Seite 2: Die Polizei reagiert mit Härte

Die Ermittler nehmen an, dass die Barra-Mit­glieder die Knarren gehortet hatten, um sich für eine interne Aus­ein­an­der­set­zung mit der riva­li­sie­renden River-Barra La Banda del Oeste“ (zu deutsch: Die Bande aus dem Westen) zu wappnen. Offenbar gab es aber auch Befürch­tungen, das Waf­fen­ar­senal hätte beim kom­menden Super­cla­sico“ am 2. Oktober zum Ein­satz kommen können.

Die Ant­wort der Polizei auf das wahn­sin­nige Wett­rüsten inner­halb der Szene ist simpel: immer mehr Härte. Rund um Rivers Pokal­spiel bei Godoy Cruz bekamen selbst harm­lose Anhänger die neue Zero-Tole­rance-Linie zu spüren: Grö­ßere Men­schen­an­samm­lungen wurden mehr oder weniger pro­phy­lak­tisch mit Gum­mi­ge­schossen bedacht. Der mit­ge­reiste Cousin eines River-Profi musste sich dar­aufhin sogar einer Not-OP am Bein unter­ziehen. Klas­si­scher Kol­la­te­ral­schaden.

Unmengen von Sta­di­on­ver­boten

Ent­spre­chend zwie­ge­spalten äußerte sich Rivers Prä­si­dent über die jüngsten Ein­sätze der Staats­ge­walt: Einer­seits hätte die Polizei Glück­wün­sche ver­dient, weil sie es geschafft hatte, Bewaff­nete zu stoppen und somit etwas zu ver­hin­dern, das töd­lich hätte enden können“, sagte Rodolfo D’Ono­frio. Aber es ist eine Schade, dass dies in den Schatten gestellt wurde, denn nach meinen Infor­ma­tionen bekamen auch Leute, die nichts mit diesen Typen zu tun hatten, die neue Polizei-Härte zu spüren.“

Seit Jah­res­be­ginn ver­hängten die Sicher­heits­be­hörden Unmengen von Sta­di­on­ver­boten gegen River-Fans, unter anderem gegen 284 Ange­hö­rige von diversen Barra Bravas, die illegal Tickets wei­ter­ver­kauft hatten. Auch in der Fan­szene der Boca Juniors wird ordent­lich auf­ge­räumt“, wie es heißt.

Sie haben uns von überall her ange­griffen“

Doch ob die harte Gangart Vor­fälle wie jene vom November ver­gan­genen Jahres ver­hin­dern kann? Vor dem dama­ligen Final-Rück­spiel in der Copa Libertadores (Hin­spiel: 2:2) hatten auf­ge­putschte River-Fans den Bus der Boca Juniors mit faust­großen Steinen bom­bar­diert. Scheiben zer­barsten, Spieler wurden ver­letzt. Das ein­strö­mende Trä­nengas der Polizei tat sein Übriges. Sie haben uns von überall her ange­griffen“, berich­tete der geschockte Boca-Kapitän Pablo Perez, der mit Schnitt­ver­let­zungen und einer Augen­blessur im Kran­ken­haus behan­delt werden musste.

Das Match wurde zunächst auf den dar­auf­fol­genden Sonntag und später sogar ins Ber­nabeu ver­legt, wo River Plate schließ­lich mit 3:1 nach Ver­län­ge­rung tri­um­phierte.

Dem Sieger des dies­jäh­rigen Halb­final-Duells (Rück­spiel: am 23. Oktober in der Bom­bonera, 2.30 Uhr MEZ) werden der­weil gute Chancen auf den Gewinn der Copa Libertadores ein­ge­räumt. Das Finale wird diesmal nur in einem Spiel aus­ge­tragen: am 23. November in San­tiago de Chile. Dort wartet dann in jedem Fall ein bra­si­lia­ni­scher Klub – ent­weder Gremio Porto Alegre oder Fla­mengo aus Rio.