Wie die zweite Mannschaft von RWO zum Ultra-Team wurde

Warum »Doppelschicht« sehenswert ist

Das Modell in Oberhausen ist ein Erfolg – aber ist es auch übertragbar auf andere Traditionsvereine? Sind Fanmannschaften das Schmiermittel für die im modernen Fußball wundgescheuerte Fanseele? Poppe widerspricht: »Wenn alle Bundesligavereine ein solches Team installieren und den Kreisligisten um sie herum die Spieler abspenstig machen, wird der Aufschrei sehr groß sein. Als Modellentwurf sehe ich Team 12 nicht unbedingt«, erklärt er, »das Ganze soll nicht der Gewinnmaximierung, sondern dem Fußball dienen.«

Am Ende bleibt der kurzweilige Streifen als eine halbstündige Reise durch den Ruhrgebiets-Fußball in Erinnerung. Und das macht ganz besonders deshalb Spaß, weil Poppe seine Protagonisten ausreden und auch mal tiefergehende Gespräche entstehen lässt, die vor allem echt wirken. Anders als in so mancher Hochglanzproduktion, die exklusive Einblicke in die Fußballerkabinen und –seelenleben liefern soll. Natürlich ist es spektakulär, bei Pep Guardiolas Ansprachen Mäuschen zu spielen oder das Achterbahnleben des deutschen Helden Mario aufbereitet zu bekommen. Es ist aber auch hundertmal der rote Rezensionsstift angesetzt worden. Stichwort: Imagepflege.

Zu Beginn des Films begleitet die Kamera die Ultras auf dem Weg ins Stadion. »Wir gehen jetzt alle in die Kurve,« gibt Fabian Sobel, Linksverteidiger von »Team 12« zu Protokoll und knurrt: »Aber diesmal leider ohne Bier, weil wir gleich noch’n Spiel haben.« Auch bei Borussia Dortmund ist eine XXL-Doku-Serie in der letzten Saison abgedreht worden, die bald erscheinen soll. So ein Satz wird dort nicht vorkommen, jede Wette.

Zu sehen ist der Film »Doppelschicht – Ultras zwischen Kurve und Kreisliga« bei Amazon Prime.