Wie ein Wandbild für Streit bei Hannover 96 sorgt

Ein Sinnbild für den Konflikt zwischen Fans und Verein

Während sich der Klub bei den Stadionkonzerten von Phil Collins und Rammstein noch damit behalf, ein Fanshop-Mobil vor der Wand zu parken, ergriff er kurz vor der Aufnahme des Mannschaftsfotos härtere Maßnahmen und überstrich – oder »neutralisierte«, wie Hannover 96 es formuliert – den Schriftzug mit grauer Farbe. All das, ohne die Fans darüber zu informieren. Es kam wie es kommen musste: Nur kurze Zeit später besprühten Unbekannte die Fläche erneut. Dieses Mal nicht nur mit dem Spruch »Für immer Niedersachenstadion« sondern auch mit dem Zusatz »Kind muss weg!« Auch dies hat der Klub mittlerweile übermalen lassen. 

In gewisser Weise steht das, was sich in den vergangenen Wochen auf den Wänden des Trafohäuschens abgespielt hat, sinnbildlich für den Konflikt, der nun schon seit Jahren zwischen der Geschäftsführung des Klubs um Martin Kind und Teilen der Fanszene schwelt. Beide Seiten werfen sich gegenseitig mangelnde Kommunikation vor. Doch anstatt miteinander zu reden, tragen sie den Streit auf 15 Quadratmetern Wandfläche und in öffentlichen Mitteilungen aus. 

»Wie eine Sau durchs Dorf getrieben«

Insbesondere durch letztere fühlen sich die Fans »wie eine Sau durchs Dorf getrieben«. Sie sehen sich unberechtigten Vorwürfen ausgesetzt. »Jetzt hat natürlich niemand mehr Lust, sich in seiner Freizeit mit ähnlichen Aktionen weiter für Hannover 96 zu engagieren«, skizziert Riedel die Auswirkungen des Streits für die Fanszene.

Zumal die Posse um das Trafohäuschen nicht der einzige Konfliktherd in der Sommerpause ist. Nach dem Abstieg kamen Vertreter der Fanszene auf den Verein zu und regten eine Reduzierung der Kartenpreise an, um auch in der zweiten Liga für einen respektablen Zuschauerschnitt zu sorgen. Dieser Bitte kam der Verein nach – jedoch nicht in der Nordkurve, dem Ort, an dem die treuesten Fans ihren Klub anfeuern. Hier erhöhte Hannover die Dauerkartenpreise sogar. Erst nach zähen Verhandlungen, teilweise über Rechtsanwälte, lenkte die Vereinsführung ein.

Der Konflikt ist ein Abnutzungskampf

»Ich bin überrascht, dass sie noch immer neue Fettnäpfchen finden, in die sie dann beidfüßig hineinspringen«, sagt Riedel. Das führt dazu, dass die Fans einmal mehr mit ihrem Verein fremdeln. Manche sind ermüdet von den immer neuen Baustellen, die sich in ihrer Beziehung zum Verein auftun: »Wir haben in den letzten Jahren einen Abnutzungskampf geführt, um unser Mitspracherecht im Verein und die 50+1-Regel bei Hannover 96 zu erhalten. Da will man nicht mit einem Kriegsschauplatz in die neue Saison gehen, der gerade einmal 15 Quadratmeter groß ist.«

Doch eine Lösung des Konflikts ist erst einmal nicht in Sicht. Dazu wackeln die Säulen aus Respekt und Verständnis derzeit etwas zu sehr. Und auch die Wand eines kleinen Trafohäuschens macht das Gesamtgebilde derzeit nicht gerade tragfähiger.