Seite 3: Sticheleien gegen Inter

Was Conte und Sarri eint und zugleich zum Pro­blem werden könnte – beide trai­nierten in der Ver­gan­gen­heit Erz­ri­valen ihrer zukünf­tigen Klubs. Was per se nichts Unge­wöhn­li­ches ist: Schon Gio­vanni Tra­pat­toni (Milan, Juventus, Inter), Fabio Capello (Milan, Roma, Juve) und Carlo Ance­lotti (Juve, Milan, zur­zeit Napoli) wech­selten einst die Seiten.

Doch in Zeiten sozialer Netz­werke, in denen Auf­zeich­nungen und Aus­sagen von früher schnell wieder ans Tages­licht gelangen, sind Neu­ori­en­tie­rungen alles andere als unbe­denk­lich. Antonio Conte etwa gilt als Ban­diera“ – als Flagge, wie sie in Ita­lien ihre treusten Seelen ehr­furchts­voll nennen. Mit Recht: Von 1991 bis zum Kar­rie­re­ende 2004 hielt er zur Alten Dame. Spä­tes­tens seit dem Cham­pions-League-Tri­umph 1996, als Conte trotz schwerer Ver­let­zung eine Halb­zeit durch­hielt, hatte der kluge Mit­tel­feld­mann aus Lecce Hel­den­status. Noch am selben Abend übergab ihm Gian­luca Vialli sym­bo­lisch die Kapi­täns­binde, die er bis 2002 trug.

Der Scu­detto 2006? Gehört Juve, nicht Inter

Als Juve-Trainer führte Conte die vom Wett­skandal gebeu­telten Turiner auf Anhieb zu drei Meis­ter­schaften in Folge (2012 bis 2014). In dieser Zeit sprach er Juventus stets zwei Titel mehr zu: Die Scu­detti 2005 und 2006 waren dem Verein im Zuge eines Wett­skan­dals aberkannt, der 2006er Titel Inter zuge­spro­chen worden.

Mit Span­nung erwarten Fans hüben wie drüben jetzt klare Kante von Conte: Macht er als Inter-Coach eine Rolle rück­wärts – oder bekennt er sich weiter zu Juve? 2013 hatte der Süd­ita­liener übri­gens ange­kün­digt, sich wie ein Profi“ zu ver­halten: Sollte ich jemals bei Inter oder Milan unter­schreiben, werde ich der erste Inter- oder Milan-Fan sein.“ Doch die Juve-Fans inter­es­siert diese Hal­tung gerade weniger denn je: Die erste Peti­tion eines Tifoso, um Conte den Stern auf dem 50 Turiner Legenden fas­senden Walk of Fame“ im Juventus Sta­dium abzu­er­kennen, ist bereits online.

Sarris Mit­tel­finger an die Juve-Fans

Auch Mau­rizio Sarris Bezie­hung zu Juve ist als frü­herer Trainer des SSC Neapel nicht unbe­fleckt. Zu sehr hat sich der Napoli-gegen-den-Rest-Ita­liens-Kon­flikt in den ver­gan­genen Jahren hoch­ge­schau­kelt. Mit den Süd­ita­lie­nern hatte Sarri 2018 den Titel­kampf lange span­nend gehalten – und brannte sich vor dem Spit­zen­spiel im April des­selben Jahres tief im Gedächtnis der weiß-schwarzen Fans ein. Bei der Ankunft des Napoli-Busses am Turiner Sta­dion kon­terte der 60-Jäh­rige die Beschimp­fungen des war­tenden Juve-Anhangs mit dem aus­ge­streckten Mit­tel­finger.