Der Text stammt usprüng­lich aus der 11Freunde #208. Das Heft gibt es überall im Handel und direkt bei uns im Shop.

Flo­rian Koh­feldt, als Sie 13 Jahre alt waren, wech­selte Otto Reh­hagel nach einer Ewig­keit als Werder-Trainer zum FC Bayern…
und Sie können sich vor­stellen, dass seine Ent­schei­dung viele Fra­ge­zei­chen bei mir als Werder-Fan hin­ter­lassen hat. Seit Ihrer Geburt hatten Sie keinen anderen Coach in Bremen erlebt.

Wie nahmen Sie wahr, dass nun eine jah­re­lange Kon­ti­nuität auf­brach?
Mir wurde erst unter den Fol­ge­trai­nern bewusst, dass die Erfolgs­ge­schichte zu brö­ckeln begann. Dass Werder für Kon­ti­nuität steht, wurde mir dann erst richtig in der Ära Thomas Schaaf klar.

Auch nach Schaafs Abgang 2013 tat sich der Klub schwer, den geeig­neten Trainer zu finden. Sie waren der vierte Chef­coach in gut vier Jahren. Haben Sie sich je gefragt, was Kon­ti­nuität in diesem Klub bedingt?
Erfolg ist stets ein Zusam­men­spiel ver­schie­dener Para­meter. Auch bei Werder ist nicht nur heile Welt. Und ein ele­men­tarer Faktor in Erfolgs­zeiten war stets, wenn Manager und Trainer ein kon­struk­tives, enges Ver­hältnis zuein­ander pflegten. Das war sowohl bei Reh­hagel und Lemke als auch bei Allofs und Schaaf der Fall.

Ihre Inthro­ni­sie­rung durch Frank Bau­mann ver­lief eher holprig. Anfangs waren Sie nur als Inte­rims­trainer vor­ge­sehen.
Das mediale Echo zeigte nur, wie fun­da­mental sich Innen- und Außen­sicht unter­scheiden. Denn ich war mir immer bewusst, dass Frank Bau­mann über­haupt keinen Zweifel hat, dass ich zum Chef­trainer tauge. Zumal er auch per­sön­lich einiges aufs Spiel setzte als er mich holte.

Weil Sie der dritte Trainer in Folge waren, der aus dem eigenen Nach­wuchs kam?
Ich will gar nicht spe­ku­lieren, was pas­siert wäre, wenn das schief­ge­gangen wäre.

Ihre Vor­gänger Viktor Skripnik und Alex­ander Nouri ret­teten den SV Werder vor dem Abstieg, gerieten dann aber in eine Nega­tiv­schleife. Fürch­teten Sie im Herbst 2018, als Sie fünf Mal in Folge in der Bun­des­liga nicht gewannen, dass es Ihnen ähn­lich ergehen könne?
Wirk­lich ins Grü­beln gekommen bin ich nicht. Wenn ich je einen Anflug von Zweifel hatte, dann nach der Heim­nie­der­lage gegen den FC Bayern. Als Sie Anfangs Dezember knapp mit 1:2 unter­lagen. Ich könnte es mir leicht­ma­chen und sagen: 1:2 gegen Bayern ver­loren, ein Spiel, das bis zum Ende offen war – kann jedem pas­sieren. Aber in dem Match hatte ich das erste und ein­zige Mal das Gefühl, seit ich mit der Mann­schaft arbeite, dass wir nicht unseren Fuß­ball spielen. Dass wir uns für den Sicher­heits­ball ent­schieden, statt nach vorne zu spielen, dass wir beim Ver­tei­digen nicht aggressiv waren, weil wir den Blick nach hinten hatten.

Dass Teams bei Auf­ein­an­der­treffen mit dem FC Bayern der Mut ver­lässt, ist aber kein reines Werder-Pro­blem.
Mag sein, aber ich glaube fest daran, dass eine bestimmte Art von gutem Fuß­ball sich auf Dauer positiv in Ergeb­nissen wider­spie­gelt. Aber nach dem Bayern-Spiel kam ich nach Hause und habe mir gedacht: Jetzt müssen wir sehr auf­passen!“

Sie sind auch laut in der Kabine geworden.
Weil ich wusste, wenn wir diesen Weg wei­ter­gehen, wird das, was wir uns in einem Jahr mühsam auf­ge­baut haben, kaputt­gehen. Im Februar 2017 hatten wir in Mün­chen mit 4:2 ver­loren, aber da stimmte die Hal­tung. Doch bei der Nie­der­lage im Dezember konnte ich nicht mehr voll­ständig erkennen, wofür wir stehen. Es gibt immer Spiele, die von Fak­toren ent­schieden werden, gegen die ein Team machtlos ist. Wichtig aber ist, dass man nie seine Hal­tung ver­liert.