­fer­ge­rüchte, Trai­nings­lager. Jetzt aber gibt es gar nichts.

Die Mit­ar­beiter – meist Freie – arbeiten inzwi­schen vor­nehm­lich zu Hause. Nur an zwei Tagen ist die Redak­tion in Tier­garten noch besetzt, mit drei, höchs­tens vier Leuten, so dass die nötige räum­liche Distanz gewahrt werden kann, wie Bläsig erzählt.

In nor­malen Zeiten ist der Sonntag der Haupt­kampftag der Redak­tion. Abends um halb zwölf werden die Druck­ma­schinen ange­schmissen; vier Stunden zuvor sind von den 48 Seiten oft noch 40 offen. Das ist jetzt anders. Bis zu 80 Pro­zent der neuen Aus­gabe können schon unter der Woche pro­du­ziert werden.

Die Pan­demie zehrt, und das im Wort­sinn. Die FuWo hat ihren Umfang auf 24 Seiten hal­biert. Die kriegen wir voll“, sagt Bläsig. Es ist auch nicht ganz so schwierig, wie es anfangs schien.“ Neben einem ABC der Ber­liner Ver­eine gibt es jetzt immer ein Por­trät einer Ber­liner Fuß­ball­le­gende, und ab April wird in jeder Aus­gabe der Nach­druck von vier Seiten aus dem FuWo-Archiv erscheinen.

Für ein paar Wochen, also die übliche Dauer einer Win­ter­pause, wird die Fuß­ball-Woche“ auf diese Weise über­leben können. Aber was, wenn es Monate dauert, wenn tat­säch­lich bis Ende des Jahres kein Fuß­ball gespielt werden kann? Dann bekommen wir ein exis­ten­zi­elles Pro­blem“, fürchtet Chef­re­dak­teur Bläsig.

Viele Leser spenden

Geschäfts­führer Hüls­mann hofft, dass der Verlag als Kleinst­un­ter­nehmen Anspruch auf die Sofort­hilfe des Bundes hat und sogar für die Maxi­mal­för­de­rung (9000 Euro für drei Monate) in Frage kommt. Zudem hat er für die beiden fest­an­ge­stellten Redak­teure Kurz­ar­beit ange­zeigt. Und in der kom­menden Aus­gabe wird es einen Spen­den­aufruf in eigener Sache geben.

Gerade in der Krise erweist sich die Treue der Leser­schaft als großer Segen. Auf sein Edi­to­rial habe er sehr viel Zuspruch und Auf­mun­te­rung erhalten, berichtet Horst Bläsig. Ein Leser hat ihm geschrieben, dass er künftig ein­fach noch eine zweite FuWo kaufen werde. Und Geschäfts­führer Hüls­mann hat beim Blick aufs Geschäfts­konto fest­ge­stellt, dass auch ohne Auf­for­de­rung schon einige Spenden ein­ge­gangen sind. Das ist super lieb und hilft natür­lich“, sagt er. Wir wollen auf jeden Fall weiter erscheinen.“ Denn eins weiß Heiko Hüls­mann schon jetzt: Wenn wir den Platz in den Regalen einmal her­ge­geben haben, werden wir ihn nie mehr zurück­be­kommen.“