Wie die neue Klub-WM der FIFA den Afrika-Cup zerstört

Exklusives Zeitfenster

Mit dem Bulldozer treibt FIFA-Boss Infantino die neue, milliardenschwere Klub-WM voran. Der ertragsschwache Afrika-Cup droht darunter verschüttet zu werden.

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Togos Nationaltrainer Claude Le Roy, 71, wählt drastische Worte: »Ich liebe den Fußball als Spiel immer mehr«, betont der Franzose gegenüber der BBC, »aber gleichzeitig hasse ich diese Fußballwelt immer mehr.« Le Roy ist stinksauer auf die FIFA. In seinen Augen plant der Weltverband derzeit nicht mehr und nicht weniger als das Ende des traditionsreichen Afrika-Cups, denn: Infantino & Co. wollen ihre neue, gepimpte Klub-WM, die 2021 in China erstmals mit einem Mega-Teilnehmerfeld von 24 Teams steigen soll, im Juni und im Juli ausrichten. Und nicht mehr, wie bislang, im Dezember.

Bittere Ironie: Der für Juni und Juli 2021 angesetzte Afrika-Cup in Kamerun müsste daraufhin terminlich ausweichen – auf Geheiß der mächtigen FIFA. Der Klub-Weltmeisterschaft, so heißt es aus der Weltverbands-Zentrale in Zürich, gebühre nämlich »ein exklusives Zeitfenster im internationalen Matchkalender«. Pech für die Afrikaner, die ihre im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragene Kontinentalmeisterschaft gerade erst vom Winter auf den Sommer verschoben hatten – auf Geheiß der FIFA. Denn der Weltverband hatte zunehmend Druck von den mächtigen Großklubs bekommen. 

»Schreckliche Aussichten für dieses wundervolle Turnier«

Die jüngste und 32. Ausgabe des traditionsreichen Afrika-Cups in Ägypten stieg also vom 21. Juni bis 19. Juli 2019 – nach zuvor zwölf aufeinanderfolgenden Winterausgaben des Turniers. Claude Le Roy, der schon neunmal eine Mannschaft beim Afrika-Cup betreute und 1988 mit Kamerun den Titel holte, sieht die Zukunft der Veranstaltung im Falle einer Rückverlegung akut in Gefahr. Denn Le Roy weiß: Im Winter droht eine massive Absage-Welle vonseiten der Topstars, deren Arbeitgeber keine Lust mehr haben, ihr teures Personal – wie früher – während der laufenden Rückrunde freizustellen. »Das sind schreckliche Aussichten für dieses wundervolle Turnier«, klagt Le Roy.

Und dann wird der kleine Mann mit dem markanten Seitenscheitel noch deutlicher: »Die FIFA-Entscheidung, dass der Juni ein guter Zeitpunkt ist, um die Klub-Weltmeisterschaft zu starten, bedeutet, dass sie den Afrika-Cup killen.« Unterstützung erhält Le Roy von Khaled Mortagy, einem Vorstandsmitglied des ägyptischen Spitzenklubs Al-Ahly Kairo: Juni und Juli seien »keine gute Zeit, um die Klub-WM zu spielen«, erklärt Mortagy der BBC. »Auch vom Marketing-Standpunkt aus muss man doch die großen Turniere mit allen Föderationen koordinieren, um die Profite zu maximieren.«