Als der Deut­sche Fuß­ball-Bund seinen Mit­glie­dern am 29. Juni den neuen Pre­mi­um­partner der 3. Liga vor­stellte, wusste Robert Marien, Vor­sit­zender des FC Hansa Ros­tock, längst Bescheid: bwin. Der hun­dert­mil­lio­nen­schwere Wett­an­bieter mit Haupt­sitz in Öster­reich will künftig groß­flä­chig in den Sta­dien der dritt­höchsten Spiel­klasse auf­treten. Und dafür ein hüb­sches Sümm­chen zahlen. Robert Marien und Hansa Ros­tock ist das nicht Recht.

Der Haupt­kri­tik­punkt ist, dass durch den Haupt­partner der dritten Liga die Bran­chen­ex­klu­si­vität unseres neuen Haupt­spon­sors Sun­maker tor­pe­diert wird“, schreibt der Verein in seiner Erklä­rung am nächsten Tag. Da hatte das Mobil­te­lefon vom Vor­sit­zenden schon nicht mehr auf­ge­hört zu klin­geln. Tat­säch­lich ist Ros­tock durch den neuen Partner in eine ver­zwickte Situa­tion geraten. Schließ­lich wirbt der Auf­stiegs­kan­didat in dieser Saison bereits mit einem Wett­an­bieter, einem Kon­kur­renten, auf der Tri­kot­brust. Auf dem glei­chen Stoff soll bald auch bwin pran­gern. Das passt nicht zusammen. Doch das allein ist nicht Grund für den Ärger der Han­seaten.

Liga unter Wert

Wir haben vier Kri­tik­punkte: Die Kom­mu­ni­ka­tion ist stark ver­bes­se­rungs­würdig. Die Part­ner­schaft und die im Zuge dessen abzu­tre­tenden Rechte sind unseres Erach­tens unter Wert ver­kauft. Die Ein­füh­rung ist aus unserer Sicht über­stürzt – recht­liche Fragen sind noch nicht hin­rei­chend geklärt“, sagt Marien.

Nach zehn Jahren der Suche hatte der DFB erst wenige Tage vor der offi­zi­ellen Vor­stel­lung die Ver­eine der 3. Liga vor­ge­warnt. Zwei Wochen vor dem 29. Juni hatten sich auf einer Kon­fe­renz erste Gerüchte ver­breitet. Die Ver­eine waren gebeten worden, die ersten Doku­mente aus­zu­ar­beiten, um fest­zu­stellen, welche Flä­chen über­haupt ver­marktet werden können. Da hatten wir bereits auf Sun­maker auf­merksam gemacht“, so Marien. Also doch ein Ein­zel­pro­blem?

Wer­bung, wo noch was frei ist

Ronald Maul, ehe­ma­liger Confed-Cup-Teil­nehmer und neuer Geschäfts­führer beim SV Meppen, sieht den Ein­stieg von bwin etwas anders: Wir sind froh um jeden neuen Partner“. Klar, der Auf­steiger aus dem Ems­land besitzt noch freie Wer­be­flä­chen. Und der Mep­pener Tri­kot­sponsor kikxxl, ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leister, kon­kur­riert mit dem neuen Liga­partner nicht. Aber ich kann jeden ver­stehen, der seinen eigenen Haupt­sponsor bevor­zugt und dass es da zu Kon­flikten kommt“, sagt Maul.

Für ihn, Marien und alle wei­teren Ver­ant­wort­li­chen wirkt sich der neue Ver­trag trotzdem in Stress aus. Kurz­fristig muss jetzt geprüft werden, welche Wer­be­mög­lich­keiten im Ein­zelnen noch bestehen. Maul ist sich sicher: Aus­ver­marktet ist bestimmt noch kein Verein. Jeder wird etwas mög­lich machen können.“ Der DFB hat ein­ge­sehen, dass der Start zu früh kam. Des­halb ist die Teil­nahme am bwin-Deal für jeden Dritt­li­gisten in der kom­menden Saison nur optional. Jeder kann dem Unter­nehmen frei­willig seine Flä­chen anbieten. Wer­be­banden, Tri­kots oder als Logo auf Video­wänden. Für Ros­tock ein Unding.