Seite 3: Wenn aus Trostlosigkeit feiner Humor erwächst

Der ita­lie­ni­sche Dis­cohit vom endenden Sommer fand nicht auf direktem Wege von hier nach Liver­pool. Zunächst adap­tierten ihn por­tu­gie­si­sche Fans und stimmten ihn bei einem Spiel in Dort­mund in der U‑Bahnstation an. Das Video davon wie­derum bestaunten Liver­pooler Fans auf You­tube und tex­teten es um.

Die Inter­net­platt­formen sind der­zeit ein Kata­ly­sator für die Reise von Melo­dien und Gesängen durch die Fan­kurven der Welt. Noch spek­ta­ku­lärer ver­brei­teten sich die Gesänge vor dem World Wide Web: Manchmal ent­sprang ein impor­tiertes Liedgut einer im Bahnhof ver­ges­senen CD, manchmal war es einem weit­ge­reistem Fuß­ballfan zu ver­danken oder schlicht einer Rock­band auf Tournee.

Nicht selten ent­stehen neue Lieder aber auch, wenn sich die Fans selbst auf Reisen begeben. Auf ver­reg­neten Auto­bahn­fahrten, an trost­losen Bahn­höfen, am Flug­hafen nach einer Nie­der­lage. Aus Ver­zweif­lung und Trost­lo­sig­keit ent­wächst manchmal feiner Humor – ebenso wie Fan­ge­sänge. Und von beidem gibt es im Fuß­ball genug. 

Ihr seid nichts Beson­deres, wir ver­lieren jede Woche“

Eines der schönsten Bei­spiele boten Anhänger des eng­li­schen Klubs Aston Villa, als dieser sich 2014 nach einer unglaub­li­chen Nie­der­la­gen­serie auf dem letzten Tabel­len­platz wie­der­fand. Ihr Team lag wieder einmal deut­lich zurück, da sangen die Villa-Fans zu den fei­xenden Geg­nern: You’re not­hing spe­cial, we lose every week“ („Ihr seid nichts Beson­deres, wir ver­lieren jede Woche“). Bei so viel Selbst­ironie konnten die geg­ne­ri­schen Fans von Man­ches­ters City nicht anders: Sie klatschten Bei­fall.

Schließ­lich konnten auch die Villa-Fans von großen Tri­um­phen singen, wenn auch nicht in der seit Jahren andau­ernden Zweit­li­ga­tris­tesse, wohl aber in zurück­lie­genden Dekaden.

Every week we follow,

The boys in claret and blue,

We con­quered all of Europe – in 1982

Es war der Gesang von Liver­pool – oder von Neapel – oder von Porto. Von wem auch immer. Das Lied gehört mitt­ler­weile ihnen allen.