Wie die zweite Mannschaft von RWO zum Ultra-Team wurde

Auf große Verantwortung folgt große Kraft

Dabei war im November 2017, also etwas mehr als ein Jahr zuvor, von Harmonie überhaupt nichts zu spüren – 15 Ultras von RW Oberhausen wurde in Folge einer nicht angetretenen Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) der Führerschein entzogen. Begründung für den im Volksmund so genannten »Idiotentest«: besonders hohes Aggressionspotential, das auch in Zukunft von den Mitgliedern der Ultragruppierung zu erwarten sei. Diese klagten gegen den städtischen Beschluss – und verloren vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht. Aus Kostengründen wurde auf einen Gang vor eine höhere Instanz verzichtet – der dicke Hals auf die städtische Verwaltung blieb.

Der Vorfall ist ein Spiegelbild für die Beziehung zwischen der Öffentlichkeit und den Ultra-Bewegungen in Deutschlands Stadien. Diese ist bisweilen von einer gegenseitigen Feindlichkeit, mindestens aber von Voreingenommenheit, geprägt. Die vorherrschende Meinung über Ultras: gewaltbereite, unkontrollierbare Gruppen, die dem normalen Fußballfan das Leben schwer machen. Pyro oder Schmähbanner? Nicht von echten Anhängern, sondern von »sogenannten Fans«, die sich Ultras nennen.

»Team 12« als Teil des Vereinslebens

Mit »Team 12« wollen die RWO-Ultras diesem Bild entgegenwirken und zeigen, dass sie sich für Verein und Gesellschaft engagieren können und wollen. Die vor einem Jahr abgemeldete zweite Mannschaft erwies sich dafür als passendes Vakuum, das die Ultras mit ihrer sportlich ambitionierten Idee vom »Team 12« zu füllen wussten. Wie gut das funktioniert, zeigt der Film. »Intern hat sich viel getan. Der Blick stellt sich nun ganz anders dar. Die Stadt Oberhausen sollte den Hut ziehen, anstatt die Ultras weiter mit Repressionen zu belegen«, erkennt Filmemacher Poppe an. Dass sie das Kleeblatt auf der Brust tragen und ihren Verein repräsentieren dürfen, habe den Effekt, dass sie sich selbst disziplinieren. »Durch die Verantwortung sind sie ein Stück reifer geworden.«

Die Vereinsführung bewies branchenunüblichen Mut, indem sie das Vorhaben unterstütze und gewann damit die viel beschworene Harmonie im Verein. Obendrein hat »Team 12« vielen Ultras anderer Vereine nun etwas voraus: Sie sind ein eminenter und Einfluss nehmender Teil des Vereinslebens. Und umgekehrt nach Peter Parker - auf große Verantwortung folgt große Kraft – zeigen sie in ihrer Premierensaison berauschenden Fußball und steigen mit einer fast surrealen Tordifferenz von plus 216 Toren als Tabellenerster auf.