Wie Alexander Nouri die Schnelllebigkeit im Trainergeschäft verarbeitet

Die Vereine müssen mehr Verantwortung übernehmen

Trainer-Ausbilder Niedzkowski, der auch Co-Trainer der deutschen U 21 ist, weist bei solch schnellen Entlassungen auf die Verantwortung des Vereins hin: »Wenn ein Entscheidungsträger in einem Verein nach acht Wochen sagt, dieser Trainer ist nicht der Richtige, dann muss er sich eingestehen, dass er eine falsche Entscheidung getroffen hat.«

Die langfristige Leistung eines Trainers lasse sich nicht nach acht Wochen beurteilen, die kurzen Amtszeiten sieht er kritisch: »Ich habe den Eindruck, dass es oft mehr ein Troubleshooting mit viel Hoffnung ist als eine Lösung aus Überzeugung.«

Entlassung als Chance für Neues

Nouri ist einer der Leidtragenden des schnellen Geschäfts. Weil ein Umdenken bei den Vereinen aber nicht abzusehen ist, könnte er davon sogar wieder profitieren - wenn ein anderer Trainer entlassen wird und Nouri wieder gefragt ist. Er sagt zwar: »Natürlich war die schnelle Entlassung kein Bewerbungsschreiben für eine Reputation.« Doch er habe viele Erfahrungen sammeln können: »Das Leben schreibt ja die Geschichten, dass du aus so was manchmal mehr lernst, als wenn du Pokale gewinnst.«

Der Trainer will bereit sein, wenn sich eine neue Chance bietet. »Ich weiß, dass ich jederzeit einen Bundesliga- oder Zweitliga-Verein trainieren kann, weil ich es schon gezeigt habe.« Die freie Zeit nutzt er, um sich fortzubilden, er hospitierte zum Beispiel bei Athletic Bilbao. Vor Kurzem leitete er eine DFB-Akademie für Kinder in den USA.

Ein anderes Berufsfeld kann er sich zurzeit nicht vorstellen. »Diese Emotionalität wirst du in keinem Bürojob bekommen«, sagt Nouri, »ein Café aufmachen, das könnte ich nicht.« Vom Bremer Hauptbahnhof fährt er direkt zurück zu seiner Familie. Für die hat er gerade auch mehr Zeit.