Als in Europa die Qua­li­fi­ka­tion zur Welt­meis­ter­schaft 1990 aus­ge­spielt wurde, war die Fuß­ball­welt noch geordnet. 32 Teams wollten nach Ita­lien, die bun­des­deut­sche Elf musste sich in einer durchaus anspruchs­vollen Vie­rer­gruppe mit Hol­land, Finn­land und Wales messen. Ohne Thomas Häß­lers spätes Tor im letzten Spiel gegen die Waliser hätte der spä­tere Welt­meister Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land beim WM-Tur­nier gar nicht mit­ma­chen dürfen. Natür­lich gab es auch damals die soge­nannten Kleinen, sie hießen Alba­nien, Island, Zypern, Malta und Luxem­burg. Das war’s. Und im Fern­sehen lief Diese Drom­buschs“.

Seitdem ist viel pas­siert. Jugo­sla­wien und die Sowjet­union, beides respek­table Schwer­ge­wichte im euro­päi­schen Fuß­ball, sind explo­diert und haben dabei eine Unzahl von Nationen aus­ge­spuckt, die mit mal mehr, meist weniger Erfolg ver­su­chen, im Län­der­fuß­ball zu reüs­sieren. Klein­staaten und Auto­no­mie­ge­biete wie Liech­ten­stein, San Marino oder die Färöer haben den Reiz eigener Natio­nal­mann­schaften für sich ent­deckt.

…ohne den Hauch einer Chance

Wenn die Euro­päer der­zeit ihre Teil­nehmer für die WM 2014 ermit­teln, kon­kur­rieren 53 Ver­bände um die 13 Plätze, die dem Kon­ti­nent zustehen. Bestimmt die Hälfte davon ist ohne den Hauch einer Chance. Man hat sich frei­lich daran gewöhnt, dass die deut­sche Mann­schaft von Zeit und Zeit auf Mol­da­wien oder Aser­bai­dschan trifft – und freut sich, wenn Berti Vogts dort Trainer ist, damit es über­haupt etwas gibt, wor­über man reden kann, der­weil der sport­liche Reiz durch Abwe­sen­heit glänzt.

Selten aber ist das Elend der Qua­li­fi­ka­ti­ons­runden so deut­lich geworden wie jetzt, wo die deut­sche Elf in den ent­schei­denden Wochen der Saison zweimal inner­halb von vier Tagen gegen Kasach­stan antreten muss, den aktuell 139. der Welt­rang­liste. Da ächzt auch der Bun­des­trainer und for­dert ange­sichts der Ter­min­fülle die Ein­füh­rung einer soge­nannten Vor­qua­li­fi­ka­tion, in der sich die ganzen Kasach­stans und Arme­niens und Andorras gegen­seitig eli­mi­nieren. Mehr Respekt für die Kleinen, rufen da reflex­artig manche, die gleich wieder deut­sche Groß­manns­sucht („Auf Jahre hinaus unschlagbar“) um die Ecke biegen sehen.

Groß gegen Klein sollte die Aus­nahme sein

Doch bei Licht betrachtet muss man sagen: Natür­lich hat Löw recht. Die der­zei­tige Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde ist so span­nend wie ein Nach­mit­tags­bingo im Senio­ren­stift. Natür­lich hat das Duell Klein gegen Groß“ seinen Reiz, aber nur dann, wenn es die Aus­nahme und nicht die Regel ist. Ger­mania Windeck oder Wacker Burg­hausen müssen sich ja auch erst durch ihre Län­der­po­kale kämpfen, um dann im DFB-Pokal mit viel Los­glück ganz viel­leicht mal auf den FC Bayern zu treffen.

Zumal die Kleinen im Natio­nen­be­reich immer mehr werden. Schon lauern Gibraltar und der Kosovo auf ihre Chance, oder wie wäre es mit einer Teil­nahme Monacos, mit Prinz Albert als alterndem Mit­tel­stürmer? Der war doch früher recht sport­lich.

Län­der­spiele sollten eigent­lich Höhe­punkte im Fuß­ball­ka­lender sein, doch scheint die Stra­tegie von Fifa und Uefa ein­deutig in Rich­tung Masse statt Klasse zu gehen. Hat schon die Erwei­tung auf 32 Teil­nehmer der Welt­meis­ter­schaft nicht gut getan, so wird das auf 24 Mann­schaften auf­ge­blähte Feld der Euro den Rest geben.

Sie­be­ner­gruppen? Gru­selig!

Man will sich gar nicht aus­malen, was das für die Qua­li­fi­ka­tion bedeutet: Sie­be­ner­gruppen, in denen die ersten Drei und die besten Grup­pen­vierten wei­ter­kommen? Gru­selig.

Seit Tagen liegt in der 11FREUNDE-Redak­tion ein Ticket für das deut­sche Spiel gegen Kasach­stan am nächsten Dienstag in Nürn­berg. Bis jetzt hat sich keiner dafür inter­es­siert.