Wie die zweite Mannschaft von RWO zum Ultra-Team wurde

Auf der Suche nach dem wahren Fußball

Der Sportjournalist Thorsten Poppe hat das Oberhausener »Team 12«, wie es sich selbst nennt, in der Kurve und auf dem Fußballplatz mit der Kamera begleitet und daraus die Doku „Doppelschicht“ gebastelt. »Ich finde, dass der Film ein Experiment wider die Sehgewohnheiten ist. Normalerweise braucht man für eine 30-minütige Doku zehn Drehtage, wir sind aber nur vier Stunden einfach mitgelaufen«, erklärt Poppe die Quintessenz seines Werks, »da war so viel drin, da ist so viel passiert, dass ich selbst überrascht war.«

Der moderne Fußball ist ein kommerzielles Geschäft. Mit aberwitzigen Millionenbeträgen wandern Summen über den globalen Markt, die in Oberhausen längst jeder Vorstellungskraft entwichen sind. Eine identifikationsstiftende Verbindung zwischen Fans und Spielern ist deshalb an vielen Standorten schon versandet. Thorsten Poppe will sie wieder ausgraben. Mit seiner Doku »Doppelschicht« ist er auf der Suche nach dem wahren Fußball.

Gemeinschaft, Demokratie, Zusammenhalt und Hingabe

Er selbst beschreibt diesen mittels vierer Attribute, die er in Oberhausen aufgefunden hat: Gemeinschaft, Demokratie, Zusammenhalt und Hingabe. »Wichtig ist, dass man über Grenzen und Schichten hinweg zusammenfindet. Dabei ist die Leistungsklasse ganz egal. Ein Lionel Messi ist vielleicht der perfekte, aber nicht der wahre Fußballer«, glaubt Poppe, aber er weiß auch: »Für jeden ist der wirklich wahre Fußball etwas anderes«.

So komplex die Frage, so individuell ihre Antworten. Doch hier im Westen des Ruhrgebiets, wo das einstige Fußballaushängeschild RWO seit sieben Jahren in der vierten Liga dem großen Geschäft hinterherhechelt, kommen sie der Lösung verdammt nahe und alle auf den selben Nenner: »Am Drehtag im Dezember war es eisekalt und trotzdem blieben so viele Leute nach dem Hauptspiel noch da, das war sehr beeindruckend. Das war einfach ein schöner Tag mit interessanten Begegnungen“, schwärmt Poppe von der »Team 12«-Atmosphäre, die sich, untermalt von typisch kernigen Ruhrpott-Attitüden im Film widerspiegelt.