Auf den vor­erst letzten bewe­genden Moment seiner Kar­riere musste Martin Stranzl ziem­lich lange warten. Nicht nur vier Monate in der Reha, son­dern auch noch eine gefühlte Ewig­keit bis zum Vollzug. Stranzl stand an der Sei­ten­linie, der vierte Offi­zi­elle hatte schon die Anzei­ge­tafel in der Hand, und im Publikum machte sich freu­dige Erwar­tung breit. Doch das Spiel lief immer weiter, kein Ein­wurf, kein Foul, kein Abstoß, Stranzl war­tete und war­tete und war­tete. Fast zwei Minuten stand der Öster­rei­cher bereit, und als end­lich der Ball über die Sei­ten­linie flog, gab es fre­ne­ti­schen Applaus von den Rängen.

Fünf Minuten durfte der 35-Jäh­rige Anfang Februar beim 5:1‑Sieg von Borussia Mön­chen­glad­bach gegen Werder Bremen noch mit­spielen. Min­des­tens genauso wichtig wie das Ergebnis war für die Fans aber die Rück­kehr des Kapi­täns auf den Fuß­ball­platz. Vier Monate war Stranzl wegen eines Joch­bein­bruchs aus­ge­fallen – nachdem er zuvor schon ein halbes Jahr gefehlt hatte. Und das Come­back gegen Bremen war dann auch schon wieder der vor­erst letzte Ein­satz für Stranzl, der momentan mit einem Mus­kel­fa­ser­riss pau­sieren muss.

Es fällt auch ein Stück weit Bal­last ab“

Auch wegen dieser nicht enden wol­lenden Lei­dens­ge­schichte hat Martin Stranzl nun eine grund­sätz­liche Ent­schei­dung getroffen: Im Sommer wird er seine Kar­riere als Pro­fi­fuß­baller beenden – 17 Jahre nach seinem Bun­des­li­ga­debüt für 1860 Mün­chen. Einen letzten bewe­genden Moment aber soll es für ihn noch geben. Ich möchte noch mal auf dem Platz stehen. Dafür werde ich alles tun“, sagte der frü­here öster­rei­chi­sche Natio­nal­spieler, der gerade mit leichten Lau­f­übungen begonnen hat und in zwei Wochen ins Mann­schafts­trai­ning zurück­kehren will.

Bei einer Pres­se­kon­fe­renz im Borussia-Park erklärte Stranzl am Dienstag seinen Abschied nach dem Ende der aktu­ellen Saison. Es ist schon sehr, sehr schwer“, sagte er unter Tränen. Immer wieder ver­sagte ihm die Stimme. Den rich­tigen Moment für eine solche Ent­schei­dung gebe es eigent­lich nicht, bekannte Stranzl. Aber er habe ja nur die Signale seines Kör­pers inter­pre­tieren müssen, und die ließen wohl keinen anderen Schluss mehr zu. Es fällt auch ein Stück weit Bal­last ab“, sagte er.